Sport | Fußball-WM
18.06.2018

Drohungen gegen LGBT-Fans in Russland

In St. Petersburg wurde vor vier Tagen ein schwules französisches Paar angegriffen.

Englands Nationalteam wird heute Abend in Wolgograd gegen Tunesien auch von ihren Fans aus der LGBT-Community angefeuert werden. Aufgrund der Anfeindungen, denen Homosexuelle und Transsexuelle in Russland ausgesetzt sind, ist der englische Fußballverband (FA) aber um deren Sicherheit besorgt.

Im Mai hat die Organisation Football Against Racism in Europe (FARE) in Zusammenarbeit mit der FA einen Guide mit Ratschlägen für LGBT-Fans, die zur WM fahren, herausgebracht. "Auch als LGBT kann man nach Russland fahren. Es wird jedoch stark dazu geraten, seine Sexualität nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen", lautet einer der Tipps.

Festnahme

Der Schwulenrechtler Peter Tatchell aus London wurde am Tag der WM-Eröffnung kurzfristig von der Polizei in Moskau festgenommen, weil er unter anderem gegen die Unterdrückung von Homosexuellen in Tschetschenien demonstrierte. "Putin unternimmt nichts gegen die Folter von Homosexuellen in Tschetschenien", stand auf seinem Plakat. Tatchell wurde bald freigelassen, muss sich am 26. Juni aber vor einem Moskauer Gericht verantworten. Auf seiner Website schrieb er danach in Richtung FIFA: "Es ist erschreckend, dass dieses Turnier in einem Land stattfindet, in dem homosexuelle Fußballfans bedroht, gejagt, geschlagen und erstochen werden."

"Pride in Football", ein britisches Fan-Bündnis von LGBT-Vereinen, hat vor der WM mehrere Mails mit Morddrohungen aus Russland erhalten. "Manche Leute sagten uns, dass sie uns erstechen, wenn sie uns finden", so der Leiter der Organisation, Joe White. Nachgeben wolle man diesen Anfeindungen aber nicht: "Wenn es sicher ist, werden wir unsere Regenbogen-Fahnen im Stadion hissen. Wir wollen zeigen, dass LGBT Fußball-Fans existieren und wir genauso ein Teil des Sports sind."

Schwere Verletzungen

Dass diese Drohungen durchaus ernst zu nehmen sind, zeigt ein Fall aus St. Petersburg: Vor vier Tagen wurde ein schwules französisches Paar von zwei Männern aus Dagestan angegriffen. Einer von ihnen erlitt schwere Verletzungen am Gehirn und eine Kieferfraktur. „Auch, wenn die Verletzten Homosexuelle sind, ist das keine Rechtfertigung für die Monster, die ihn geschlagen haben“, hieß es im OperSlil Telegram, der die Meldung als erstes verbreitete.

Obwohl Homosexualität in Russland seit 1993 kein Straftatbestand mehr ist, werden Schwule, Lesben und Transsexuelle gesellschaftlich ausgegrenzt. So wurde 2013 ein Gesetz verabschiedet, das homosexuelle Propaganda gegenüber Kindern und Jugendlichen mit drastischen Strafen belegt.