Manuel Prietl (li.) erzielte das entscheidende Tor zum Meistertitel der Arminia

© EPA/FRISO GENTSCH / POOL

Sport Fußball
06/21/2020

Bundesliga-Aufsteiger Prietl: "Wir sind das einzige Schlauchboot"

Der Steirer stieg mit Arminia Bielefeld in die Bundesliga auf. Die Karriere des 28-Jährigen ist ungewöhnlich

von Christoph Geiler

Es ist ein weiter Weg vom SV Gleinstätten aus dem Bezirk Leibnitz in die Deutsche Bundesliga. Vor allem ist es aber ein ungewöhnlicher Weg, den Manuel Prietl in seiner Karriere gegangen ist. Der Steirer besuchte keine dieser neumodernen Fußballakademien, sondern er diente sich von den untersten Ligen nach oben. Gleinstätten, Hartberg, Mattersburg. Seit vier Jahren ist der defensive Mittelfeldspieler ein Leistungsträger bei Arminia Bielefeld. Mit dem Traditionsklub gelang dem 28-Jährigen nun sensationell der Aufstieg in die Bundesliga, sein Treffer zum 1:0-Sieg gegen Darmstadt bescherte der Arminia vorzeitig den Titel in der zweithöchsten deutschen Spielklasse.

KURIER: Herr Prietl, kennen Sie eigentlich die Bielefeld-Verschwörung?

Natürlich habe ich davon schon gehört. Das ist mir ein Begriff.

Die Bielefeld-Verschwörung, so ein Running Gag im Internet, besagt, dass es die Stadt Bielefeld gar nicht gibt.

Schön, wenn das manche Leute witzig finden und darüber lachen können. Ich sage nur: Spätestens jetzt sollte jeder Bielefeld wieder kennen. Das ist eine komplett fußballverrückte Stadt. Hier kennen die Sechsjährigen die Aufstellung der Arminia.

Wie ist denn die Aufstiegsfeier ausgefallen in Zeiten von Corona?

Für jeden von uns ist mit dem Aufstieg ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, aber ein fader Beigeschmack ist schon dabei. Es gab in der Stadt zwar einen Autokorso und Hupkonzerte, die Leute haben die Fahnen rausgeholt. Aber wir konnten wegen Corona nicht richtig mit unseren Fans feiern. Ich hoffe, dass wir das nachholen können, wenn sich alles wieder etwas beruhigt hat. Wichtig ist, dass wir in der Bundesliga sind.

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Hätten Sie das gedacht, dass Sie einmal in der Bundesliga spielen würden? Mit 20 waren Sie noch ein Amateur beim SV Gleinstätten in der steirischen Landesliga.

Ein bisschen exotisch bin ich sicher, weil ich halt eine andere Fußballerkarriere habe als die meisten Spieler. Ich komme vom Dorf und habe nie eine Akademie besucht. Dafür habe ich mit 16 schon in der Landesliga gespielt.

Geschadet hat es Ihnen offensichtlich nicht.

Klar, es ist jetzt nicht der übliche Weg, aber Nachteil war es bestimmt auch keiner. Ich hoffe sogar, dass es noch mehrere junge Spieler gibt, die sich das trauen. Man kann auch von der Landesliga den Sprung schaffen und ein Profi werden. Dieses Ziel darf man nie aus den Augen verlieren. Und es schadet sicher nicht, wenn man mutige Entscheidungen trifft.

Wovon sprechen Sie?

Ich war 24, war ablösefrei und ich hatte damals auch einige Angebote aus der Liga. Von Salzburg und von Sturm. Ich hab’ mir damals gesagt: ,Komm’, jetzt bist du 24, probier’ doch noch was!’ Im Nachhinein war es damals die beste Entscheidung, zu Bielefeld zu gehen.

Für viele kommt der Meistertitel von Arminia Bielefeld überraschend. Für Sie auch?

Ich bin jetzt vier Jahre hier und habe mit dem Verein schon alles miterlebt. In der ersten Saison wären wir fast in die dritte Liga abgestiegen, dann hatte der Klub große finanzielle Sorgen. Unser großes Plus gegenüber Teams wie HSV oder Stuttgart war, dass wir viele Spieler haben, die diese zweite Liga schon lange kennen. Die zweite Liga ist so eng und umkämpft, die musst du als Spieler annehmen. Damit tun sich Vereine, die aus der Bundesliga absteigen, oft schwer. Deswegen werden auch immer wieder Klubs durchgereicht.

Welche Rolle kann und soll Ihr Klub nächste Saison in der Bundesliga spielen?

Wir wollen jedenfalls nicht nur ein Jahr dabei sein und dann sofort wieder verschwinden. Unser Sportdirektor hat zwar gesagt, dass in der Bundesliga 17 Motorboote sind und wir sind das einzige Schlauchboot – aber es besteht sicher die Chance, dass wir drinnen bleiben.

Sie sind Leistungsträger bei einem künftigen Bundesligisten: Glauben Sie, dass Sie das Interesse von Teamchef Franco Foda geweckt haben?

Ich habe mich mit diesem Thema ehrlicherweise noch nicht beschäftigt. Natürlich möchte jeder Fußballer einmal beim Nationalteam dabei sein, ich habe bisher nur beim U-21-Team gespielt. Aber mir ist schon klar, dass gerade auf meiner Position die Konkurrenz riesengroß ist. Das sehe ich schon sehr realistisch. Aber wer weiß, was die Zeit bringt. Es wäre jedenfalls eine Erfahrung, die ich noch gerne mitnehmen würde. Ich glaube, dass ich im Moment mit 28, 29 auch im besten Fußballeralter bin.

Apropos Österreich: Sie hören Sich beim Reden nicht mehr wie ein Steirer an.

Sobald wir über die Grenze fahren, dann geht der Dialekt sofort wieder an. Bielefeld ist halt schon sehr weit oben in Deutschland. Die finden es zwar sympathisch, wenn ich Steirisch rede, aber sie verstehen mich halt nicht.

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