Sport | Fußball-WM
15.06.2018

Überragender Ronaldo rettet Portugal 3:3 gegen Spanien

Das erste Topspiel der Fußball-WM in Russland enttäuscht nicht und bringt ein Remis zwischen Portugal und Spanien.

Das erste Spitzenspiel dieser Endrunde lieferte Spitzenqualität. Spanien 3, Ronaldo 3, ergibt ein packendes 3:3-Remis,  mit dem die Portugiesen dank ihres Superstars noch einen späten Punkt retten. Die Spanier hatten den Beginn verpatzt, als wäre der Schock vom Teamchef-Wechsel noch nicht verarbeitet. Nach mehreren spanischen Fehlpässen holte sich Cristiano Ronaldo den Ball, sprintete los und sah Real-Kollege Nacho als Gegner. Geschickt fädelte der Superstar beim ausgestreckten Bein des Verteidigers ein und holte den Elfmeter heraus.

Der 33-Jährige machte es selbst und traf  zum 1:0 (4.). Damit wurde auch der siebente Strafstoß Portugals in der WM-Historie verwertet und Ronaldo reiht sich ein unter die Größten, die bei vier Endrunden trafen. Und das nur Stunden nach einer millionenschweren Einigung samt Verurteilung im  (ausgerechnet!) spanischen Steuerverfahren.

Costa trifft zum 1:1

Lopetegui-Nachfolger Fernando Hierro sah dann, wie auch der Favorit ins hochklassige Spiel kam. Trotzdem  gab es die große Chance auf das 2:0: Ronaldo legte einen großartigen Sprint hin und legte auf Guedes auf, doch der Sturmpartner vertändelte. In Minute 24 warteten viele im Olympia-Stadion von Sotschi auf die Premiere des Video-Assistenten. Aber das Schiedsrichter-Team aus Italien sah eine Attacke von Diego Costa an Pepe nicht als foulwürdig an. Was danach kam, war große Klasse. Spaniens eingebürgerter Mittelstürmer nutzte den Platz, tanzte zwei Gegenspieler  aus und traf ins Eck – 1:1.

Der Weltmeister von 2010 legte nach, Isco traf die Querlatte (26.). Die Portugiesen verteidigten im 4-4-2 konsequent und bewiesen  Effizienz: Guedes legte dorthin ab, wo es gefährlich ist – auf Ronaldo. Dessen Schuss mit links war ungewöhnlich ungenau und trotzdem drinnen. Denn Goalie De Gea, an sich einer der besten seines Fachs, griff  daneben  (44.).
Sollte Spanien so wie 2010 (0:1 gegen die Schweiz) und 2014 (1:5 gegen die Niederlande) den Auftakt verpatzen? Die erste Pausenansprache von Hierro als Teamchef dürfte eine gute gewesen sein.

Doppelschlag

Mit noch mehr Nachdruck wurde an der Wende gearbeitet. Sie gelang innerhalb von vier Minuten. Eine Freistoßflanke verlängerte Busquets per Kopf, Costa war wieder zur Stelle – 2:2 (55.).
Der nächste Angriff schien geklärt, da rauschte aus dem Rückraum Nacho heran. Nur weil sich Carvajal   im Champions-League-Finale verletzt hatte, spielte der 28-Jährige   mit. Sein erstes Tor für Spanien war ein perfekter Direktschuss, der beide Stangen berührte, ehe  das 3:2 bejubelt wurde (58.).

Portugal wollte zwar wieder aktiv werden, hatte aber kaum Gelegenheit dazu gegen die ballsicheren Spanier. Die einzige Chance war ein Freistoß. Ronaldo nutzte sie und verdoppelte seine WM-Torbilanz auf sechs. Perfekt über die Mauer gezirkelt landete das Spielgerät im Kreuzeck – 3:3 (88.)! Es sollte der Schlusspunkt für dieses Spektakel sein.

"Habe immer an mich geglaubt"

Ronaldo war nach seiner Galavorstellung sichtlich zufrieden: "Unglaublich, auf das habe ich lange hingearbeitet. Auch wenn viele nicht an mich geglaubt haben, ich habe immer an mich geglaubt. Aber die gesamte Mannschaft hat das heute gut gemacht. Wir haben auch nicht aufgegeben, als wir in Rückstand geraten sind. Wir sind sehr gut als Team zusammengewachsen und glauben alle daran, dass wir unser großes Ziel hier erreichen können."

Auf der Gegenseite zeigte sich Spaniens Costa, der doppelt traf, enttäuscht: "Ich bin überglücklich über meine zwei Tore. Es war kein leichtes Spiel, leider haben wir am Ende den Ausgleich bekommen. Es war ein sehr schönes Spiel, das wir leider aus den Händen gegeben. Wir hätten uns den Sieg verdient, denn wir hatten viel mehr Chancen und mehr Ballbesitz."

Iran übernimmt Führung

Die Führung in Gruppe B übernahm der Iran, der Marokko davor dank eines Last-Minute-Eigentors von Aziz Bouhaddouz in St. Petersburg glücklich mit 1:0 (0:0) besiegt hatte, und am Mittwoch auf die Spanier trifft.

Auch das erste Spiel des Tages wurde erst im Finish entschieden. Das favorisierte und feldüberlegene Uruguay setzte sich in Gruppe A dank eines Kopfballtreffers von Innenverteidiger Jose Gimenez in der 90. Minute mit 1:0 (0:0) durch. Ägyptens Stürmerstar Mohamed Salah saß wegen seiner Schulterverletzung nur auf der Bank. Tabellenführer nach dem ersten Spieltag in Gruppe A ist aber Gastgeber Russland, das zum Auftakt am Donnerstag Saudi-Arabien klar mit 5:0 besiegt hatte.