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Sport Fußball
12/05/2011

Anpfiff für den Rapid-Prozess

Insgesamt 85 Rapid-Fans sind wegen "Landfriedensbruchs" angeklagt. Die ersten 32 stehen am Montag vor Gericht.

von Ricardo Peyerl

Der Anpfiff erfolgt diesmal zu ungewöhnlich morgendlicher Stunde, nicht im Stadion und von einer echten Richterin: Am Montag um neun Uhr begann im schwer bewachten Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichts der Monsterprozess gegen die erste 32-köpfige Gruppe von insgesamt 85 Rapid-Fans.

Auf der Anklagebank finden sich früher oder später (das Verfahren wird in drei Teilen abgewickelt) Arbeitslose und Frühpensionisten ebenso wieder wie ein Bauleiter, ein Installateur, ein Lehrling, ein Uhrmacher, ein Schüler, ein Garde-Soldat, ein OP-Gehilfe, ein Koch, ein Lkw-Fahrer, ein Stadtgärtner ... Sie alle haben laut Staatsanwalt - Vorsicht, es folgt ein sehr langer Satz! - "wissentlich an einer Zusammenrottung einer Menschenmenge teilgenommen, die darauf abzielte, dass unter ihrem Einfluss Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen begangen werden, indem sie sich an einer 165 Personen umfassenden am Westbahnhof ausgetragenen Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Fangruppen der Fußballvereine SK Rapid und FK Austria anschlossen, bei der es zu solchen Gewalttaten kam". Uff. In einem auch nicht besonders attraktiven Wort zusammengefasst heißt das Ganze "Landfriedensbruch" und darauf stehen bis zu drei Jahre Haft.

Westbahnhof

Am 21. Mai 2009 fand im Hanappi-Stadion ein Heimspiel des SK Rapid gegen Mattersburg statt. Am selben Tag gab es in Linz ein Match des FK Austria. Die Rapid-Fans, vor allem die berüchtigten "Rapid Ultras" wussten, dass viele Austria-Anhänger am Abend mit dem Zug am Wiener Westbahnhof ankommen würden und wollten ihnen einen entsprechenden Empfang bereiten. "Naturgemäß entsprang dieses Vorhaben keineswegs freundschaftlicher Gesinnung ..., sondern war die jahrelange Feindschaft wahrer Hintergrund" (aus der Anklageschrift) .

Aus der Maskierung der Rapid-Fans mit Sturmhauben, Kapuzen und Sonnenbrillen (!) schließt der Staatsanwalt auf die Verabredung von Gewalthandlungen.

Dem Hauptangeklagten Oliver P., der als Anführer der "Ultras" gilt, wird die Rolle des Anheizers am Westbahnhof zugemessen.

Es wurden Metallmistkübel, Absperrgitter und Flaschen gegen Polizeibeamte geschleudert, Fußtritte ausgeteilt und ÖBB-Gegenstände demoliert, einige Beame erlitten Schädelprellungen und andere Verletzungen.

Der 29-jährige Oliver P. wird von Anwalt Marcus Januschke verteidigt und bekennt sich - wie die meisten anderen Angeklagten auch - nicht schuldig.

"Er wollte dort nur singen, so wie im Stadion auch", sagt Januschke. Sogar aus dem Polizeibericht könne man herauslesen, dass die Austrianer mit den Tätlichkeiten begonnen hätten. Und dann sei es zu "punktuellen Ausschreitungen" gekommen. Als sich einige Fans zu sehr aufgeführt hätten, seien Oliver P. und andere sofort abgezogen.

Der erste Prozessteil ist für zwei Wochen angesetzt. Da sich zahlreiche Rapid-Anhänger als Zuschauer angekündigt haben, um ihren angeklagten Kameraden die Stange zu halten, wird die Polizei mit einem Großaufgebot anrücken.

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