Sport | Fußball
25.08.2018

Der ganz normale Wahnsinn in Hütteldorf

Kurios: Der Sieg gegen FCSB und auch die Fan-Proteste gegen ihn stärken die Position von Trainer Goran Djuricin bei Rapid.

Die Situation erinnert an den Stadioneinzug im Juli 2016: Rapid fegte im Allianz Stadion über Ried 5:0 hinweg, startete auf Platz eins – und trotzdem wurde am Tag danach nur über „die Fans“ diskutiert: Max Entrup war (wegen der Vergangenheit des Reservestürmers bei einem Austria-Fanklub) von der grünen Fanszene transparent mit dem „Inferno“ in Hütteldorf gedroht worden.

25 Monate später ist Entrup vereinslos, und wieder einmal wird nach einem sportlichen Highlight ganz Anderes diskutiert. Dass ...

... Rapid beim 3:1 gegen FCSB in der ersten Hälfte eine der besten Leistungen der letzten Jahre geboten hat, geht fast unter.

... der Nachfolgeklub von Steaua Bukarest mit einer auffallend starken Offensive in Bukarest noch den viele Millionen schweren Aufstieg schaffen könnte, ist den Rapidlern bewusst, aber sonst kein großes Thema.

... mit Richard Strebinger und Mario Sonnleitner ausgerechnet zwei Spieler, die von früheren Trainern schon aussortiert worden waren, überragend spielten, ist nur eine Randnotiz.

... am Sonntag mit Wacker (17 Uhr) jener Klub nach Hütteldorf zurückkommt, der als Gegner das letzte Pflichtspiel vor dem Abriss des Hanappi-Stadions bestritten hat, ist für ein paar Fußball-Romantiker von Interesse.

Aber viel spannender scheint für viele, ob es gegen die Innsbrucker wieder Proteste aus dem Fanblock gegen Trainer Goran Djuricin (und das Präsidium) geben wird.

Krammers Klartext

Präsident Michael Krammer stellt im KURIER-Gespräch klar, dass die Fanszene nicht über einen Rauswurf von Djuricin entscheiden wird: „Allen Rapidlern muss klar sein: Es entscheiden ganz andere Parameter über den Trainer als Transparente und Rufe.“ Verärgert ist der Präsident über den Zeitpunkt der Intervention – beim Stand von 2:0 in Minute 45, in einem absoluten Schlüsselspiel: „Es soll jeder für sich in Ruhe entscheiden: Hilft das Rapid? Oder wird dadurch unnötig Unruhe erzeugt?“

Auf kurier.at hält eine Umfrage-Mehrheit die Proteste für gerechtfertigt. Trotzdem ist Djuricins Status im Verein gerade wegen der Anfeindungen gefestigt. So wie Vorgänger Edlinger nach Protesten des Block West gegen die späteren Meistertrainer Hickersberger und Pacult meinte „Rausschießen lassen wir uns niemand“, kündigt Krammer an, dass der Verein zusammenrücken wird: „Jetzt passiert möglicherweise das Gegenteil, von dem, was manche fordern.“ Auch den auf Zetteln im Stadion verteilten Vorwurf der Fans, dass dem Präsidium die sportliche Kompetenz fehle, weist der Mobilfunk-Manager zurück.

Djuricins Antwort

Das Feindbild selbst erklärt nach einer kurzen Nacht: „Beim Auftritt gegen den WAC hatte ich vollstes Verständnis für den Unmut der Fans. Seither haben wir etwas geändert, dann spielen wir richtig stark, es steht 2:0 – bei diesem Stand fehlt mir jedes Verständnis. Unsere Fans können die geilsten sein, aber so etwas muss ich hinterfragen.“

Karl Daxbacher pflichtet dem Gegner als Wacker-Trainer bei: „Das ist ungewöhnlich und unglaublich.“ Die Ergänzung von Djuricin: „Ich muss es aber so annehmen und versuche, mich wieder voll auf das Sportliche zu konzentrieren.“

Strebingers Ansage

Strebinger nimmt die gesamte Mannschaft in die Pflicht: „Das Trainerteam bereitet uns immer gleich vor. Wir bekommen in der Liga genauso viele gute Informationen wie im Europacup. Jetzt liegt es an uns, dass wir das auch in der Meisterschaft umsetzen.“

Es wird zwar wieder rotiert werden, Stefan Schwab will jedoch in der Manier seines Vorgängers Steffen Hofmann vorangehen.

„Ich habe mich reingearbeitet, bin über diesen Punkt gegangen, und jetzt fühlt sich das Knie ganz gut an“, erklärt der angeschlagene Kapitän, der in den drei Schnittpartien bis zur Länderspielpause von Beginn an mithelfen will.

Für Aufregung sorgen kann übrigens auch FCSB-Boss Gigi Becali: „Wir werden diesen  schwachen Gegner im Rückspiel zerstören.“