Sport | Fußball
21.05.2018

Bojan Krkić: Wie Panikattacken ein Wunderkind ausbremsten

Bojan Krkić galt als großes Talent, aber seine Karriere verlief nicht nach Plan. Nun sprach er erstmals über die Gründe.

Sie nannten ihn einst den "neuen Messi". Das war zu einer Zeit, als er für den Barcelona-Nachwuchs Tor um Tor erzielte - zehn Jahre später tingelt er zwischen der Premier League, LaLiga und der deutschen Bundesliga umher. Die abgelaufene Spielzeit verbrachte er bei Deportivo Alaves, kam auf zwölf Einsätze in der Primera Division, Treffer oder Vorlage gab es keinen. Ein einziges Mal netzte er - im Cupspiel gegen Getafe, das einzige Spiel, in dem er über 90 Minuten randurfte.

Die Karriere von Bojan Krkić Pérez, meist schlicht Bojan genannt, ist ein Musterbeispiel für ungenutzt gebliebenes Talent. Und Bojan selbst war lange Zeit verschrien, es liege an seiner Arbeitseinstellung. Als er die Europameisterschaft 2008 verpasste - damals mit 17 Jahren Barcelonas jüngster Debütant in der höchsten spanischen Liga - hieß es, er habe Urlaub genommen. Und auch sein geplantes Länderspieldebüt für Spanien gegen Frankreich fiel flach - wegen einer Magen-Darm-Entzündung, so die offizielle Erklärung.

Heute, zehn Jahre danach, räumt Krkić mit dieser Behauptung in einem Guardian-Interview auf. "Ich fuhr wegen Angstattacken nicht zur EM, aber wir sagten, ich würde auf Urlaub gehen. Ich war im spanischen Kader für das Spiel gegen Frankreich, und es hieß, ich hätte eine Magenentzündung, aber es war eine Angstattacke. Aber niemand will über so etwas reden. Den Fußball interessiert das nicht."

"Der Druck ging nie weg"

Mit 17 war Krkić auf dem Höhepunkt seiner noch jungen Karriere, und die Erwartungshaltung gigantisch. Mit 15 Jahren spielte er sich bei der U17-EM 2006 ins Rampenlicht, und seine Auftritte bei der U17-WM ein Jahr später machten ihn zu einem der begehrtesten Talente im Fußball. Und dann lief es plötzlich nicht mehr. "Vor der U17-WM kannte mich niemand; als ich zurückkam, konnte ich nicht mehr die Straße runtergehen. Ein paar Tage später gab ich mein [LaLiga]-Debüt, dann spielte ich Champions League, traf gegen Villareal, und dann rief das Nationalteam an. Es war alles wunderbar - aber irgendwann kommt der Moment, wo dein Körper 'Stop' sagt."

Nach dem kometenhaften Aufstieg beginnen plötzlich die Angstattacken. "Da war ein starker Druck da, der niemals wegging. Es ging mir gut, als ich für das Frankreich-Spiel in die Kabine ging - aber dann fühlte ich mich plötzlich schwindlig, überwältigt, in Panik. Das war das erste Mal, aber ich hatte danach noch weitere schlimme Anfälle. Es gab Medikamente, psychologische Behandlung gegen die Barrieren, die ich errichtet hatte, gegen die Angst."

Als Luis Aragonés Krkić in den spanischen EM-Kader beruft, muss das Supertalent absagen. "Ich war im Auto auf dem Weg zum Training [als der Anruf kam]. Ich sagte: 'Es tut weh, das sagen zu müssen, aber ich kann nicht.' Ich kam zum Nou Camp und Puyol sagte: 'Bojan, ich werde dabei sein, ich bin für dich da. Ich sagte: 'Puyi, ich kann nicht.' Und am nächsten Tag lese ich in der Zeitung: ' Spanien beruft Bojan, und Bojan sagt Nein'."

"Ich liebe den Fußball

Auf die Zeitungsheadline folgen Anfeindungen, Versuche seitens des Vereins, den Spieler zu schützen. "In dem Alter weißt du es nicht besser, und die Bombe war schon explodiert. Wir versuchten nur das Feuer zu löschen. Heute, zehn Jahre später, überraschen mich die Reaktionen nicht. Es fällt den Leuten schwer, zuzugeben, dass es nicht gut läuft, und alles, was dem Fußball wichtig ist, ist, dass alles OK ist, dass alles gut aussieht."

"Es wäre einfach gewesen, bei Barca zu bleiben, aber ich musste gehen", sagt er über seinen Abschied vom Nou Camp in Richtung AS Rom im Sommer 2011. Seither folgten Stationen beim AC Milan, bei Ajax Amstedam, Stoke City und leihweise bei Mainz 05 und Deportivo Alavés. Seine Leihe bei Alaves ist ausgelaufen, ob es für Krkić zurück zum Premier-League-Absteiger Stoke geht, ist noch offen.

Dennoch schaut der 27-Jährige ohne Bitterkeit zurück. "Das wichtigste sind die Erfahrungen, die du erlebt hast. Niemand kann dir das wegnehmen. Und die, die schlecht von dir gesprochen haben, die werden dich vergessen. Und dann bin es nur noch ich und mein Stolz, die Momente - einzigartige Momente, die viele Spieler nie erlebt haben. Ich liebe den Fußball, und niemand wird mir das jemals nehmen. Ich bin stolz auf meine Karriere. Ich genieße das Spielen noch immer, und ich habe nicht die Absicht, bald aufzuhören."