Austria Wien: Warum Zorn Sportvorstand wird - und welche Folgen das haben kann

Austria Generali Arena Fußball
Am Dienstag wird der Aufsichtsrat Tomas Zorn (39) als Sportvorstand beschließen – trotz Irritationen beim Ndukwe-Transfer.

Die frühen Aufsichtsratsmitglieder fangen sich den Zorn. Am Dienstag tagt der Aufsichtsrat der Wiener Austria – um 7.30 Uhr in der Generali Arena bei Kaffee und Kuchen. 

Auf der Tagesordnung steht vor allem die Bestellung von Tomas Zorn zum neuen Sportvorstand, vorgeschlagen von dessen Vorgänger Jürgen Werner, der laut Vertrag das Recht besitzt, seinen Nachfolger ins Rennen zu schicken.

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Die Austria hält in dem Gremium mit fünf Mitgliedern die Mehrheit gegenüber den vier Vertretern, die der Investorengruppe WTF rund um Jürgen Werner zuzuschreiben sind. 

Dem Vernehmen nach dürfte es schon seit vergangener Woche eine Mehrheit für Zorn geben, was bedeuten würde, dass zumindest einer der Austria-Aufsichtsräte „die Seiten gewechselt“ hat. Vielleicht sogar einer an oberster Stelle. 

Ein Indiz: Am Freitag erhielt Zorn das Strategiepapier der Austria zur Ansicht. Und siehe da, Zorn erkannte einige Schnittmengen mit seinen eigenen Ideen, wie er Fußball spielen lassen möchte.

Irritation & Intervention

Dabei ärgerten sich in den vergangenen zwei Wochen nicht wenige am Verteilerkreis über den ehemaligen Spielermanager Zorn. Der Grund dafür war, dass er sich beim Transfer von U17-Vizeweltmeister Ifeanyi Ndukwe zum FC Liverpool ins Spiel gebracht hat. Obwohl er kein Mandat dazu hatte, als Privatperson agierte und damit indirekt den Transfer gefährdete. 

Zorn rief die Ndukwe-Berater Frank Schreier und Georg Lederer (More than Sport) an und erkundigte sich über den Stand der Dinge, wie das Zorn-Umfeld selbst bestätigt. Die Austria wiederum gibt zu, von Schreier und Lederer darüber informiert worden zu sein.

Die Austria verhandelte eine Transfersumme von bis zu vier Millionen (inklusive möglicher Prämien und Weiterverkauf) für das Talent aus. Dann soll Zorn Schreier gebeten haben, stets auf dem Laufenden gehalten zu werden. Der Transfer ist noch nicht durch, da Ndukwe nicht volljährig ist und der englische Verband FA daher zusätzliche Dokumente benötigt. Spätestens ab dem 18. Geburtstag des Spielers am 3. März kann der Deal final über die Bühne gehen.

Über die unübliche Vorgangsweise Zorns wurden alle neun Mitglieder des Aufsichtsrats informiert. Bei der Aufsichtsratssitzung am 16. Jänner legte Zorn den Mitgliedern seine Version dar, offenbar dürfte sie plausibel gewesen sein. Daher wird der 39-Jährige am Dienstag bestätigt, es könnten weitere Personalentscheidungen folgen. 

Was geschieht dann mit Sportdirektor Michael Wagner, wenn er mit dem Sportvorstand einen höher gereihten Entscheidungsträger hat? Kann sich Harald Zagiczek als Finanzvorstand halten oder wird die Position neu besetzt?

Verhandlungen

Parallel zu der Personalentscheidung möchte die Austria seit mehr als einem Jahr schon die Anteile der WTF, ihres Zeichens ein Teil der Viola Investment GmbH, zurückkaufen. Es existiert ein sogenannter Term Sheet, der noch vor Dienstag unterschrieben werden soll.

Bis zu einer gewissen Frist (31. März oder 30. April) kann die Austria für sieben Millionen Euro die Anteile erwerben. Brisantes Detail am Rande: In einer Sonderregelung soll die Austria bei Zahlung die Möglichkeit haben, innerhalb von zwei Monaten Zorn wieder abzubestellen. Ob das Jürgen Werner und Co. unterschreiben?

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