Der Finaleinzug ist geschafft: Indonesiens Spieler dürfen jubeln.

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Fußball
12/13/2016

Alfred Riedl: Gefeiert und beschossen

Wie Alfred Riedl auch als indonesischer Teamchef zum Helden von Hanoi wurde.

Wenn sich das größte moslemische Land der Welt für ein asiatisches Fußball-Finale qualifiziert, wäre das hierzulande nur eine Randnotiz, wenn ... ja wenn nicht ein Niederösterreicher die besten Kicker unter 247 Millionen Menschen herausgefiltert und das Rundherum so gar nicht der Norm entsprochen hätte.

Alfred Riedl, der als Vietnams Teamchef schon einmal wie ein Guru verehrt wurde, ist erneut zum Helden von Hanoi geworden. Nur diesmal als Coach von Semifinalgegner Indonesien.

Bei der Abfahrt unter Feuer

Wie bei allen zuvor auf den Philippinen ausgetragenen Gruppenspielen des Suzuki-Cups gelangen Riedls Indonesiern auch im Heimspiel gegen Vietnam zwei Tore. 2:1. Was aber vor 45.000 Fans in der Retourpartie passierte, hatte Riedl davor "noch nie erlebt". Obwohl er in 13 Ländern Klubtrainer oder Teamchef gewesen war.

Der Abend in Hanoi begann mit einer Schweigeminute für Indonesiens Erdbebenopfer und endete fast mit einer Tragödie. Nicht etwa, weil Riedls Auswahl das für die Finalqualifikation reichende 2:2 im 120 Minuten-Fight zu verspielen drohte, sondern weil der Bus bei der Abfahrt vom Stadion plötzlich beschossen wurde.

Eine Kugel zersplitterte ein Seitenfenster. Riedls Tormanntrainer erlitt Schnittwunden. Aber sonst sei zum Glück nicht viel passiert, berichtet Riedl, darum ersuchend, die Vietnamesen "nicht wegen eines einzigen Dodels" zu verdammen. "Sie sind die fairsten Fans, die man sich vorstellen kann."

Startschwierigkeiten in Indonesien

Tatsächlich hatte Riedl noch kurz vor dem Anschlag mit seinem Handy vom Bus aus fotografiert, wie Vietnamesen trotz des vietnamesischen Ausscheidens ein Transparent "We love Riedl" in die Höhe hielten. Auch vergisst Riedl nicht, dass ihm 2006 nach Bekanntwerden seines Nierenleidens viele vietnamesische Fans eine Niere spenden wollten. Von einem dieser Freiwilligen hat sie Riedl auch erhalten.

Als er im Sommer (nicht zum ersten Mal) als Feuerwehrmann nach Indonesien geholt wurde, ging ihm einiges an die Nieren. So durfte er von einem Klub maximal zwei Spieler anfordern. Und zu allem Überdruss erschien ein Spieler aus Papua (kein Moslem, sondern ein Christ) sturzbetrunken zum Abflug. Riedl warf ihn hinaus.

Das Erreichen des Finales galt als utopisch. Zumal Indonesien "wegen politischer Einmischung" 18 Monate von der FIFA gesperrt gewesen war und Riedl eine neue Auswahl zusammensuchen und dafür im inselreichen Land hin- und herjetten musste. Dennoch wurden alsbald in der Weltrangliste viel besser Platzierte besiegt.

Was Riedl bescheiden ein Verdienst seiner österreichischen Assistenten Hanspeter Schaller und Wolfgang Pikal nennt. Auch brauchen Hass-Poster, die grundsätzlich jedes Lob für einen Auslands-Österreicher für PR-Lüge halten, wegen Riedl gar erst nicht ihre Laptops und Handys in Salzsäure tauchen. Mit 67 hat er nicht mehr vor, sich um einen Trainerjob in Österreich zu bemühen.