Barcelona verstimmt die Palästinenser

dapdA Palestinian vendor displays a shirt of Barcelonas soccer team at a sport store in Gaza City, Thursday, Sept. 27, 2012. Hamas is launching a media boycott of Barcelona after reports the Spanish league leader gave a complimentary ticket for an upcomin
Foto: dapd In den Palästinensergebieten ist Barcelona der beliebteste Klub. Trikots sind begehrt.

Wirbel um Barcelona. Die Einladung eines Israeli zum Spiel gegen Real Madrid ist ein Politikum.

Fußball verbindet, heißt es. Manchmal kann aber auch das weltumspannende Spiel tiefe Gräben nicht zuschütten. Der FC Barcelona hat den 26-jährigen Gilad Schalit zum Clásico gegen Real Madrid am Sonntag eingeladen. Die Palästinenser-Organisation Hamas hatte den israelischen Soldaten nach seiner Entführung über fünf Jahre im Gazastreifen festgehalten. Im Oktober 2011 kam er im Austausch gegen 1027 palästinensische Häftlinge frei. Mittlerweile arbeitet Schalit als Sportreporter.

Pro-palästinensische Organisationen forderten in einem Brief den Vereinspräsidenten Sandro Rosell auf, den Israeli wieder auszuladen. Laut einem Bericht des israelischen Internetportals Walla reagierte Barça mit einer klaren Botschaft: Das spanische Innenministerium werde Schalit persönlich beschützen, solange er sich in Barcelona aufhalte, hieß es. 

Palästinenser erhoben zudem den Vorwurf, Schalit sei durch die Bemühungen "der zionistischen Lobby in Europa" eingeladen worden. Ein Hamas-Vertreter kündigte an, dass kein TV-Sender im Gazastreifen die Spiele von Barcelona zeigen werde. Auch würden keine Zeitungen über den Verein schreiben. Barcelona ist der beliebteste Fußballklub in den Palästinensergebieten. Viele Kinder tragen Trikots des spanischen Vereins.

Barça neutral

Die Nachrichtenagentur AFP zitiert eine ungenannte Quelle des FC Barcelona: "Wir haben eine Anfrage von einem israelischen Minister erhalten, Schalit einzuladen, und wir haben ihr stattgegeben. Es sollte klargestellt werden, dass Barça durch diese Einladung keine Stellung im israelisch-palästinensischen Konflikt bezieht. Wir erinnern daran, dass der Vizepräsident des Vereins, Carles Villarubi, Palästinenserführer Mahmud Abbas empfangen und ihm das Klubgelände gezeigt hat."

Um das mediale Getöse etwas einzudämmen, hat Barcelona auch einen Palästinenser – Mahmud al-Sarsak – eingeladen. Der spielte im Nationalteam von Palästina. 2009 wurde der heute 25-Jährige festgenommen, israelische Sicherheitsbeamte verdächtigten ihn, im Auftrag des Islamischen Dschihad einen Sprengsatz versteckt zu haben. Es wurde aber keine Anklage erhoben.

Hungerstreik

Mit einem 98 Tage dauernden Hungerstreik hat er seine Entlassung am 10. Juli erkämpft. Dass er nach drei Jahren ohne Anklage freikam, ist einem breiten internationalem Protest zu verdanken. FIFA und UEFA schalteten sich ein. Niederländische Fußballer schrieben seinen Namen auf ihre Trikots, in London demonstrierten Fans. Auch Eric Cantona setzte sich für seine Freilassung ein.

Al-Sarsak nahm die Einladung aber nicht an. Er sagte:"Ich bin wegen des Drucks der Fans von Barcelona eingeladen worden, nachdem der israelische Soldat Schalit schon eine Einladung erhalten hatte." Bei anderen Spielen des FC Barcelona wäre er gerne dabei: "Aber nur, wenn man mich nicht mit Schalit oder einem anderen Zionisten auf eine Stufe stellt."

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(kurier) Erstellt am
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