© APA/HELMUT FOHRINGER

Sport Fußball
07/31/2020

9:0! Ried stürmt zurück in die Bundesliga

Gegen den inferioren und lustlosen FAC war schon bald alles klar. Klagenfurt half ein 6:1-Heimsieg gegen Innsbruck nichts mehr.

Die SV Ried hat im Fern-Showdown um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga das bessere Ende gehabt. Die Innviertler fertigten den FAC am Freitag zu Hause mit 9:0 ab und sicherten sich das Aufstiegs-Ticket dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem nach 30 Runden punktgleichen Verfolger Austria Klagenfurt. Für die Kärntner war ein klarer 6:1-Heimsieg gegen Wacker Innsbruck am Ende zu wenig.

Die vom bundesligaerprobten Gerald Baumgartner gecoachten Rieder waren 2017 in die 2. Liga abgestiegen und geben nach einer drei Saisonen andauernden Pause nun ein Comeback im Oberhaus. Hauptverantwortlich war am Freitagabend dafür der Deutsche Julian Wießmeier, der schon vor der Pause einen Triplepack (3., 6., 32.) erzielte. Auch Marco Grüll (12./Elfmeter) und Bernd Gschweidl (20.) trugen sich bereits früh in die Schützenliste ein. Nach der Pause trafen auch noch Stefan Nutz (69./Elfmeter), nochmals Grüll (71.), Jefte Betancor (76.) und Valentin Grubeck (83.).  „Unser Matchplan war ein frühes Tor zu schießen, wir sind dann relativ schnell 3:0 in Führung gegangen. Wir haben einen hohen Sieg gebraucht, die Jungs haben es großartig gemacht", sagt Ried-Trainer Gerald Baumgartner.

Wendepunkte

Nun hat es Ried also geschafft. Als am 18. Mai die Fortsetzung der Saison auch in der 2. Liga beschlossene Sache war, wähnten viele Ried als Sieger des Kampfs gegen den Abbruch. Acht Punkte betrug der Vorsprung auf Klagenfurt, die letzten elf Runden schienen nur noch Formsache. Das könnten auch die Rieder Kicker gedacht haben, die in den ersten sechs Partien nach dem Wiederbeginn vier Niederlagen kassierten und plötzlich den Atem des Konkurrenten im Nacken spürten. In der 25. Runde lag man prompt einen Punkt hinter der Austria, die Stimmung im Innviertel war am Boden. Zum dritten Mal en suite drohte Ried den stets zum Ziel erklärten Aufstieg zu verpassen.
 

Moral

Doch die Truppe von Gerald Baumgartner bewies Moral und schaffte das schon nicht mehr möglich Geglaubte. Die Schlüsselspiele gegen Wacker Innsbruck (4:3) und in Horn (3:2) drehte man im Finish, letztere Partie sogar in Unterzahl. Im finalen Heimspiel gegen den FAC „servierten“ die „Wikinger“ mit einem Kantersieg aus und fixierten so ihre 21. Saison im heimischen Oberhaus. Das Klagenfurter Projekt der deutsch-kroatischen Unternehmer um Tomislav Karajica muss hingegen warten.
Für Ried endet eine dreijährige Durststrecke, die in der etwas chaotischen Saison 2016/17 eingeleitet wurde. Die war nicht nur von einem Trainerwechsel geprägt, sondern auch Querelen in der Führungsriege. Der aktuelle Ried-Geschäftsführer Roland Daxl brachte sich als neuer starker Mann in Position, im Februar 2017 trennte sich der Club von Sportdirektor Stefan Reiter. Und damit jenem Langzeitfunktionär, der seit 1993 mit einer Unterbrechung von vier Jahren den Club im Oberhaus etabliert hatte.
Reiter, inzwischen Manager von Zweitligist Blau-Weiß Linz, gilt als Architekt des Innviertler Erfolgs. Unter seiner Ägide schaffte der Verein, der bis 1991 maximal in der Landesliga gekickt hatte, 1995 erstmals den Aufstieg in die Bundesliga, in der man sich acht Jahre lang hielt. Nach zwei Saisonen (2003/04 und 2004/05) kehrte Ried in die Beletage zurück und hielt sich dort eben bis 2017. Fünfmal vertrat der Club Österreich im Europacup.

Lange Tradition

Rieds Historie ist geprägt von Spielernamen wie Herwig Drechsel, Sanel Kuljic, Oliver Glasner oder Michael Angerschmid, aktuell sind es Thomas Reifeltshammer und Marcel Ziegl, die - aus der eigenen Akademie kommend - für den Rieder Weg stehen. Am Trainersektor wirkten Klaus Roitinger oder Paul Gludovatz stilbildend. Beide holten mit dem Club den Cupsieg (1998 bzw. 2011), es sind die aktuell einzigen Titel der Rieder. Die Meisterschaft blieb den Oberösterreichern bisher versagt, 2007 war man als Liga-Zweiter hinter Salzburg allerdings zumindest „Champion der Herzen“.