Sport | Fußball-WM
14.07.2018

WM-Finale: Die Neuauflage einer Helden-Sage

Vor 20 Jahren schrieben Frankreich und Kroatien Fußball-Geschichte. Die neue Generation ist den alten Helden auf den Fersen.

Vor 20 Jahren wurde Frankreich das erste und bisher einzige Mal Weltmeister. Vor 20 Jahren, bei der WM in Frankreich, feierte das junge Kroatien mit dem Einzug ins Semifinale den ersten großen Erfolg in der Fußballgeschichte – es war bis zur WM in Russland auch der größte Erfolg. Es war am 8. Juli 1998 als die beiden Mannschaften im Semifinale spielten. Das Gros der Spieler, die am Sonntag im Finale gegeneinander antreten, lief damals als Kleinkind mit dem Leiberl der Helden auf dem Spielplatz herum. Und Kylian Mbappe war damals noch gar nicht auf der Welt.

Die Franzosen

Der Kapitän der Multikulti-Truppe war Didier Deschamps. Zwei Jahre später holte sich die Erfolgsgeneration noch den EM-Titel. 2001 stieg der französische Baske mit 32 Jahren ins Trainergeschäft ein. Seit 2012 ist er Teamchef und kann nun in einen elitären Zirkel aufsteigen. Bislang haben nur Franz Beckenbauer und Mario Zagallo den WM-Pokal als Spieler und Trainer gewonnen. Für seine Multikulti-Truppe ist der Stern, der dank Deschamps und Kollegen auf dem französischen Trikot prangen darf und auch prangt, Antrieb genug. Pogba sagte: „Ich habe diesen Stern nicht gewonnen. Ich will meinen eigenen.“

Im Semifinale bei der WM 2018 saß Thierry Henry auf der Trainerbank – allerdings als Assistent des belgischen Teamchefs. Der damals 20-jährige Jungstar kam für Christian Karembeu ins Spiel. Dem Mann aus Neukaledonien liegt der Fußball in Ozeanien am Herzen, und er wirkte als Co-Autor am Drehbuch von „Die vergessene Geschichte der Kanaken“, der seine Lebensgeschichte beschreibt, mit.

Der wohl Talentierteste unter den Helden war Zinedine Zidane. Der heute 46-Jährige holte danach mit Real Madrid als Spieler ein Mal die Champions League, als Trainer drei Mal in Folge. Vor kurzem trat er als Real-Madrid-Trainer zurück und gönnt sich eine Auszeit samt Urlaub mit der Frau und den vier Söhnen.

Frank Leboeuf vertrat im Finale den gesperrten Laurent Blanc. Nach der Karriere versuchte er sich im Showbusiness mit enden wollendem Erfolg. Im Film „Taking Sides“ bekam er eine Nebenrolle, bei der Reality-TV-Sendung „Koh-Lanta, le choc des héros“ war er Kandidat.

Lilian Thuram wurde Frankreichs Rekord-Internationaler (142 Länderspiele) und gründete eine Stiftung gegen Rassismus. Marcel Desailly war ebenfalls Verteidiger im Weltmeister-Team, nach der Karriere gründete er eine Jugend-Akademie und wurde Athleten-Botschafter.

Tormann Fabien Barthez ist im Motorsport aktiv. Dreimal bestritt er die 24 Stunden von Le Mans, seine beste Platzierung war ein zwölfter Rang 2016. Die Branche wechselte auch Stephane Guivarc’h. Den Ex-Newcastle-Spieler spürte vor wenigen Tagen die Sun auf, er verkauft mit einem Jugendfreund in der Bretagne Swimmingpools.

Die Kroaten

Die damalige Truppe hatte mehr charismatische Typen als die heutige.

Der damals 30-jährige Davor Šuker war ein Superstar und einer der besten Stürmer seiner Zeit. Während seiner Zeit bei Real Madrid hatte Šuker 1996 vor dem Grab von Ustascha-Führer Ante Pavelic posiert. Umstritten war er nicht nur damals, sondern ist es auch heute. – als Präsident des kroatischen Fußball-Verbandes.

Funktionär wurde auch Zvonimir Boban. Der damalige Kapitän spielte beim AC Milan, machte nach der Karriere den Doktor in Geschichte und ist aktuell stellvertretender Generalsekretär der FIFA, er gilt als loyaler Diener von Weltfußball-Boss Gianni Infantino. Robert Prosinecki ist der einzige Spieler in der Geschichte der Weltmeisterschaften, der Tore für zwei Mannschaften erzielte: 1990 für Jugoslawien und 1998 für Kroatien. Derzeit ist er bosnischer Teamchef. Tormann Drazen Ladic wurde nach der Karriere von Otto Baric zum kroatischen Verband geholt. Er verlor den Job, weil er nach einem Unfall mit Verletzten Versicherungsdokumente fälschte. Bei der WM 2018 ist er wieder beim Team als Assistent von Teamchef Zlatko Dalic.

Slaven Bilic fiel gegen Frankreich mit einer Schauspiel-Einlage auf, weswegen Laurent Blanc ausgeschlossen wurde. 2006 bis 2012 war er kroatischer Teamchef. Im Herbst 2017 verlor er seinen Job bei West Ham und ist bis dato Privatier. Dario Simic schaffte nach der WM den Sprung nach Italien, heute ist er mit 100 Spielen Kroatiens Rekordspieler und organisiert Wallfahrten. Aljoša Asanovic absolvierte 1998 alle WM-Spiele über die volle Distanz. Von 2000 bis 2001 war er bei der Wiener Austria unter Vertrag, machte aber kein einziges Spiel. Bei Teamchef Bilic war er zusammen mit dem Ex-Salzburger Nikola Jurcevic Assistent.