epa03584107 Samuel Eto'o (C) of Anji Makhachkala celebrates scores 1-1 with his teammates Lassana Diarra (L) and Willian during the UEFA Europa League soccer match between Anzhi Makhachkala and Hanover 96 at the Luzhniki stadium in Moscow, Russia, 14 February 2013. EPA/YURI KOCHETKOV

© APA/YURI KOCHETKOV

Russland
08/14/2013

Sparprogramm im Schlaraffenland

Bei Anschi Machatschkala wurde der Geldhahn zugedreht. Nun flüchten die Fußball-Stars.

von Günther Pavlovics

Das Dachterrassen-Appartement mit seinen 1000 Quadratmetern Wohnfläche in Moskau ist bald wieder zu haben. Samuel Eto’o hat dort samt eigenem Koch residiert. Nun zieht der Fußballstar aus Kamerun um, denn bei seinem russischen Klub Anschi Machatschkala wird gespart.

Schon Ende Juli hatte Guus Hiddink seinen Job als Trainer hingeworfen. Der Abgang des niederländischen Starcoaches nach nur einem Punkt aus zwei Spielen hatte schon einen Hinweis darauf gegeben, dass bei der zusammengekauften Truppe etwas passieren würde.

Millionen-Gehälter

Im Jänner 2011 wurde er der mächtige Mann im Verein. Als einen ersten Coup holte er Roberto Carlos, den brasilianischen Ex-Star von Real Madrid, nach Russland. Sein größter Coup aber war die Verpflichtung von Samuel Eto’o. Der mittlerweile 32-jähriger Stürmer wurde so zum Fußballer mit dem höchsten Jahresgehalt, fast 20 Millionen US-Dollar sollen es zuletzt gewesen sein.

Wie der Guardian berichtet, wäre Eto’o bereits für 5,8 Millionen Euro zu haben. Der Stürmer heizte die Spekulationen um einen Transfer selbst an, indem er Chelsea-Trainer José Mourinho überschwänglich lobte: „Er ist einer der besten Trainer der Welt. Und wir hatten viel Erfolg bei Inter. Ich hätte gerne die Chance, noch einmal unter ihm zu spielen, denn mit José ist es nie langweilig.“

Aber auch andere Topspieler wie Willan, Lassandra Diarra oder Igor Denisow sind zu haben. Kerimow musste tief in die Tasche greifen, um die Spieler nach Machatschkala zu lotsen. Nun will er nicht mehr tief in die Tasche greifen. 31 Monate nach seiner Übernahme sieht er seine Mission als gescheitert an.

Aber auch geschäftlich lief es zuletzt für Kerimow nicht gut. Ein Kurssturz beim Düngemittelhersteller Uralkali, wo er Haupteigentümer ist, kostete ihn mehr als eine halbe Milliarde Euro an nur einem Tag. Das sollen rund 15 Prozent seines Vermögens sein, Forbes hatte ihn in den letzten Jahren regelmäßig unter die reichsten Männer Russlands gereiht.

Dieser wirtschaftliche Rückschlag, eine Negativserie auf dem Rasen, die Entlassung von Trainer Rene Meulensteen nach 16 Tagen Amtszeit und ein geplatzter Geschäftsdeal haben dazu geführt, dass der Oligarch seine hochtrabenden Pläne ad acta gelegt hat.

Dazu kam ein Streit der Spieler hinter den Kulissen: Igor Denisow war mit viel Getöse von seinem Jugendklub Zenit St. Petersburg geholt worden. Dort wollte er unbedingt so viel verdienen wie Hulk und Witsel. In Machatschkala brachte er die Ordnung innerhalb der Kabine ebenfalls durcheinander. Er stellte die hohen Gehälter von Eto’o, Diarra und Boussoufa infrage und sorgte damit für eine Spaltung des Kaders. Diarra reagierte mit einem über-aggressiven Tackling gegen Denisow im Training. Eto’o und alle anderen nicht-russischen Spieler verließen daraufhin geschlossen den Platz.

Nun sollen junge Spieler aus Dagestan forciert werden. Und das Budget soll künftig nicht mehr 150 Millionen Dollar (rund 114 Millionen Euro) betragen, sondern nur noch ein Drittel.

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