FUSSBALL: TIPICO-BUNDESLIGA / GRUNDDURCHGANG: LASK LINZ - RED BULL SALZBURG

Das Duell zwischen dem LASK und Salzburg endete im Herbst 2:2.

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Analyse
02/13/2020

Bundesliga: Warum die Salzburger Dominanz zu Ende gehen könnte

Der Serienmeister empfängt zum Frühjahrsstart den LASK. Fünf Gründe, warum die Linzer Red Bull vom Thron stoßen könnten ...

von Stephan Blumenschein

Sechs Meistertitel in Folge: Kein anderes Team hat die österreichische Bundesliga bisher so dominiert wie Salzburg in den vergangenen Jahren. Auch in dieser Saison überwinterte der Serienmeister auf Platz eins – anders als etwa 2016/'17 (Winterkönig Altach) oder 2017/'18 (Winterkönig Sturm Graz). In beiden Saisonen reichte es jeweils trotzdem locker zur Meisterschaft, am Saisonende hatten die Salzburger 18 sowie 13 Punkte Vorsprung auf die Vizemeister Austria (2017) und Sturm (2018).

Wie vor einem Jahr blieb Red Bull im vergangenen Herbst ungeschlagen. Während man im Februar 2019 mit 14 Punkten Vorsprung auf den LASK in die Frühjahrssaison gestartet war, sind es dieses Mal nur zwei Zähler, die Salzburg in den 18 Herbstrunden mehr als der erste Verfolger aus Linz geholt hat. Am heutigen Freitag treffen das beste Heimteam (Salzburg/8 Siege in 9 Spielen) und das beste Auswärtsteam (LASK/9 Siege in 9 Spielen) zum Auftakt der Frühjahrsmeisterschaft in der mit 17.218 abgesetzten Tickets ausverkauften Red-Bull-Arena (19 Uhr) aufeinander.

Der KURIER analysiert, warum sich in diesem Jahr eine spannendere Meisterschaft als in den vergangenen Jahren ankündigt:

  • Der Gegner

Es war wohl eine der ganz großen Überraschungen im Herbst, dass der LASK dem Mammutprogramm fast keinen Tribut zollte. Vier Pflichtspiele mehr als die Salzburger mussten die Linzer, die sich erstmals überhaupt für eine Europacup-Gruppenphase qualifizieren konnten und auf 31 Partien kamen, absolvieren. Das waren auch vier englische Wochen (also mit einem zusätzlichen Spiel unter der Woche) mehr als für den Herbstmeister. Dass sie dann auch noch Mitte Dezember im letzten Spiel des Jahres gegen Sturm einen 0:3-Rückstand aufholen konnten (Endstand 3:3), beweist die Standfestigkeit der Mannschaft von Trainer Valérien Ismaël. Mit dem LASK haben die Salzburger erstmals seit langem einen Gegner auf Augenhöhe, der in der Winterpause keine einzige Stammkraft verloren hat und mit Husein Balic noch  einen Spieler geholt hat. Der Flügel hat  den Serienmeister im Dress des SKN  St. Pölten durchaus vor Probleme gestellt.

  • Der Aderlass

2018 stand Salzburg im Semifinale der Europa League. Von der damaligen Startelf im Rückspiel gegen Marseille (2:1 n.V.) sind gerade noch drei Spieler im Verein: Andreas Ulmer, Andre Ramalho und Alexander Walke, der im Herbst keine einzige Minute gespielt hat. Das zeigt, wie extrem die Salzburger die Mannschaft umbauen mussten. Im Sommer konnte der Aderlass noch ohne Qualitätseinbußen abgefangen werden. Die Frage, die sich nach der Wintertransferzeit stellt, ist: Gelingt das wieder? Denn  die Stammelf aus dem Herbst konnte – anders als beim LASK – nicht zusammengehalten werden. Mit Erling Haaland und Takumi Minamino haben zwei Spieler Salzburg verlassen, die bewerbsübergreifend an 55 Toren beteiligt waren. Der Kader wurde im Jänner  ausgedünnt. Sechs Abgängen stehen  gerade einmal drei Zugänge gegenüber.

