Sport | Fußball
12.03.2013

Barcelona stürmt ins Viertelfinale

Die Spanier schlagen Milan 4:0. Galatasaray ist nach einem 3:2 bei Schalke auch weiter.

Zwei Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle hätten sich wohl sehr gefreut, wäre das Konklave schon Dienstag zu Ende gegangen.

Lluis Martínez Sistach, Erzbischof von Barcelona und praktizierender Fan des FC Barcelona, und Angelo Scola, Erzbischof von Mailand und bekennender Fan des AC Milan, versäumten das Achtelfinal-Rückspiel zwischen ihren Lieblings-Klubs. Weil man sich im Vatikan noch nicht auf einen neuen Papst verständigen konnte und die Teilnehmer des Konklave von der Öffentlichkeit abgeschottet sind, solange dieses nicht zu Ende ist.

Gesehen hätten die Kardinäle Dienstag Abend eine groß aufspielende Mannschaft des FC Barcelona. Die Katalanen, die ein 0:2 aus dem Hinspiel aufholen mussten, erzeugten von der ersten Minute großen Druck.

Traumtor

Das Führungstor war nur eine Frage der Zeit. Und es blieb dem größten Star des Starensemble vorbehalten, für dieses zu sorgen: Lionel Messi, der mit neuen Schuhen angetreten war, zirkelte den Ball von der Strafraumgrenze in die Kreuzecke (5.). Das 1:0 war sein erstes Tor gegen eine italienische Mannschaft aus dem Spiel heraus.

Barcelona hielt das Tempo hoch, kombinierte perfekt, hatte bis zu 80 Prozent Ballbesitz, aber auch einmal großes Glück: Der erst 18-jährige Milan-Debütant M'Baye Niang konnte alleine aufs Tor zulaufen, traf aber nur die Stange (38.).

Das sollte sich im Gegenstoß rächen: Milan-Routinier Ambrosini verliert den Ball leichtfertig, Iniesta spielt Messi an, der erneut von der Strafraumgrenze erfolgreich ist – 2:0. Der FC Barcelona hatte in 39 Minuten den Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht.

Nach der Pause vergingen nur zehn Minuten, dann stand der große Champions-League-Favorit erstmals im Viertelfinale: Dieses Mal war es nicht Messi, sondern David Villa, der zum 3:0 traf (55.).

Champions-League-Dienstag in Bildern

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SPAIN SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE

Lionel Messi, Philippe Mexes, Christian Abbiati,

Javier Mascherano, Mbaye Niang

Lionel Messi, Christian Abbiati,

Barcelona's Messi celebrates after scoing his seco

David Villa, Philippe Mexes

David Villa

SPAIN SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE

Barcelona's Alba celebrates after scoring a goal a

GERMANY SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE

GERMANY SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE

Altintop of Galatasaray celebrates his goal agains

Yilmaz of Galatasaray scores a goal against Schalk

GERMANY SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE

GERMANY SOCCER UEFA CHAMPIONS LEAGUE

Galatasaray's Bulut scores a goal against Schalke

Konter

Milan wäre nun gefordert gewesen, hätte auch offensiv aktiv werden müssen. Ein Tor hätte ja gereicht, um den Aufstieg zu fixieren. Barcelona ließ allerdings nicht locker. Erst in der letzten Viertelstunde zollten die Katalanen dem hohen Tempo der ersten 75 Minuten Tribut. Milan war nun mehr im Ballbesitz, Robinho probierte es mehrmals, einem Treffer kam er aber nicht wirklich nahe. Es fiel sogar noch das 4:0. Jordi Alba schloss in der Nachspielzeit einen perfekten Konter erfolgreich ab.

Barcelona schaffte Historisches. Als erstes Team in der Champions-League-Historie konnten die Katalanen einen 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel wettmachen.

Nun muss Barcelona-Fan Lluis Martínez Sistach hoffen, dass noch im März ein neuer Papst bestimmt wird. Denn Anfang April findet das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale statt. Wer Gegner der Katalanen sein wird, wird am Freitag ausgelost. Aber auch diesen wird der Erzbischof von Barcelona erst erfahren, wenn das Konklave zu Ende ist.

