Nach Sensation gegen Inter: Bodö/Glimt träumt vom großen Coup
Bodö/Glimt
Das norwegische Sensationsteam Bodö/Glimt hat mit Inter Mailand die nächste Größe des europäischen Fußballs blamiert. Der Vorjahresfinalist muss im Play-off-Rückspiel nächsten Dienstag ein 1:3 aufholen, um sich nicht schon in der ersten K.o.-Runde der Königsklasse zu verabschieden. Während Bodös Trainer Kjetil Knutsen nach dem Heimcoup noch Kritikpunkte fand, fragte die norwegische Zeitung „Verdens Gang“ bereits: „Kann FK Bodö/Glimt das Finale der Champions League erreichen?“
Bodö hat in dieser Saison im eigenen, nur 8.000 Zuschauer fassenden Aspmyra-Stadion auf Kunstrasen nicht nur Österreichs Meister Sturm Graz mit 5:0 vorgeführt. Im Hauptbewerb der Königsklasse gab es auch Erfolge gegen Tottenham und in Dortmund (jeweils 2:2). Den Aufstieg fixierten die Norweger, die erst im März wieder in den Ligabetrieb einsteigen, dann im Jänner mit einem umjubelten 3:1-Heimsieg gegen Manchester City sowie einem 2:1 bei Atletico Madrid.
Der Coup gegen Inter war der dritte in Folge gegen ein europäisches Schwergewicht für das fast durchwegs aus norwegischen Spielern bestehende Ensemble. „Wir haben kein Topspiel gezeigt“, betonte Knutsen. „Wir waren zu unpräzise am Ball, ein bisschen ungenau mit unserer Identität.“ Man habe zwar fantastische Tore geschossen. „Ich glaube aber, dass wir mehr in uns haben als das, was wir gezeigt haben.“ Das dürfte man am Dienstag, zwei Tage nach Ende der Olympischen Spiele, in Mailand zeigen müssen, um sensationell ins Achtelfinale vorzustoßen.
„Ich freue mich sehr darauf, bald nach Mailand zu reisen“, sagte Bodös Hinspiel-Torschütze Sondre Brunstad Fet dem norwegischen Rundfunksender NRK. Der 29-Jährige galt einst als großes Langlauf-Talent und hätte auch eine andere Karriere einschlagen können. Trainer Knutsen meinte mit Blick auf Norwegens Langlauf-Star und Olympia-Goldhamster Johannes Hösflot Kläbo: „Ich vermute, Kläbo ist froh, dass er kein Langläufer geworden ist, denn dann wäre er jetzt kein historischer Winterolympionike.“
Inter will im Rückspiel vor allem eine historische Blamage verhindern. Als „die Hölle“ bezeichnete die Gazzetta dello Sport den 50.000-Einwohner-Ort Bodö nördlich des Polarkreises. „Wir haben trotz des Platzes und der Kälte alles versucht, ich kann ihnen bei der Einstellung nicht viel vorwerfen“, nahm Inter-Trainer Cristian Chivu seine Spieler in Schutz. Der Kunstrasen sei keine Entschuldigung. „Aber es ist noch alles offen, es gibt ja noch das Rückspiel.“
In der heimischen Meisterschaft liegt Inter mit sieben Punkten Vorsprung auf den Stadtrivalen AC Milan klar auf Titelkurs. In den kommenden Wochen könnte der Vizemeister aber ohne seinen Kapitän und Topscorer Lautaro Martinez auskommen müssen. Der Argentinier wurde in Norwegen wegen einer Wadenverletzung ausgewechselt. „Wir werden ihn eine Weile vermissen“, sagte Chivu. In zweieinhalb Wochen steigt das mit Spannung erwartete Ligaderby gegen Milan.
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