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30.06.2018

Star-Duelle im Achtelfinale: Nur einer kann gewinnen

Messi gegen Griezmann, Ronaldo gegen Suárez – der erste K.-o.-Tag hat es in sich.

Das komplizierte Rechnen ist vorbei: Das Achtelfinale beginnt am heutigen Samstag. Und das gleich mit einem Duell der ehemaligen Weltmeister, Frankreich gegen Argentinien heißt der erste Höhepunkt (16 Uhr MESZ/erste Halbzeit live in ORF 2, zweite Halbzeit in ORFeins). Danach (20 Uhr) treffen einander Uruguay und Portugal.

Wer von den großen Stars muss sich verabschieden? Ist es Lionel Messi mit den Argentiniern, wird es ein Abschiedsspiel für Cristiano Ronaldo im Dress Portugals? Oder wird Frankreichs Antoine Griezmann die traurige Gestalt nach dem dem Achtelfinale sein?

Gemessen an den Leistungen in der Gruppenphase ist Frankreich der Favorit. Ein 0:0 gegen Dänemark im letzten Spiel der Vorrunde bedeute ein Schonprogramm für einige Stars. Viel Kritik mussten die Franzosen dafür einstecken. Und trotz der holprigen Vorstellungen der Argentinier könnten sich die Südamerikaner durch den späten Treffer in der Partie gegen Nigeria das entscheidende Selbstvertrauen geholt haben.

Einer für alle

Die Stimmung scheint sich geändert zu haben, die Abhängigkeit von Lionel Messi jedoch nicht: Ein Titelgewinn ist nicht mehr als ein Produkt der puren Fantasie. Der 63-Jährige Daniel Bertoni, Mitglied der Weltmeister-mannschaft von 1978, beschreibt die Erwartungshaltung im Land: „Bei uns hängt es von Messi ab. Wir hoffen, dass er die Aktion zeigen kann, die das Spiel entscheidet. Wir leben von Messi.“

Kein Wunder, einige Teamkollegen des 31-jährigen Barcelonas-Stars haben im bisherigen Turnier nie zu ihrer Normalform gefunden, Einzelaktionen und nicht ein organisiertes Mannschaftsspiel standen im Mittelpunkt.

Gonzalo Higuaín leidet bereits seit acht Spielen unter Ladehemmung. Ángel di María und Javier Mascherano sind ein Schatten ihrer selbst, weit entfernt von der Darbietung, die mithalf, vor vier Jahren das WM-Finale zu erreichen. Sergio Agüero und Paulo Dybala haben einen Stammplatz auf der Bank. Es wird erwartet, dass Teamchef Jorge Sampaoli auf die zuletzt siegreiche Elf setzt.

Mit Ousmane Dembélé und Samuel Umtiti bekommt es Messi am Samstagnachmittag mit zwei Klubkollegen zu tun. Umtiti soll sich im Speziellen um Messi kümmern und weiß: „Er ist anders beim argentinischen Team als bei Barcelona. Er hat nicht dieselben Spieler an seiner Seite, ihr Spiel ist ein ganz anderes. Aber er hat Argentinien schon bei mehreren Gelegenheiten gerettet.“

Auch in Frankreich ist Messi natürlich das große Thema. Der Aufstieg ins Viertelfinale allerdings auch. „Wir wollen die Zweifel der Leute beseitigen, dass das französische Team gegen diese große argentinische Mannschaft nicht bestehen kann. Das ist ein guter Test für uns“, meint Paul Pogba.

Ein Jubiläum feiern die Franzosen, besser gesagt ihr Trainer, auf alle Fälle: Didier Deschamps wird in Kasan sein 80. Spiel als französischer Teamchef bestreiten. Bisher war Raymond Domenech (79) Co-Rekordhalter. „Messi kann mit seinem Talent den Unterschied machen. Darum ist er anders als andere, weil er unberechenbar ist“, weiß Deschamps. „Wir werden versuchen, seinen Einfluss zu begrenzen.“

Fehlen wird dem Vizeeuropameister am Samstag Benjamin Mendy, der wegen einer Muskelverletzung passen muss. Der zuletzt angeschlagene Lucas Hernandez ist hingegen wieder fit.

Die Hoffnungen der Bleus ruhen freilich auf einem ganz anderen Spieler: „Frankreich braucht einen Antoine Griezmann auf Top-Level, und er tut alles, damit das auch der Fall ist“, sagt Didier Deschamps über seinen Paradestürmer.

Luft nach oben hat der 27-Jährige von Atlético Madrid nach den drei Gruppenspielen jede Menge: Kaum einmal konnte er Akzente setzen, in allen drei Spielen wurde Griezmann ausgewechselt. Den Vorzeichen zum Trotz: „Meine Power steigt. Ich bin sicher, dass ich schnell mein Level erreichen werde, das alle von mir erwarten. Bei der EURO war es ähnlich, da war es ab dem Achtelfinale gut“, verspricht Griezmann.

Alle gegen einen

Cristiano Ronaldo wiederum hat bereits vier Mal ins WM-Netz getroffen und zudem einen Elfmeter vergeben. Wie Lionel Messi war auch der Portugiese seit 2008 bereits fünf Mal Weltfußballer des Jahres, er ist Europameister und sucht nun auch den großen Erfolg auf der WM-Bühne. Es wäre der letzte sportliche Traum, den er sich erfüllen würde, nachdem er mit Real Madrid auf Klubebene schon alles gewonnen hat: Weltpokal, Champions League, Meisterschaft und spanischen Cup.

Der „Galaktische“, wie der 33-Jährige ob seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten gerne tituliert wird, prägt das Angriffsspiel der Portugiesen maßgeblich. Der Mann von der Insel Madeira, der seit Jahren alles dem Erfolg unterordnet und sogar seinen Schlafrhythmus auf täglich fünf Mal 90 Minuten umgestellt haben soll, genießt dabei alle Freiheiten.

Am Samstagabend sind die robusten Uruguayer der erste Gegner in der K.-o.-Phase, allen voran Luis Suárez, 31, der nach einem matten Start in die WM in Russland mit den Treffern gegen Saudi-Arabien und das Gastgeberteam wieder zu alter Treffsicherheit gefunden hat.

Sollten die Mannschaften von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo die Herausforderung bestehen, kommt es im Viertelfinale dann zum Showdown.