Anpfiff: Die WM-Stars an der Pfeife

Nestor Pitana aus Argentinien leitete die Eröffnungspartie. © Bild: APA/AFP/PATRIK STOLLARZ / PATRIK STOLLARZ

Exoten, Großverdiener und Stammgäste: Bei der Fußball-WM in Russland stehen auch die Schiedsrichter im Fokus.

Sie kommen aus aller Herren Länder, verdienen das wenigste Geld und treffen vermutlich doch die wichtigsten Entscheidungen bei dieser Weltmeisterschaft: die Schiedsrichter. Und sie werden immer mehr. 98 aktive Unparteiische hat die FIFA für das Turnier in Russland nominiert. 35 Schiedsrichter und 63 Assistenten. Der Großteil von ihnen kommt mit zehn Referees und 20 Assistenten aus Europa. Doch wie gewohnt sind auch einige Exoten am Werk. Am ehesten trifft dies wohl auf den 38-jährigen Norbert Hauata aus Tahiti und seinen Assistenten Tevita Makasini aus Tonga zu. Ozeanien stellt auch noch ein Trio aus Neuseeland.

Aus Afrika kommen sechs Referees und zehn Assistenten. Jean-Claude Birumushahu hat es bereits zu seiner zweiten WM geschafft. Der Unparteiische aus Burundi stand bereits 2014 in Brasilien an der Linie. Für ihn zahlt sich der Ausflug nach Russland auch aus finanzieller Sicht aus: In seiner Heimat beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen 270 Dollar. Brutto. Bei der WM wird er ein Vielfaches davon verdienen, 20.000 Euro Grundgehalt und 1600 Euro pro Spiel erhalten Assistenten beim diesjährigen Turnier.

57.000 Euro Fixum

Die Hauptschiedsrichter streifen freilich mehr ein. Einmalige 57.000 Euro und 2400 pro Spiel gibt es für die Männer in der Mitte. Für Felix Brych ist das Geld kein Anreiz. Der Münchner, der als einer der Besten der Welt gilt und 2017 auch das Finale der Champions League leiten durfte, casht in der deutschen Bundesliga 80.000 Euro Grundgehalt und 5000 Euro pro Spiel. Dass die großen Ligen weit mehr zahlen, als es bei einer WM-Endrunde zu verdienen gibt, ist nicht neu.

Brych zählt bei seiner zweiten WM zu den Kandidaten auf einen Einsatz im Finale. Dafür muss der 42-Jährige aber auf ein Ausscheiden der deutschen Mannschaft hoffen. Bessere Karten hat der 45-jährige Björn Kuipers, der ebenso vor vier Jahren schon dabei war – die Niederlande haben die Qualifikation nicht geschafft.

Zu seiner bereits dritten WM fährt Ravshan Irmatov. Der Unparteiische aus Usbekistan ist mit neun geleiteten WM-Spielen bereits Rekordhalter. Der 40-Jährige, der als bester Schiedsrichter Asiens gilt, wird seine Bestmarke in Russland ausbauen und wohl auch 2022 bei der WM in Katar wieder dabei sein.

Schon seit vielen Jahren nicht mehr dabei sind die Schiedsrichter aus Österreich. Der Burgenländer Günter Benkö war 1998 der letzte Head-Referee des ÖFB bei einer WM. 2002 in Japan und Südkorea war noch Assistent Egon Bereuter aus Vorarlberg im Einsatz. Seither sind Schiedsrichter aus Österreich nur TV-Zuschauer.

( kurier.at ) Erstellt am 15.06.2018