  • Das Defensivproblem

18 Gegentore in 18 Bundesliga-Runden kassierten die Salzburger im Herbst. Das ist natürlich nicht viel, aber doch deutlich mehr als in den vergangenen drei Saisonen. Durch die offensive Spielweise hat der Serienmeister in vielen Spielen zu viele Chancen zugelassen. In der Champions League schlug sich das auch in sehr vielen Gegentoren (13 in 6 Spielen) nieder, in der Bundesliga wirkte sich die Defensivschwäche hingegen (noch) nicht wirklich negativ aus. Aber ein Ruhepolster sollte das keiner sein. Dass Trainer Jesse Marsch in den 27 Pflichtspielen im Herbst keine Stammverteidigung fand, immer wieder neue Experimente startete, zwischen Vierer- und Dreierkette herumwechselte, beweist nur, dass es nicht rund lief. Trotzdem wurde personell im Winter nicht reagiert. Obwohl drei Defensivspieler abgegeben wurden, wurde kein einziger Abwehrspieler geholt. Personalbedarf hätte es aber durchaus gegeben – etwa auf der Position des Linksverteidigers. Da herrscht aktuell hinter Andreas Ulmer, der mittlerweile schon 34 Jahre alt ist, ein Vakuum.

  • Das Liefering-Loch

Salzburg konnte sich die vielen Abgänge auch leisten, weil es Ersatz immer im eigenen Stall gegeben hat. Der Zufluss vom FC Liefering, der auch in der zweiten Saison in der neuen 2. Liga in den hinteren Tabellenregionen zu finden ist, ist aber etwas ins Stocken geraten. Im Sommer 2019 schaffte kein einziger Spieler direkt vom Farmteam den Sprung, in der Winterpause wurde mit Karim Adeyemi ein Spieler hochgezogen. Der Deutsche, der 2018 mehr als drei Millionen Euro Ablöse gekostet hat, ist ein Spieler für die Offensive, in der die Salzburger qualitativ und quantitativ überbesetzt sind. Für die Defensive kommt schon längere Zeit nichts nach. Das hängt auch damit zusammen, dass die aus dem Nachwuchs von Paris Saint-Germain geholten Verteidiger Abdourahmane Barry und Mahamadou Dembélé sich nicht so entwickelt haben wie in Salzburg gehofft worden war.

  • Der Leistungsabfall

Dank der direkten Qualifikation für die Champions League hatte Salzburg 2019 erstmals nach 14 Jahren keinen Europacup-Stress im Sommer. Dieser Vorteil wurde in der Bundesliga ausgenützt. Red Bull startete mit einem Kantersieg nach dem anderen. Die ersten sieben Spiele wurden gewonnen, das Torverhältnis lautete 34:6. Den ersten Punkteverlust gab es erst in Runde 8 (2:2 beim LASK). Je mehr englische Wochen folgten, umso schwächer wurden die Leistungen. Gegen Klubs wie Admira oder St. Pölten, die im August klar besiegt wurden, reichte es im Spätherbst nur mehr zu Unentschieden. Dazu kommt, dass die Ergebnisse gegen die anderen Topteams, auf die man auch in der Meistergruppe treffen wird, zum Teil alles andere als klar waren. Beim LASK und bei Sturm gab es glückliche Remis. Gegen Rapid entschied zuletzt auch nur ein Last-Minute-Tor.

Seit dem Einstieg von Red Bull  2005  holte Salzburg zehn Meistertitel. Aber erst zum siebenten Mal überwintert man auf Platz 1. Wurde Red Bull Winterkönig, hat es  bisher immer zum Titel gereicht.  

Saison               Winterkönig                Meister
2005/’06             Austria                        Austria
2006/’07             Salzburg                    Salzburg
2007/’08             Sturm Graz                Rapid
2008/’09             Salzburg                    Salzburg
2009/’10             Rapid                         Salzburg
2010/’11             Ried                           Sturm Graz
2011/’12             Rapid                         Salzburg
2012/’13             Austria                       Austria
2013/’14             Salzburg                    Salzburg
2014/’15             Salzburg                    Salzburg
2015/’16             Salzburg                    Salzburg
2016/’17             Altach                        Salzburg
2017/’18             Sturm Graz               Salzburg
2018/’19             Salzburg                    Salzburg
2019/’20             Salzburg                    ?