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Fußball im TV: Spart die Bundesliga auf Kosten der Fans?

In der Bundesliga dürften ab kommender Saison weniger TV-Kameras zum Einsatz kommen. Einige davon automatisch gesteuert.
Sky überträgt die Bundesliga

Die 32. und letzte Runde der Fußball-Bundesliga steht bevor. Ein letztes Mal wird Sky am Sonntag die Bilder eines ganzen Spieltags in die Wohnzimmer der Fußballfans liefern. Denn fest steht: Ab der kommenden Saison ist vieles ungewiss, was die TV-Übertragungen betrifft.

Ausgangspunkt ist eine Entscheidung der Bundesliga aus dem Frühjahr 2025. Zur Erinnerung: Bisher überwies Sky rund 42 Millionen Euro pro Saison an die österreichische Bundesliga für die Rechte an der Übertragung. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 bot der Pay-TV-Sender nur noch etwa 30 Millionen pro Jahr – erhielt letztlich aber mangels Alternativen erneut den Zuschlag.

Für die Liga ist das eine spürbare Einbuße. Seitdem wird versucht, durch Einsparungen die angespannte finanzielle Lage zu stabilisieren. Im Bereich der TV-Produktion ist das schon passiert.

Das billigere Modell

Denn nicht nur die Übertragungsrechte, sondern auch die Produktion der Bilder wurde wie üblich neu ausgeschrieben. Bisher produzierte Sky die Übertragungen selbst. Ab der Saison 2026/’27 übernimmt das Wiener Unternehmen Uppercut Broadcast die Produktion. Der Auftrag soll für die Liga deutlich günstiger sein: Statt bisher etwa vier bis fünf Millionen Euro pro Saison soll es Uppercut künftig um etwa die Hälfte des Geldes machen.

Für Sky bedeutet das eine neue Rolle. Der Sender erhält künftig fertige Bilder und hat keinen direkten Einfluss mehr auf deren Produktion. Regie und technische Umsetzung liegen bei Uppercut, das in Wien bereits ein neues Studio errichtet hat.

Das ist für Sky zugleich Vorteil und Risiko: Einerseits sinken die eigenen Produktions- und Personalkosten, andererseits trägt der Sender die Verantwortung für die Ausstrahlung, ohne die Bildgestaltung selbst steuern zu können – was sich in der Wahrnehmung der Zuschauer niederschlagen könnte.

Automatische Kameras

Denn möglicherweise produziert Uppercut künftig die meisten Spiele mit der vorgeschriebenen Mindestzahl von nur vier Kameras. Dem Vernehmen nach sollen viele davon auch noch durch ein Remote-System, also ohne Kameramann (oder -frau) gesteuert sein. Ob man damit dieselbe Qualität erhält, wird sich weisen. Die Bundesliga versichert: Uppercut bringe neben vorhandener Technik umfangreiches Wissen und Erfahrung mit.

Die neue Struktur hat jedenfalls bereits Konsequenzen: Sky hat den Mietvertrag des langjährigen Produktionsstudios in Wien-Auhof gekündigt. Demzufolge könnte sich der Umfang der Berichterstattung deutlich reduzieren. Denn umfassende Vor- und Nachberichterstattung war nicht Teil der Rechteausschreibung. Soll heißen: Sky ist nicht dazu verpflichtet, diese Inhalte zu liefern. Seitens der Bundesliga heißt es dazu auf KURIER-Nachfrage: „Im Zuge der Vergabe der medialen Rechte wurden von sämtlichen Anbietern als Teil der Angebote auch Redaktionskonzepte eingefordert. Ein solches liegt somit auch von Sky vor.“ Ob redaktionelle Berichterstattung vor und nach den Spielen aber auch vertraglich bindend ist, hat die Liga nicht beantwortet.

Fakt ist: Will man wie gewohnt etwa Trainerinterviews anbieten, müsste Sky erst recht wieder Technik und Personal zur Produktion dafür in die Stadien schicken oder aber Uppercut separat dafür beauftragen und bezahlen. Ob Sky diesen Aufwand betreiben wird, ist offen. Das Verhältnis zwischen Liga und Sender gilt seit der letzten Rechtevergabe als abgekühlt.

Für die Fußballfans könnte das bedeuten, dass Übertragungen künftig deutlich reduzierter ausfallen: möglicherweise nur noch der reine Spielbeginn bis zum Schlusspfiff, ohne umfangreiche Vor- und Nachberichte.

Auch etablierte Formate wie „Talk und Tore“, bislang im Auhof-Studio produziert, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Ein Umzug nach München, wo Sky Deutschland ein eigenes Studio hat, wäre zwar möglich, gilt aber als organisatorisch fraglich.

Gibt es noch eine Konferenz?

Unklar ist zudem, ob es künftig noch eine Konferenz geben wird. Durch neue Anstoßzeiten – ein Fixspiel am Freitag sowie zwei Beginnzeiten am Samstag um 17 und 19 Uhr – werden nur noch höchstens zwei Partien parallel stattfinden. Das würde eine klassische Konferenzstruktur überflüssig machen und zugleich Kosten senken. Pro Spiel bräuchte es dann nur noch einen Kommentator und nicht zwei. Was das für viele Sky-Mitarbeiter bedeuten würde, wäre auch klar.

In die Karten blicken lässt sich Sky jedenfalls noch nicht. Auf KURIER-Nachfrage wird bestätigt, dass der Vertrag mit dem Auhof-Studio gekündigt wurde. Fragen, ob es auch künftig Vor- und Nachberichterstattung, „Talk und Tore“, Trainer-Interviews und eine Konferenz geben wird, wollte man nicht beantworten. Nur so viel: „Welche inhaltlichen sowie produktionellen Neuerungen wir für die kommende Saison planen, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren.“

Fest steht, dass die Liga durch den Deal mit Uppercut Geld gespart hat. Ob auf Kosten des Produkts, das sie Woche für Woche verkauft, bleibt noch abzuwarten.

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