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Sport Fußball
10/17/2019

Der Beweis: Die Bundesliga wird gerechter

ÖFB und Österreichs Liga ziehen nach und führen ab März 2021 den Video-Schiedsrichter (VAR) ein. Die Hintergründe.

von Andreas Heidenreich

„Heute ist ein toller Tag, eine neue Ära beginnt in der österreichischen Bundesliga“, freute sich Julian Weinberger. Der 34-jährige Wiener ist einer von aktuell 19 Schiedsrichtern in der österreichischen Bundesliga, die in mittlerer Zukunft technische Unterstützung erhalten. Denn wie der ÖFB und die Bundesliga am Donnerstag verlautbarten, kommt der Video Assistant Referee (VAR) auch nach Österreich. Genau gesagt, ab Beginn des Finaldurchgangs im März 2021.

„Wir haben einen Zahn zugelegt, deshalb schaffen wir die Umsetzung früher“, betont Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer. Im Dezember des vorigen Jahres hatten die Klubs noch Sommer 2022 als Ziel für die Einführung genannt. Um im internationalen Vergleich mit den meisten westeuropäischen Ligen (siehe Grafik) nicht nachzustehen, greift zunächst der ÖFB in seine Tasche. „Natürlich geht es ums liebe Geld“, sagt Präsident Leo Windtner. Der Fußball-Bund mit einem kolportierten Budget von 45 Millionen Euro wird in der Einführungsphase die Kosten von rund einer Million tragen. „Das ist viel Geld, aber eine nützliche Investition“, meint Windtner.

Laufende Kosten

Wenn die Infrastruktur geschaffen ist, wird der VAR-Betrieb mit rund 1,5 Mio. Euro pro Saison berechnet. Dafür wird ab März 2021 die Liga aufkommen. Einfluss auf die Lizenzierung der Klubs habe dies nicht. „Die laufenden Kosten werden aus dem Topf der Zentralvermarktungseinnahmen genommen“, erklärt Ebenbauer, der auch betont: „Das Budget für Schiedsrichter erhöht sich damit um 150 Prozent. Das ist es aber wert, wenn dadurch das Spiel gerechter wird.“ In jedem dritten Spiel, sagt Ebenbauer, könne durch den VAR eine klare Fehlentscheidung korrigiert werden. Schließlich sei der Entschluss in der Klubkonferenz am Mittwoch aber einstimmig gewesen.

Nachdem das Budget steht, soll in den nächsten Wochen geklärt werden, mit welchem technischen Anbieter der VAR umgesetzt wird. Bewerber gibt es mehrere. Branchenführer ist die britische Firma Hawk Eye, die als Partner der FIFA (WM 2018), UEFA (Champions League), der Deutschen Bundesliga und der Premier League die umfangreichste Erfahrung mitbringen würde.

Voraussetzung für die Umsetzung ist jedenfalls ein System mit mindestens vier Kameras. Diesbezüglich ist die Bundesliga im Soll – TV-Partner Sky überträgt aktuell mit fünf bis sechs Kameras pro Partie, wovon aber nicht bei allen Spielen mehr als vier aufs Spielfeld gerichtet sind. Eine weitere hängt jedenfalls im jeweiligen Spielertunnel, wo sonst nicht gezeigte Reaktionen der Spieler und Trainer eingefangen werden.

Ausbildung

Sobald die Verträge mit dem Provider unterzeichnet sind, kann der ÖFB auch mit der Ausbildung seiner Schiedsrichter starten, die Ende Jänner mit dem theoretischen Teil beginnen und inklusive Probespiele etwa ein Jahr lang dauern soll.

Ihren Kollegen voraus sind Harald Lechner (37) und Manuel Schüttengruber (36). Die einzigen beiden Unparteiischen aus Österreich, die Spiele in der Europa League leiten dürfen, werden bereits diesen Herbst gemeinsam mit Kollegen aus anderen Ländern in drei Modulen über insgesamt zwölf Tage von der UEFA geschult. In der Europa League kommt der VAR mit Beginn der K.-o.-Runde im Februar zum Einsatz.

Zahlen, bitte

Gestörter Spielfluss, lange Wartezeit? Die Zahlen liefern den Gegenbeweis

Die WM 2018 in Russland war das erste Fußball-Großevent, bei dem der VAR zum Einsatz gekommen ist. Die danach analysierten Zahlen lieferten Überraschungen.

In den 64 Partien wurden von den Video-Referees 455 Entscheidungen (7,1 pro Spiel) im Video-Raum  überprüft. Im gesamten Turnier musste aber lediglich bei 20 Entscheidungen hilfreich eingegriffen werden. Davon änderten die Referees auf dem Platz 17-mal selbst nach TV-Studium („On Field Reviews“) ihre Entscheidung, drei Mal griffen die Video-Referees gleich direkt ein, ohne dem aktiven Schiedsrichter die Ansicht der TV-Bilder nahezulegen.

Gegner des VAR kritisieren gerne den gestörten Spielfluss durch die zusätzlichen Unterbrechungen. Das  konnte durch folgende Zahlen widerlegt, die aus 800 Spielen mit dem VAR ausgewertet wurden: Unabhängig vom Einsatz des VAR ist der Ball ohnehin schon pro Spiel mehr als 30 von 90  Minuten nicht im Spiel. Ob es da noch einen großen Unterschied macht, dass im Schnitt in drei Partien von 750 getroffenen Entscheidungen nur 15 vom VAR überprüft werden und es dabei nur bei einer einzigen zu einem Review kommt?

Auch die Annahme, ein Spiel würde aufgrund des  VAR viel länger dauern, ist falsch. Ebenso aus 800 Partien wurde errechnet, dass sich die Nachspielzeit  im Schnitt nur von 4:47 Minuten auf 5:47 – also um eine Minute – erhöht. Allerdings: Für diverse Freistöße gehen im Schnitt 8:51 Minuten drauf, für Einwürfe 7:02 Minuten, für Abstöße 5:45 Minuten und für Spielerwechsel 2:57 Minuten pro Partie.

Erhöht werden konnte durch den VAR die Richtigkeit der Entscheidungen. So wurde etwa die Korrektheit von erzielten Toren von 92,1 auf 99,2 Prozent gesteigert. Die Richtigkeit von Elfmeter-Entscheidungen wurde von 90 auf 98,3 Prozent erhöht. Und bei Roten Karten wurde der Wert von 96 auf 99,1 Prozent gesteigert.

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