In Form: Im Vorjahr noch mit Nr. 26 – heuer bekam Weimann das Trikot mit der 10.

© Reuters/DARREN STAPLES

Andi Weimann: Allein auf der Insel
09/02/2013

Andi Weimann: Allein auf der Insel

Vor dem Arnautovic-Transfer war Andi Weimann der einzige Österreicher in der Premier League. Der KURIER besuchte ihn.

von Andreas Heidenreich

If one of us goes in, then we all go through it.“ (Rapper „Drake“)

Nichts könnte Andreas Weimann besser beschreiben als jenes Zitat, welches er sich auf seinen linken Trizeps hat tätowieren lassen. Gemeinschaft, Zusammenhalt und Treue sind jene Charakterzüge, die den Wiener auszeichnen. Die Zielstrebigkeit und eine großen Portion Demut haben den 22-Jährigen zu dem gemacht, was er heute ist: ein Fußball-Profi in der englischen Premier League und die wohl größte Stürmerhoffnung im österreichischen Fußball.

Zu verdanken hat er das nicht nur sich selbst, sondern auch dem Aston Villa Football Club, der ihn 2007 mit knapp 16 Jahren auf die Insel gelockt hat. Sechs Jahre später ist er Österreichs einziger Profi in der englischen Premier League. Und er ist er alles andere als ein Mitläufer. Mit Toren gegen Manchester United, Arsenal und Liverpool hat er sich in der letzten Saison einen Fixplatz unter dem schottischen Trainer Paul Lambert erkämpft. Seit dieser Saison darf er sogar die prestigeträchtige Nummer 10 auf seinem Rücken tragen.

Allüren sind ihm dennoch fremd. Dem KURIER öffnete Weimann in Sutton Coldfield, einem Vorort im Norden Birminghams, sogar seine Wohnungstüre. Innerhalb seiner vier Wände, die 70 Quadratmeter umfassen, ist nichts davon zu merken, dass hier einer der größten Stars des populärsten Klubs der Region wohnt. „Es wäre unnötig, ein riesiges Appartement zu haben. Ich bin allein, habe ein zweites Schlafzimmer für Besucher. Mehr brauche ich nicht.“

Dankbarer Sohn

Teure Möbel? Überdimensionaler Flatscreen? Fehlanzeige. Obwohl sich Weimann all das locker leisten könnte: Sein Gehalt könnte in Österreich nur Salzburg dank der Red-Bull-Millionen aufbringen. Über Geld spricht er aber nicht. Nur so viel: „Ich geb’ nicht viel aus. Wenn, dann für Kleidung. Mein Vater verwaltet alles. Er ist sehr darauf bedacht, dass ich viel nach Hause schicke und nichts Dummes anstelle. Dafür bin ich ihm dankbar.“

Ebenso für die Gene, vor allem die schnell kontrahierenden Muskelfasern, die ihm seine Eltern vererbt haben. Vater Thomas und Mutter Sabine waren jeweils Staatsmeister im Hürdensprint. Heute läuft der Sohnemann in der englischen Eliteliga den Verteidigern davon. Auch zur Elite zählt Bruder Michael: Zum SC Elite, bei dem er in der 1. Klasse B im Wiener Unterhaus im Tor steht. Die Brüder sind ein Herz und eine Seele. „Die Familie ist uns wichtig. Wir haben einen starken Zusammenhalt“, sagt der 18-Jährige, der nicht verhehlt, wie stolz er auf den Big Brother ist.

Und er freut sich, dass sein Bruder (noch) Single ist und viel Zeit für ihn hat. Single? Richtig, Andreas Weimann ist noch zu haben. „Die Richtige ist mir noch nicht über den Weg gelaufen.“ Irgendwann werde sie das schon tun, meint er. „Ich bin ein Familienmensch und will sicher einmal Kinder haben. Aber ich mach’ mir keinen Druck.“ Derzeit steht ohnehin der Sport im Fokus. „Ich spiel’ Fußball, ich bin Single. Mir taugt’s.“