Für Schalke 04 war Endstation

Hamit Altintop wurde 1982 in Gelsenkirchen geboren. Dienstag kehrte er mit Galatasaray in seine Heimatstadt zurück. Und erzielte dabei ein Tor, das in die Geschichte der Istanbuler eingehen wird.

Es war die 37. Minute in der Arena in Gelsenkirchen. Schalke führte zu diesem Zeitpunkt durch einen Treffer von Neustädter (18.), doch dann nahm sich Altintop ein Herz. Aus fast 25 Metern traf er zum 1:1 für die bis dahin überlegenen Türken (37.). Schalke war geschockt, kassierte durch Yilmaz (42.) auch noch ein zweites Tor vor der Pause.

Nach dem Ausscheiden von Schalke und dem Aufstieg von Dortmund haben Mittwoch die Bayern die Chance, als zweite deutsche Mannschaft aufzusteigen. Das Team von Jupp Heynckes geht nach dem 3:1 in London als klarer Favorit in das Rückspiel in der Allianz Arena.

Achtelfinale, Rückspiele:

FC Barcelona - AC Milan 4:0 (2:0)
Barcelona, Camp Nou, 95.000

Tore: Messi (5., 40.), Villa (55.), Jordi Alba (92.)

Hinspiel: 0:2 - Barcelona mit Gesamtscore von 4:2 im Viertelfinale.

FC Schalke 04 - Galatasaray Istanbul 2:3 (1:2)
Gelsenkirchen, Arena Auf Schalke, 54.140

Tore: Neustädter (17.), Bastos (63.) bzw. Altintop (37.), Yilmaz (42.), Umut Bulut (95.)
Anm.: Fuchs bei Schalke ab 46.

Hinspiel: 1:1 - Galatasaray mit Gesamtscore von 4:3 im Viertelfinale.

Mittwoch: Bayern München - Arsenal (3:1), Malaga - FC Porto (0:1)

Bereits im Viertelfinale (2./3. bzw. 9./10. April): Borussia Dortmund, Real Madrid, Paris St. Germain, Juventus Turin. Auslosung am Freitag in Nyon.

Das Monster ist aufgewacht

SPANIEN:
El Mundo Deportivo: Welch eine Nacht! Ein kolossales Barça und ein göttlicher Messi versetzen das Camp-Nou-Stadion in Ekstase.
El País: Das Messi-Team nimmt Rache für die 0:4-Niederlage von Cruyffs Barça im Europacupfinale 1994 gegen den AC Mailand.
El Mundo: Der FC Barcelona landet einen historischen Kantersieg. Die Heldentat im Camp-Nou-Stadion markiert die Ära der Messi-Generation.
La Vanguardia: Die Konklaven des FC Barcelona: Immer wenn im Vatikan ein neuer Papst gewählt wird, gewinnt der FC Barcelona 4:0.
El Periódico: Die Wiedergeburt der besten Version des FC Barcelona: Das Messi-Team besinnt sich auf seine Tugenden und überrollt den AC Mailand.
Marca: Barça ist zurück. Die Blauroten schaffen den dringend benötigten Kantersieg gegen ein schwaches Milan. Messi zerstört die Rot-Schwarzen mit zwei Treffern.
Sport: Ein geniales Barça hält im Stil eines Großen Einzug ins Viertelfinale.

ITALIEN
La Gazzetta dello Sport: Messi erteilt eine Lektion. Iniesta und Xavi spielen mit ihrem tiqui-taca Montolivo & Co. k.o. Das Märchen löste sich mit einem Pfostenschuss in Luft auf.
Corriere dello Sport: Das war zu viel Messi für Milan. Was für eine Show des "Fenomeno". Barcelona gelingt die Remuntada.
Tuttosport: Schwarzer Rauch. Remuntada Barca: Super-Messi, Villa und Jordi Alba überrollen Milan mit 4:0. Addio Champions League.
Corriere della Sera: Allegri geht vor den Lehrmeistern in die Knie.
La Repubblica: Die Besseren sind weiter.

