Der jüngste Abgang: Mert Müldür ist nur einer von vielen, die Österreichs Liga diesen Sommer verlassen.

© Kurier/Jeff Mangione

Sport Fußball
08/21/2019

Die Bundesliga ist ein Exportschlager

Fünf Millionen überweist Sassuolo an Rapid für Müldür. Die Liga hat im Sommer um mehr als 86 Millionen Euro Spieler verkauft.

von Alexander Huber, Günther Pavlovics

Von Munas Dabbur (17 Millionen) über Mert Müldür bis zum Admira-Talent Patrick Schmidt, das um 1,2 Millionen Euro nach Barnsley gewechselt ist: Es lässt sich mittlerweile ein brillantes Team formen mit jenen Feldspielern, die ins Ausland gewechselt sind. Alle um mehr als eine Million Euro Ablöse, alle in diesem Sommer.

Bei Müldür war der Verkauf eigentlich erst für 2020 eingeplant. Als „unverkäuflich“ hatte Rapid-Präsident Krammer den Eigenbauspieler für diese Saison bezeichnet. Aber Sassuolo ließ nicht locker. Laut Gazzetta dello Sport war mit fünf Millionen jene Schmerzgrenze erreicht, bei der die Hütteldorfer nachgegeben haben. Der 20-Jährige unterschrieb beim Elften der Serie A einen langfristigen Vertrag.

Müldür reiht sich im Transferranking dieses Sommers mit seiner Ablöse als Nr. 6 hinter den „zweistelligen“ Ex-Salzburgern Dabbur, Schlager, Lainer, Wolf und Samassékou ein. Noch vor Ex-Mitspieler Boli Bolingoli und João Victor, den Trainer Glasner vom LASK nach Wolfsburg (um ebenfalls 3,5 Millionen) mitgenommen hat.

Die lukrativsten Sommer-Transfers der Bundesliga:

Munas Dabbur: Schon seit Winter war man sich mit Lazio Rom einig. Der 27-jährige israelische Stürmer ging für 17 Millionen zum FC Sevilla.

Das 21-jährige österreichische Talent folgte dem Ruf von Oliver Glasner und wechselt für 15 Millionen von Salzburg nach Wolfsburg.

Stefan Lainer: Das 27-jährige Salzburger Ur-Gestein ging mit Trainer Marco Rose mit nach Mönchengladbach - um 12,5 Millionen.

Hannes Wolf: Den 20-jährigen Pechvogel der U-21-EM hatte schon vor dessen Verletzung Leipzig um 12 Millionen von Salzburg verpflichtet.

Diadie Samassekou: Der 23-jährige Mittelfeldspieler aus Mali wechselte um 12 Millionen von Salzburg zu Hoffenheim.

Mert Müldür: Der 20-jährige Eigenbauspieler verlässt Rapid. Sassuolo überweist für den türkischen Team-Verteidiger 5 Millionen.

Joao Victor: Schon vor dem Wechsel seines Trainers Oliver Glasner war der 25-jährige Brasilianer von Wolfsburg vom LASK um 3,5 Millionen gekauft worden.

Boli Bolingoli: Rapid bekam für den belgischen Linksverteidiger von Celtic Glasgow 3,4 Millionen.

Igor: Nachdem er ein Jahr an die Austria verliehen war, verkaufte Salzburg den 21-jährigen brasilianischen Verteidiger um 3 Millionen nach Italien zu Ferrara.

Sasa Kalajdzic: Der Shootingstar der Admira war in Österreich zu teuer. Der deutsche Zweitligist Stuttgart zahlte 2,5 Millionen.

Patrick Schmidt: Den 21-jährigen Cousin von Philipp Hosiner und Admira-Stürmer ließ sich England Zweitliga-Aufsteiger Barnsley  1,2 Millionen kosten.

Österreichs gerne belächelte Bundesliga hat sich (nicht nur wegen Salzburg) zum Exportschlager entwickelt. Mehr als 86 Millionen haben die Vereine in diesem Transferfenster kassiert.

Warum Müldür Rapids Europacup-Gegner von 2016 nach nur 47 Profieinsätzen so viel wert ist? Der gelernte Stürmer hat schon bei seinen ersten Ligaeinsätzen als Innenverteidiger mit Übersicht und Technik überzeugt.

Ex-Trainer Djuricin erfand den Teenager beim Millionenspiel in Bukarest als Außenverteidiger. Schnell folgte das Debüt im türkischen A-Team, der ÖFB hatte beim gebürtigen Wiener gezögert.

Trainer Didi Kühbauer glaubte, als rechter Innenverteidiger in einer Dreierkette die optimale Position für das ebenso schnelle wie kopfballstarke Talent gefunden zu haben und hoffte auf noch ein gemeinsames Jahr: „Er taugt mir wirklich, er entwickelt sich sehr schnell weiter.“

Wie bei Hoffer

Der Transfer erinnert nicht nur wegen der Ablöse und dem Ziel Serie A an den Wechsel von Jimmy Hoffer 2009 nach Neapel: Auch damals wickelte Max Hagmayr den Deal ab. Und so wie bei Hoffer wurde auch bei Müldürs letzter Vertragsverlängerung (bis 2021) über diverse Beteiligungen gefeilscht. Es dürfte nicht die gesamte Summe in Hütteldorf landen.

Rapid hat also zwölf Tage vor Transferschluss mehr Geld, aber auch mehr Probleme: Müldür war (neben dem verletzungsanfälligen Dibon) der letzte Verteidiger mit Stärken im Aufbauspiel und Zug nach vorne.

FUSSBALL TIPICO BUNDESLIGA: SK RAPID WIEN - SCR ALTACH

Was jetzt fehlt, ist offensichtlich: ein neuer Galvão. Ein spielerisch starker Linksfuß, der das Spiel von Rapid kontrolliert nach vorne lenken kann (und zur Not auch als Ullmann-Ersatz dient).

Lucas Galvão kam vor zwei Jahren um 800.000 Euro aus Altach zu Rapid und wurde nur ein Jahr später (auch wegen grober Knieprobleme) um 2,4 Millionen Euro an Ingolstadt verkauft.