Sport | Fußball-WM
11.07.2018

Alles Teamchef - oder was?

In & Out: Erst fünf Trainer sind nach der WM fix weg, aber es gibt noch Wackelkandidaten.

Spanien hatte den Rekord aufgestellt: Schon vor dem ersten WM-Spiel hatte man sich von Julen Lopetegui getrennt. Die WM ist noch nicht aus, und es gibt schon einen Neuen. Fernando Hierro kehrt auch nicht zu seinem Job als Sportdirektor zurück, sondern verlässt den Verband, Nachfolger als Teamchef wird Luis Enrique. Joachim Löw bleibt deutscher Bundestrainer. Auch Jorge Sampaoli darf bis auf Weiteres argentinischer Teamchef bleiben. Doch wie sieht es bei anderen Nationen aus, deren Teams enttäuscht haben?

Out

Adam Nawalka Es war zu erwarten, und dann ging es auch ganz schnell. Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der WM in Russland trennt sich Polen von Nationaltrainer Adam Nawalka. Der auslaufende Vertrag des 60-Jährigen werde nicht verlängert, hieß es. Die polnische Mannschaft hatte nach Niederlagen gegen den Senegal und Kolumbien schon früh keine Chance mehr auf den Einzug in die K.-o.-Runde.

Akira Nishino Auch der Vertrag des japanischen Teamchefs läuft aus, und vom Verband hieß es dazu: „Wir werden ihn nicht überreden, weiterzumachen.“ Dabei war Japan bis ins Achtelfinale gekommen und dort erst unglücklich durch ein Tor in der Nachspielzeit an Belgien gescheitert. Kurz danach gab es die Trennung.

Óscar Ramírez Auch Costa Ricas Teamchef muss nach dem Aus in der Vorrunde seinen Stuhl räumen.

Héctor Cúper Der Argentinier hatte Ägypten erstmals nach 28 Jahren wieder zu einer WM-Endrunde geführt. Doch das war nach drei Niederlagen nichts mehr wert.

Bert van Marwijk Dass der Niederländer Australien nach der WM verlässt, stand schon vor dem Turnier fest. Sein Nachfolger ist der Australier Graham Arnold.

In

Gernot Rohr Die Zukunft des Deutsch-Franzosen bei Nigeria gilt als gesichert.

Aliou Cissé Die Zukunft des Teamchefs des Senegal gilt als gesichert.

Hervé Renard Der Franzose wird bei Marokko ebenso im Amt bleiben.

Åge Hareide Im Amt bleibt auch Dänemarks norwegischer Coach, für den mit der Pleite gegen Kroatien eine Serie von 18 Spielen ohne Niederlage endete.

Juan Antonio Pizzi Bereits verlängert wurde der Vertrag des Argentiniers als Nationaltrainer Saudi-Arabiens – trotz des frühen Out.

Carlos Queiroz Weitermachen darf auch der Portugiese im Iran, der gegen sein Heimatland Portugal beim 1:1 nur knapp den Einzug ins Achtelfinale verpasst hatte.

Fernando Santos Der Portugiese bleibt weiter Teamchef seines Heimatlandes.

Mladen Krstajic Der Serbe bleibt in Serbien weiter im Amt des Teamchefs.

Vladimir Petkovic Auch der Schweizer Teamchef behält seinen Job.

Schleudersitz

José Pékerman Ob der Argentinier Kolumbiens Trainer bleibt, ist unklar. Seit 2012 betreut er das Team, er führte es zu zwei Weltmeisterschaften, aber sein Vertrag läuft aus. Für die heimischen Medien scheint der Umbruch auf der Trainerbank schon sicher, so schrieb die Zeitung El Espectador vom „Ende der Ära Pékerman“.

Shin Tae-yong Auch Südkoreas Teamchef sitzt trotz des Sieges gegen Deutschland keineswegs fest im Sattel. Denn nach Niederlagen gegen Schweden und Mexiko musste sich der Coach heftige Kritik in der Heimat gefallen lassen. Sein Vertrag läuft aus. „Es gibt noch keine Entscheidung dazu“, sagte ein Sprecher des Verbands. Fakt ist: Bisher durfte noch kein südkoreanischer WM-Trainer, der die K.-o.-Runde verpasst hatte, anschließend im Amt bleiben.

Tite Wer mit Brasilien schon im Viertelfinale scheitert, ist ein Wackelkandidat. Allerdings stehen die Spieler zum Teamchef, dessen Vertrag ausläuft. Für eine Verlängerung spricht allerdings die Bilanz unter Tite – in 26 Spielen gab es 20 Siege und nur zwei Niederlagen. Die gegen Belgien war allerdings enorm schmerzvoll.

Wer sich ziert

Hernán Darío Gómez „Ja, ich habe andere Angebote. Aber das Land hat eine große Zukunft. Ich werde mir etwas Zeit nehmen und dann entscheiden“, sagte Panamas Trainer, der trotz dreier Niederlagen in der Heimat wie ein Held gefeiert wurde.

Ricardo Gareca Peru will mit dem Argentinier weiterarbeiten, doch der sagt: „Wir werden alles in Ruhe analysieren, jetzt ist nicht der Moment, um diese Entscheidung zu treffen.“ Hintergrund ist, dass der Argentinier in seinem Heimatland schon als Nachfolger von Sampaoli gehandelt wird, wenn der doch noch gehen muss.

Juan Carlos Osorio Auch Mexikos Teamchef weiß noch nicht so recht, was er in Zukunft machen will. „Wir werden sehen, was passiert“, sagte der Kolumbianer.

Heimir Hallgrímsson Islands Zahnarzt denkt offenbar über eine Karriere als Klubtrainer nach. „Ich nehme mir eine Woche oder zwei Zeit. Ich spreche mit dem Verband, spreche mit meiner Familie, und dann treffen wir eine Entscheidung“, sagte er. Die Spieler wünschen sich zwar, dass er bleibt, haben aber auch Verständnis für die Ambitionen ihres Trainers. „Er hätte etwas Größeres verdient“, sagte der Augsburger Alfred Finnbogason.

Nabil Maaloul „Ich werde erst beten, und Gott wird mir dann den richtigen Weg zeigen“, sagte der Teamchef der Tunesier.

Óscar Tabárez Der älteste Teamchef des Turniers könnte Uruguays Mannschaft verlassen – allerdings aus gesundheitlichen Gründen.