ENGLAND:
The Times: Majestätischer Messi ist die treibende Kraft hinter einer neuen Barcelona-Meisterklasse. Mailand war der schönen Grausamkeit des katalanischen Clubs nicht gewachsen. Barcelona ist mehr als ein Verein, und vergangenen Abend haben wir so viel mehr als einen Sieg gesehen. Das 4:0-Massaker des AC Mailands war ein Schrei der Herausforderung, der die Welt erneut dazu brachte, sich vor einem der größten Clubs aller Zeiten zu verbeugen.
The Sun: Messi-ah: Es heißt, Lionel Messi könnte auch übers Wasser laufen. Lionel Messi schwang seinen Zauberstab, und Barcelona schrieb Geschichte.
The Daily Telegraph: Das Ende einer Ära? Was für ein Geheule. Mit einer unfassbar bravourösen Antwort auf die absurde Idee, dass die Majestät ihres Fußballs abnehmen könnte, verhexte und verwirrte Barcelona das arme Mailand - inspiriert vom fast unwirklichen und zum Teil nicht spielbaren Lionel Messi. Im ekstatischen Nou Camp Stadion lieferten sie eines der großartigen europäischen Comebacks.

FRANKREICH:
L'Équipe: GÖTTLICH: Fantastische Leistung von Barça gestern im Camp Nou, wo die Katalanen die Perfektion gestreift haben, um Mailand auszuschalten.
Le Figaro: Nein, dieses Barça ist nicht tot. Zuletzt aufgrund einer hartnäckigen Schwächephase verunglimpft, hat der Club aus Barcelona nun die bestmögliche Antwort gegeben und den AC Mailand beim 4:0 regelrecht auseinandergenommen.
Le Parisien: Was für eine Vorführung! Die Barcelona-Profis, bereits als ausgenutzt und ausgelaugt abgeschrieben, haben in nur 90 Minuten ihre Gegner zum Schweigen gebracht. Am Dienstagabend haben sie die Qualifikation fürs Viertelfinale der Champions League geschafft, indem sie den AC Mailand mit 4:0 weggeputzt haben.

PORTUGAL:
Record: Das Monster ist aufgewacht.
Público: Messi hat den Knoten gelöst, und Villa und Alba haben dem AC Mailand den Todesstoß versetzt.

USA:
New York Times: Barcelona schickt eine eindringliche Botschaft an die Zweifler. 90 Minuten Mittelmäßigkeit führten zu drei Wochen Hysterie, die in weniger als einer Stunde ausgelöscht wurde.

Die meisten Viertelfinal-Teilnahmen

Mit dem 4:0-Rückspielerfolg gegen den AC Mailand hat sich der FC Barcelona zum sechsten Mal nacheinander die Teilnahme am Viertelfinale in der Champions League gesichert. Zweimal konnte die Mannschaft in den vergangenen sechs Jahren auch den Titel gewinnen. Mit jeweils vier Viertelfinalteilnahmen in dem Zeitraum folgen die beiden englischen Klubs FC Chelsea und Manchester United. Aufschließen können der FC Bayern München oder der FC Arsenal (beide 3).

Die Teams mit den meisten Viertelfinalteilnahmen in der Champions League in den vergangenen sechs Jahren:

FC Barcelona: 6 x im Viertelfinale/Sieger 2009 und 2011
FC Chelsea: 4 x im Viertelfinale/Sieger 2012
Manchester United: 4 x im Viertelfinale/Sieger 2008
Bayern München:* 3 x im Viertelfinale
FC Arsenal:* 3 x im Viertelfinale
Real Madrid: 3 x im Viertelfinale
FC Schalke 04: 2 x im Viertelfinale
FC Liverpool: 2 x im Viertelfinale
Inter Mailand: 2 x im Viertelfinale/Sieger 2010

Die mit * gekennzeichneten Klubs sind noch im Wettbewerb und können die Runde der letzten acht Teams noch erreichen.

Quotenrekord für Puls4

Dank der Champions-League-Übertragung des Achtelfinal-Rückspiels FC Barcelona - AC Milan (4:0) hat der österreichische Privat-TV-Sender Puls4 seinen Quoten- und Marktanteilsrekord gebrochen. Bis zu 497.000 Zuschauer verfolgten das Match am Dienstagabend, teilte Puls4 am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Im Schnitt seien 451.000 Seher und ein Marktanteil von 18,9 Prozent in der zweiten Hälfte verzeichnet worden. Durch diese "Rekordreichweite" von 7,6 Prozent erreichte Puls4 auch seinen stärksten Tagesmarktanteil in der bisherigen Sendergeschichte.