Links-Fahrer

Und ihm taugt auch sein Auto, das er sich im letzten Jahr zugelegt hat. Ein Range Rover, der schon der einzige Luxus ist in seinem Leben. Dass er in England auf der linken Straßenseite fahren muss, ist normal. „Ich habe den Führerschein hier gemacht. Also ist es eine Umstellung für mich, wenn ich nach Wien komme.“ Ob man gewarnt sein muss, wenn Weimann in Wien Auto fährt? „Nein, ich muss mich nur mehr konzentrieren, aber schwierig ist es nicht, weil ja alle vor mir auch auf der Seite fahren. Da fahr’ ich einfach nach.“

Gut fährt Weimann jedenfalls mit seiner natürlichen Art. „Er ist höflich, hat einen guten Sinn für Humor und ist mittlerweile einer der populärsten Spieler des Klubs“, bestätigt Mat Kendrick von der größten örtlichen Tageszeitung Birmingham Mail. „Das Weimann-Trikot war das begehrteste im Fanshop, bis Christian Benteke im Juli seinen Vertrag bis 2017 verlängert hat.“ Zuvor hat auch Weimann bis 2016 unterschrieben. Bis dahin werden noch einige seiner Trikots verkauft werden.

"Hab’ mich sehr gut entwickelt – auch als Mensch“

KURIER: Sie sind jetzt sechs Jahre in England. Wie lautet Ihr persönliches Fazit? Andreas Weimann: Damals hätte ich mir natürlich nicht gedacht, dass ich einmal mit der Nummer 10 in der Premier League spielen würde. Ich habe mich sehr gut entwickelt – auch als Mensch. Ich bin einen Monat vor meinem 16. Geburtstag gekommen. Alleine, ohne meine Familie.

Wie schwierig war der Start? Nicht leicht. Geholfen hat mir, dass mit Dominik Hofbauer noch ein Österreicher da war. Auch die Gastfamilie, bei der ich die ersten drei Jahre gewohnt habe, war toll. Ich gehe noch heute hin und wieder dorthin zum Essen.

Wie sind Sie mit den britischen Gegebenheiten umgegangen? Das Wetter war mir immer egal. Auch Englisch war kein Problem: Sprachlich war ich immer gut. Nach drei Monaten habe ich mich mit allen unterhalten können.

Wenn Sie Englisch sprechen, versteht man nicht alles. Sprechen Sie schon Dialekt? Ja. Viele meinen aber, ich würde Schottisch sprechen. Das liegt daran, dass der schottische Teamspieler Barry Bannan mein bester Freund hier ist und ich viel Zeit mit ihm verbringe. Schade, dass er den Klub verlässt.

Was zeichnet die Premier League aus? Nach wie vor die Härte. Und die Art, wie die Menschen den Fußball hier leben.

In welchem Stadion herrscht die beste Stimmung, wo gibt es den schönsten Rasen? Die Stimmung ist in Liverpool am besten. Aber auch in Stoke, das ist eines der lautesten Stadien. Der beste Rasen wird jedes Jahr von den Spielern gewählt. Da liegt unserer gemeinsam mit jenem von Arsenal immer an der Spitze. Ein guter Rasen hat in England Tradition. Man merkt, wie viel Liebe da hineingesteckt wird. Und zwar sofort nach jedem Spiel.

Im Vorjahr mussten Sie mit Villa um den Klassenerhalt kämpfen. Welche Erwartungen haben Sie für diese Saison? Das letzte Jahr hat uns viel Erfahrung gebracht. Ich traue uns zu, dass wir am Ende dieser Saison im oberen Mittelfeld stehen.

Im Nationalteam halten Sie bei sechs Länderspielen. Tor haben Sie noch keines erzielt. Welche Erwartungen haben Sie für das Deutschland-Spiel? Zuletzt gegen Griechenland war es für mich schwierig, weil der Gegner sehr tief gestanden ist. In der ersten Halbzeit hab’ ich nur zwei Mal den Ball berührt. In München werden sich Räume ergeben. Ich hoffe, dass ich spiele und meine Schnelligkeit einsetzen kann.

Sie dürfen im Team die Rückennummer 9 tragen. Wissen Sie, wer die vor Ihnen hatte? Krankl und Polster. Große Namen, daher ist das eine Ehre, aber keine Bürde. Ich geh’ nicht ins Spiel und sage: „Ich muss fünf Tore schießen, sonst nehmen’s mir den Dress weg.“

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