Sport | Fußball
05.12.2011

Constantini: Vom Shootingstar zum Auslaufmodell

Windtner kürte als neuer Boss Constantini zum Teamchef. Bald gehört die Erfindung zum alten Eisen. Die Geschichte einer Scheidung.

Das Ende der Ära Constantini mutet - gelinde gesagt - etwas unorthodox an. Anfang und Ende der Ära sind eng verbunden mit Leo Windtner. Der Oberösterreicher wurde zum Nachfolger von Kurt Ehrenberger als ÖFB-Präsident erkoren (ab 28. Februar 2009). Der hatte, als Ältester der Landespräsidenten, das Amt innegehabt, nachdem Friedrich Stickler dieses im November 2008 zurückgelegt hatte.

Anfang Februar 2009 legte sich der ÖFB fest, dass Windtner das Amt antreten werde. Dieser meinte damals zum Teamchef: "Karel Brückner ist ein internationaler Fachmann. Es wäre jetzt verfrüht, über ihn zu diskutieren." Ende Februar wurde Windtner bei der Hauptversammlung des ÖFB offiziell zum Boss gekürt. Dabei sagte er über Brückner (Österreich hatte am 11. Februar 0:2 gegen Schweden verloren): "Ich werde einige Dinge klar mit ihm besprechen."

Starke Sprüche

Kurz danach setzte der Boss zum Paukenschlag an: Der ÖFB gab am 2. März die einvernehmliche Trennung bekannt. Nach einem Telefongespräch von Neo-Präsident Leo Windtner mit Karel Brückner, wie man verlauten ließ. Der Tscheche hingegen sagte: "Der ÖFB hat am 23. Februar die Beendigung des Vertrages zum 28. Februar bestätigt, aber nicht veröffentlicht." Auf jeden Fall zauderte man nicht lange, denn zwei Tage nach der Verkündigung der Trennung wurde Didi Constantini als Nachfolger präsentiert - als Windtner-Erfindung, Liebling der Fans und gar Shootingstar.

Dem Blitzstart ins neue Amt, das Constantini ja schon zwei Mal interimistisch innegehabt hatte, folgte der sportliche Glanzauftakt. Österreich siegt gegen Rumänien, fegte auch noch die Färöer vom Platz und spielt in Rumänien 1:1. Der Vertrag von Constantini wird daraufhin bis 2012 verlängert. Er bekommt die Chance, eine komplette Qualifikation unter seiner Leitung zu spielen.

Nach der Verlängerung gab es bis dato 18 Spiele unter Constantini, von denen vier gewonnen wurden - die Heimspiele gegen Litauen, Lettland, Aserbaidschan und Kasachstan.

Aber Constantini hatte schon mit seinem Amtsantritt polarisiert. Er legte sich mit den Führungsspielern an. Andreas Ivanschitz, einst Kapitän, wurde nie einberufen. Constantini unterstellte diesem, eine Stammplatzgarantie gefordert zu haben. Ivanschitz bestreitet dies. Es gilt für einen der beiden die Unschuldsvermutung.

Demontagen

Aber es geht munter weiter mit den Abgängen. Manninger, unter Brückner Einser-Goalie, nimmt von sich aus den Hut. Ebenso Ibertsberger. Unter Constantini absolviert Martin Stranzl ein einziges Spiel, wird vom Teamchef entweder nicht berücksichtigt oder gar öffentlich gerüffelt.

"Ich sehe das so, dass ich nicht gebraucht und gewollt werde. Eine Linie hat er nur bei mir und beim Andi Ivanschitz", sagt Stranzl im November 2009 und beendet mit 29 Jahren und 56 Spielen seine Teamkarriere.

Und Gyuri Garics, der zuvor öffentlich aufbegehrt hatte, wird zusammen mit anderen Spielern von Constantini bei einem Seminar in der Südstadt vor hundert Trainern lächerlich gemacht. Von Windtner ist zur Menschenführung von Constantini kein Wort zu hören. Im Gegenteil. Windtner rüffelte in einer Talkrunde im TV-Sender Sky Garics: "Er muss sich nicht vor dem Teamchef, sondern vor mir und anderen Offiziellen des ÖFB rechtfertigen."

Aber nach und nach verschlechterten sich nicht nur die Ergebnisse des Teams, sondern auch das Verhältnis zwischen Windtner und Constantini. Im Juli empfahl schließlich der Boss dem Trainer unter anderem, über den Tellerrand zu schauen. Der erklärte danach vor laufenden Kameras: "Das ist kein Stil und völlig überflüssig."

Dabei waren es die ab und an eigenwilligen und eigenartigen öffentlichen Auftritte des Teamchefs, die dem Präsidenten missfielen. Dem fehlte es nach dem Aus in der EM-Qualifikation an jener Konsequenz, mit der er bei der Erfindung von Constantini brillieren wollte.

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