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31.07.2018

Bundesliga-Start: Viel Licht und wenig Schatten

Viele Tore, spannende Spiele, volle Tribünen und kaum Leerlauf. Der Liga-Start im KURIER-Check.

Der Start in die neue Zwölferliga macht Lust auf mehr. Die vielen Tops und die wenigen Flops der ersten Bundesliga-Runde im neuen Format:

+ Torflut Es war einiges los in den Bundesliga-Stadien: 27 Tore sind in den sechs Spielen gefallen – so viele wie in einer ersten Runde vor zuletzt 32 Jahren. Der Torschnitt mit 4,5 Treffern pro Partie ist der zweitbeste seit 1986. 2000/’01 lag dieser bei 4,8 (24 Treffer in allerdings nur fünf Partien).

+ Fan-Interesse 8000 Zuschauer kamen im Schnitt trotz Urlaubszeit zu den sechs Spielen. Obwohl Rapid auswärts startete, waren gleich in drei Stadien mehr als 10.000 Fans – in Salzburg, in Graz und bei der Wiener Austria, deren neue Arena am Freitag ein würdiger Rahmen für das Saisonstartspiel war. 

- Hitze Es gibt triftige Gründe für die fixe Spielzeit 17 Uhr: Mitreisende Fans sollen halbwegs zeitig vor dem Beginn der Arbeitswoche zurück sein und auch Kinder können noch ins Stadion. Bei Temperaturen deutlich über 30 Grad zeigten sich aber sowohl für Spieler als auch Fans die Schattenseiten des frühen Ankicks.

+ Offensivgeist Mit der Aufstockung der Liga wurde befürchtet, dass mehr „Kleine“ auch mehr Defensivfußball in die Liga bringen werden. Weit gefehlt: Die Aufsteiger Hartberg und Wacker spielten ebenso munter nach vorne wie die letztjährigen Krisenklubs St. Pölten und WAC im direkten Duell. Lediglich die Admira (gegen Rapid) und der LASK (in Salzburg) versammelten sich in der eigenen Hälfte.

Lainers Ärger Dass ein Spieler enttäuscht ist, wenn er nicht zum Champions-League-Fixstarter Napoli wechseln darf, überhaupt dann, wenn ihn Startrainer Carlo Ancelotti persönlich kontaktiert, ist verständlich. Dass er auf Sky seinen Unmut kundtat, hätte sich Stefan Lainer aber sparen können. Ganz unschuldig ist der 25-Jährige an seiner Situation nämlich nicht: Hätte er nicht vor einem Jahr einen neuen Fünfjahresvertrag bei Salzburg unterzeichnet, hätte er jetzt die freie Wahl gehabt, weil sein alter Vertrag zu Ende gewesen wäre. So sitzt er ohne Ausstiegsklausel auf dem kürzeren Ast.

+ Rapid-Erneuerung Auch wenn die Admira geschwächt ist, waren die Kombinationen von Rapid beim 3:0 ein Hingucker. Besonders auffällig: Christoph Knasmüllner spielt oft direkt (wie bei seinen zwei Assists), hatte bei 48 Versuchen aber laut Opta erst in Hälfte zwei einen einzigen Fehlpass. „Knasi braucht Freiheiten, dann dankt er es dir“, weiß Trainer Goran Djuricin, dem es gelungen ist, fünf Neuzugänge gut zu integrieren.

- Admiras Absturz Drei Pleiten, kein Treffer – der Verlust von sechs Stammspielern beutelt die Admira zum Saisonstart durcheinander. Trainer Ernst Baumeister setzt auf Zeit und ist sicher, diese vom Klub auch zu bekommen: „Wir sind auf diese Probleme vorbereitet. Darum sehe ich auch nicht alles so negativ. In zwei Monaten sehen wir dann sicher wieder eine ganz andere Admira.“

+ Salzburgs Frühform Ein Tor hatte der Meister vergangene Saison in beiden Heimspielen gegen den LASK erzielt. Am Sonntag gelangen drei Tore – und das in 16 Minuten. Das Salzburger Vorstellung in der ersten Hälfte war beeindruckend und unterstrich einmal mehr, dass der Serienmeister der Titelfavorit Nummer eins ist.

+ Torjäger Es gibt sie nicht nur bei der WM, sondern auch in Österreich noch, die klassischen Mittelstürmer. Hannes Aigner, René Gartler und Munas Dabbur – allesamt echte Neuner – führen die Torschützenliste mit je zwei Treffern an. Philipp Hosiner schloss mit seinem Siegestor für Sturm dort an, wo er 2014 vor seinem Wechsel ins Ausland bei der Austria aufgehört hatte. Und auch Marko Kvasina gelang nach einem verpatzten Jahr in Enschede mit seinem 3:2 in Altach ein starker Start für Mattersburg.

- Kein VAR Der Fußball-Fan ist von der WM verwöhnt. Auch in Russland gab es Fehlentscheidungen, aber die meisten wurden von den Video-Schiedsrichtern korrigiert. Beim Ligastart fielen die Fehlpfiffe deswegen umso mehr auf. Den (teuren) VAR wird es in der Bundesliga, wenn überhaupt, frühestens in zwei Jahren geben.

+ SKN-Renaissance Bereits sieben Pflichtspiele ist St. Pölten saisonübergreifend ungeschlagen. Mit der starken Vorbereitung lautet die Bilanz sogar zwölf Siege, ein Remis, null Niederlagen. Das späte 4:3 gegen den WAC hat gezeigt: Noch so eine schlechte SKN-Saison wird es unter Trainer Dietmar Kühbauer nicht geben.