Sport | Fußball
25.05.2018

Abschied bei Rapid vom Rätsel Joelinton: „Ich bin traurig“

Der Brasilianer wollte bei Rapid bleiben, sein großes Potenzial konnte der 21-Jährige nicht regelmäßig ausspielen.

„Danke, Jungs! Es ist genug“, sagte Louis Schaub, beendete damit das allgemeine Dehnen im Prater und scherzte: „Bei meinem letzten Training wollte ich zum ersten Mal der sein, der Schluss macht.“

Schaub verabschiedete sich bereits am Donnerstag von Rapid, weil der künftige Kölner heute (gemeinsam mit Strebinger und Murg) zum Nationalteam reist. Auch Steffen Hofmann wird nach dem perfekten Abschied gegen Altach nicht mehr in den Bus nach Wolfsberg zum Saisonfinale steigen: „Außer es verletzen sich noch so viele, dass es nicht anders geht.“

4 aus 3

Vom Stamm bleiben für die vier Offensiv-Positionen am Sonntag nur noch Joelinton, Berisha und Schobesberger übrig. Vom Trainerteam heißt es dazu: „Wir nehmen das Spiel ernst und werden das intern auffangen.“

Stürmen wird jedenfalls Joelinton. Zum Abschied nach zwei Leihjahren sagt der Brasilianer: „Ich bin traurig. Ich habe hier viel gelernt und war immer gerne bei Rapid.“

Das Ziehen der Kaufoption war nie ein Thema. Ex-Sportdirektor Müller meinte zwar, sie sei „in marktüblicher Höhe“, sie lag aber über acht Millionen Euro. Die (vielleicht naiven) Hoffnungen von Rapid, dass der Wunsch von Joelinton trotzdem zu bleiben zu einer Verpflichtung führen könnte, fanden weder bei Besitzer Hoffenheim noch beim Management des 21-Jährigen Gehör. „Ich weiß noch gar nicht, wie es für mich weitergeht. Aber das ist auch der Fußball“, meint Joelinton.

Durchschnittliche Bilanz

Der hochveranlagte junge Mann wird als Rätsel in Erinnerung bleiben. Einerseits gab es immer wieder Ansätze für eine große Karriere, andererseits ergeben 21 Tore und neun Assists in 78 Pflichtspielen nur eine durchschnittliche Bilanz.

Ein Torschützenkönig?

Laut Expected-Goals-Statistik (Rechenmodell für die Wahrscheinlichkeit von Toren, Anm.) hätte Joelinton in beiden Saisonen um den Torschützenkönig mitspielen müssen. Alles nur Pech?

Ex-Trainer Barisic hatte wegen Joelinton eine seiner Auseinandersetzungen mit Müller. Der Deutsche hätte das Hoffenheim-Talent bereits im Jänner 2016 ausgeliehen. Barisic wollte auf der lukrativen Mittelstürmer-Position nicht für andere Vereine ausbilden und meinte nach einem Videostudium bereits damals: „Sehr großes Potenzial, aber nicht gut beim Torabschluss.“

Sinnbildlich dafür steht das 1:2 gegen die Admira im Februar: Vor dem Spiel schoss Joelinton in einem internen Match sein Team im Alleingang zum Sieg. In der Südstadt vergab er Chance um Chance, die letzte aus fünf Metern in der Nachspielzeit. Im Gegenzug köpfelte Pavelic in das eigene Tor und Rapid in die nächste Krise.