Sport | Fußball
05.03.2013

Das Leben des Ryan

Der Waliser steht gegen Real vor seinem 1000. Pflichtspiel-Einsatz.

Am Samstag gegen Norwich wurde das Jubiläum noch nicht begangen. Im Champions-League-Hit gegen Real Madrid will Ryan Giggs am Dienstag aber sein 1000. Pflichtspiel bestreiten. Der 39-jährige Waliser ist bereits eine lebende Legende bei Manchester United.

Es hätte aber alles ganz anders kommen können: Ein Scout von Manchester City entdeckte den neunjährigen Giggs bei einem Schülerligaspiel und holte ihn in eine Kooperationsschule der Citizens. An seinem 14. Geburtstag sollte er einen Vertrag als Trainee bei City unterschreiben. Sie warteten auf dem Vereinsgelände auf Giggs. Und waren erstmals zu langsam für den Waliser.

Rekorde

Alex Ferguson, damals noch kein Sir und gerade zum neuen Manager von Manchester United ernannt, war schneller. Er besuchte Giggs zu Hause und überzeugte ihn, bei United zu unterschreiben. Der Rest ist bekannt. Mittlerweile hat der 39-Jährige alleine mehr Spiele in der Premier League absolviert als Stadtrivale Manchester City.

Giggs debütierte am 3. März 1991 gegen Everton, sein heutiger Team-Kollege Phil Jones war damals noch nicht geboren. 22 Jahre später ist noch kein Ende in Sicht, am Freitag verlängerte Giggs seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. Dazwischen liegen unzählige Rekorde. So ist Giggs der einzige Spieler, der in jeder Premier-League-Saison (seit 1992) gespielt hat, nie ausgeschlossen wurde und in jeder Saison zumindest ein Tor erzielt hat.

Wie man sich so lange auf Top-Niveau halten kann, ist für Giggs einfach erklärt: Gute Gene und ein tägliches Yoga-Programm. Ferguson gibt ihm unter der Woche öfter trainingsfrei. Der 71-jährige Schotte ist der einzige Profi-Trainer, den Giggs je hatte. Was die beiden noch verbindet: Sie schaffen es seit Jahrzehnten, sich an die Veränderungen des Spitzenfußballs anzupassen.

Wandelbar

In den 1990er-Jahren war Giggs für seine Dribblings auf dem linken Flügel in ganz Europa gefürchtet. Mittlerweile setzt Ferguson ihn öfter als zentralen Mittelfeldspieler ein, der das Spiel mit seiner Technik und Spielintelligenz diktieren kann. „Er ist immer noch schnell, aber er hat sein Spiel adaptiert. Jetzt spielt er mehr ab“, weiß sein langjähriger Teamkollege Gary Neville.

Angekratzt wurde sein bis dahin makelloses Image 2011, als Affären mit einer britischen TV-Moderatorin und der Frau seines Bruders bekannt wurden. Davor war lediglich seine Karriere in der Nationalmannschaft ein Problem: Mit Wales konnte er sich (wenig überraschend) für kein Großereignis qualifizieren. Immerhin war der von der Queen mit einem Orden Ausgezeichnete der Kapitän des britischen Teams bei den olympischen Spielen in London im Sommer 2012.

Seine Zukunft lässt Giggs offen. Dass er bereits als aktiver Spieler die höchste Trainerausbildung – die UEFA Pro Lizenz – besitzt, deutet darauf hin, dass seine Mission bei Manchester United noch lange nicht beendet ist.

Die treue Seele

Ryan Joseph Giggs wurde am 29. November 1973 in Cardiff, Wales geboren. Seit 1991 gewann er – primär als linker Flügel – mit Manchester United zwölf Meisterschaften, vier FA-Cup-Trophäen, drei Ligapokale sowie in den Jahren 1999 und 2008 die Champions League. Zusätzlich löste er im Mai 2008 Bobby Charlton als Spieler mit den meisten Pflichtspielen in der Geschichte von ManUnited ab.

Persönliche Ehrungen reichen vom zweifachen Titel des besten Nachwuchsfußballers hin zur Auszeichnung 2009 zu Englands Fußballer des Jahres und zum Sportler des Jahres in Großbritannien – der prestigeträchtigsten Auszeichnung im britischen Sport. Queen Elizabeth machte ihn zum OBE (Officer of the Order of the British Empire).

Der exklusive 1000er-Klub

Ryan Giggs bestritt 931 Spiele für Manchester United, 64 für Wales und vier für das britische Olympia-Team. Neben ihm gibt es nur wenige Spieler, die an der 1000-Spiele-Marke kratzen konnten.

Sucht man ausschließlich Akteure, die ebenfalls nur bei einem Klub gespielt haben, bleiben in der jüngeren Vergangenheit überhaupt nur zwei Spieler übrig: Die italienische Fußball-Legende Paolo Maldini absolvierte 902 Spiele für den AC Milan und 126 für die italienische Nationalmannschaft. Auch Stadtrivale Inter hat mit Javier Zanetti einen extrem loyalen Spieler in den eigenen Reihen. Der Argentinier spielte bisher 979-mal für Klub und Land. Der 39-Jährige ist noch aktiv, wird sein 1000. Spiel also wahrscheinlich noch absolvieren.

Der brasilianische Torhüter Rogerio Ceni kommt auf über 1000 Spiele für den FC São Paulo und 16 Länderspiele für seine Nationalmannschaft. Dabei erzielte er kurioserweise mehr als 100 Tore durch Freistöße und Elfmeter. Er ist damit der torgefährlichste Torhüter aller Zeiten. Der englische Liga-Rekord liegt bei Peter Shilton, der auf 1005 Spiele in der höchsten englischen Liga kam.

Österreichische Spieler kommen an diese Zahlen nicht annähernd heran. Bundesliga-Rekordspieler ist der Steirer Heribert Weber, der für Sturm, Rapid und den SV Salzburg insgesamt 579 Spiele bestritten hat.