Ein Festtag in Violett: Die Austrianer teilten am Sonntag einige Handklatscher aus.

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Sport Fußball
12/16/2018

Historisches Derby: Die Austria deklassiert Rapid mit 6:1

Die Veilchen feiern in der Generali-Arena den höchsten Derby-Sieg seit fast 50 Jahren.

von Alexander Huber, Alexander Strecha

Am Ende eines unterhaltsamen Wiener Derbys feierte Violett ausgelassen, während die Grünen mit hängenden Köpfen in die Kabinen schlichen. Die Austria führte Rapid vor, gewann 6:1 und machte einen großen Schritt in Richtung Meistergruppe. Von der hat sich Rapid fast schon verabschiedet, bereits sechs Punkte Rückstand hat man bei vier verbleibenden Spielen auf Sturm, den Sechstplatzierten.

Austria-Trainer Thomas Letsch wählte in der Defensive eine interessante Variante, stellte Mittelfeldspieler Ebner als Linksverteidiger auf. Rapids Didi Kühbauer krempelte seine Elf im Vergleich zum 1:0 gegen die Rangers im Europacup kräftig um, brachte gleich sechs frischere Kräfte.

Brisantes Duell

Wie viel Brisanz in dieser Partie steckte, offenbarte sich schon nach zwei Minuten, als Jeggo – mit Ball – Murg niedersäbelte und dafür Gelb sah und durchaus Glück hatte, dass Schiedsrichter Lechner nicht gleich Rot zückte.

Nach einer intensiven Viertelstunde des Abtastens und ersten Chancen durch Schwab hier und Monschein da entwickelte sich ein furioses Spiel, das alles bot, was ein Derby gewöhnlich ausmacht. Rapid wirkte zunächst um einen Tick besser, die Austria ging in Führung, Jeggo wurde zu einer zentralen Figur. Bei seinem Freistoß setzte sich Schoissengeyr gegen Dibon durch und traf per Kopf genau ins lange Eck zum 1:0 (22.).

Doch Rapid kam zurück, weil auch die Austria patzte. Monschein segelte in der Defensive am Ball vorbei, Potzmann bedankte sich mit einem eleganten Haken und einem Schuss in lange Eck, 1:1 (29.). Es folgten ab der 33. neun schwarze Minuten für die Grün-Weißen, die das Derby entschieden. Ljubicic sah nach einem Potzmann-Ballverlust und einem Foul am enteilenden Edomwonyi wegen Verhinderung einer klaren Torchance Rot.

Den Freistoß von Madl lenkte Tormann Strebinger an die Stange, Jeggo hatte sich zuerst in der Mauer geduckt, lief nach und staubte dann zum 2:1 ab (35.).

Rapid leistete sich nun in Unterzahl fatale Ballverluste und wurde ausgekontert. Monschein lief Barac sowie Dibon auf und davon und finalisierte das Solo mit einem Schupfer über Strebinger zum 3:1 (37.). Zwei Minuten später entwischte er den Rapidlern abermals, vergab aber das vierte Austria-Tor.

Torreigen

Das fiel in der 42. Minute aus einem an sich abgewehrten Eckball, doch Kapitän Klein zog mit dem (an sich schwächeren) linken Fuß ab und traf zum 4:1 ins Kreuzeck.

Rapid war zwar um Schadensbegrenzung bemüht, konnte aber nicht mehr entscheidend zulegen, zu leer waren Köpfe und Körper. Die Austria nützte die Überzahl aus und ließ nicht nach.

Monschein und Klein hatten weitere Treffer auf ihren rechten Füßen, für das 5:1 sorgte dann ein Rapidler. Barac lenkte einen Prokop-Pass ins eigene Tor (57.). Es war wahrlich ein Sonntag zum Vergessen für die Hütteldorfer. Erst Recht, als der eintauschte Turgeman das halbe Dutzend voll machte (78.).

„Oh, wie ist das schön“, sangen alle, die Violett trugen. Bei Schlusspfiff hatten fast alle Rapidler das Stadion schon verlassen.

Meinungen zum Spiel:

Thomas Letsch (Austria-Trainer): "Wir haben keinen guten Herbst gespielt, sowohl was Punkte als auch was die Art und Weise betrifft, wie wir Fußball gespielt haben, aber heute ist es mir gut gelungen, die Mannschaft einzustellen. Jetzt können wir entspannt in die Weihnachtspause gehen. Hinten raus hätten wir sogar noch höher gewinnen können. Wir sind Fünfter, das ist nicht da, wo wir hinwollen."

Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "So kurios es sich anhört, aber bis zum 0:1 war das Spiel total in unserer Hand. Die Austria wollte uns nur auskontern, das 0:1 darf uns nicht passieren. Wir machen den Ausgleich, dann kommt der Ausschluss und dann haben wir der Austria beim zweiten und dritten Tor den Ball in den Fuß gespielt. Das ist heute nicht der allerschönste Tag. Ohne den Ausschluss wären wir sicher im Spiel geblieben, trotzdem muss man nicht sechs Tore bekommen. Wir müssen sehr viele Punkte holen, wenn wir noch über den Strich kommen wollen, es zählen nur noch Siege. Es wird sich in der Winterpause definitiv etwas ändern, im Frühjahr wird eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen."

Christoph Monschein (Austria-Torschütze): "Da kann man nicht viel dazusagen, das war überragend. Dass es so ein Derby wird, ist ganz arg. Normalerweise muss ich drei Tore machen, aber nachdem wir 6:1 gewonnen haben, ist das wichtiger. Dieser Sieg hat einen riesigen Stellenwert. Wir haben Punkte gutgemacht auf Rapid, die holen uns glaube ich nicht mehr ein."

Marvin Potzmann (Rapid-Torschütze): "Das Tor bringt mir nicht viel. Wir waren am Anfang eigentlich die bessere Mannschaft, haben das Spiel mit der Roten und zwei Toren innerhalb von fünf Minuten aus der Hand gegeben. Das ist einer der schlimmsten Abende, den ich bisher gehabt habe. Wir haben jetzt vier Endspiele, die müssen wir alle gewinnen. Auch wenn der Gegner Salzburg heißt."

James Jeggo (Austria-Torschütze): "Ein wahnsinniger Abend. Wir wollten im ersten Derby hier im Stadion ein Zeichen setzen. Wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht. Wir wollten unseren Fans ein Weihnachtsgeschenk machen. Es war wichtig, dass die Mannschaft heute Herz und Leidenschaft gezeigt hat."

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