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17.06.2018

1:1 gegen die Schweiz: Brasilien vergibt Auftaktsieg

Coutinho bescherte dem Titelfavoriten zwar mit einem Traumtor die 1:0-Pausenführung. Die Schweizer legten aber nach.

Mit Brasilien hat ein weiterer der WM-Favoriten sein Auftaktmatch in Russland nicht gewonnen. Die "Selecao" musste sich am Sonntag in Rostow am Don gegen die Schweiz mit einem 1:1 (1:0)-Remis zufriedengeben. Brasilien ging durch einen sehenswerten Weitschuss von Philippe Coutinho (20.) in Führung, Steven Zuber (50.) glich nach dem Seitenwechsel per Kopf aus.

In der zweiten Hälfte hatten die Eidgenossen den fünfmaligen Champion viel besser unter Kontrolle, wenngleich Brasilien gegen Ende noch einige Chancen herausspielte. Die Brasilianer konnten damit nach neun Auftaktsiegen bei den vorangegangenen Weltmeisterschaften erstmals nicht als Sieger vom Platz gehen. Tabellenführer ist nach dem ersten Spieltag in der Gruppe E Serbien, das gegen Costa Rica am Nachmittag 1:0 gewann.

Brasilien-Coach Tite schickte exakt die gleiche Elf wie beim 3:0-Sieg gegen Österreich im letzten WM-Test auf den Rasen. Zum Kapitän bestimmte Tite diesmal Linksverteidiger Marcelo. Bei der Schweiz begann Zuber von Hoffenheim als Linksaußen, die übrige Aufstellung war aufgrund der Präferenzen von Trainer Vladimir Petkovic ein offenes Geheimnis gewesen.

Nach 1:0 schlief Spiel ein

Nach einem etwas verunglückten Volley des Schweizers Blerim Dzemaili (3.) vergab Paulinho nach zehn Minuten die erste Chance der Brasilianer, indem er am Fünfer verzog. Die "Selecao" erhöhte dann für kurze Zeit das Tempo, und gleich der erste Weitschuss von Coutinho passte haargenau. Aus halblinker Position zirkelte der Barcelona-Legionär den Ball von knapp außerhalb des Strafraums via Innenstange ins Netz.

Danach schlief das Match ein bisschen ein. Der Rekordchampion schaltete mindestens einen Gang zurück, die Schweizer gewannen zwar Bälle und kombinierten im Mittelfeld gefällig, kamen aber nicht mehr gefährlich vor das gegnerische Tor. Das verhinderten eigene Fehler und die hervorragend organisierte Defensive der Brasilianer. Kurz vor dem Halbzeitpfiff köpfelte Thiago Silva nach einem Eckball über die Latte.

Wieder Leben in die Partie kam nach dem Ausgleich, den Xherdan Shaqiri mit einem Eckball vorbereitet hatte. Weil er seinen Gegenspieler Miranda leicht wegstieß, war Zuber praktisch unbewacht. Mit mehr Selbstvertrauen verteidigte die "Nati" danach besser, zwang Brasilien zu Fehlern und hielt den Ball länger in den eigenen Reihen.

Schlussoffensive blieb unbelohnt

Erst in der 58. Minute hatte Neymar seinen ersten Auftritt im Strafraum, der zu einem Corner führte. Ein Weitschuss (78.) des 26-Jährigen wurde zur Beute von Torhüter Yann Sommer, die Dribblings und Freistöße des Offensivspielers blieben wirkungslos. Gefährlicher war Coutinho (70.), der aus kurzer Distanz die neuerliche Führung vergab.

Am Ende versuchte es Brasilien mit der Brechstange. Der eingewechselte Robert Firmino (82.) schoss aus spitzem Winkel über das Tor, seinen Kopfball (90.) erwischte Sommer gerade noch. Bei einem Schuss von Miranda (91.) fehlten nur Zentimeter.

  • Stimmen zum Spiel:

Philippe Coutinho (Torschütze Brasilien): "So ist das bei einer WM, die Auftaktspiele sind immer ganz besonders schwierig. Wir hätten gerne gewonnen. Beim Gegentor war es für mich ein klares Foul des Schweizers, aber wir müssen jetzt an das nächste Spiel denken. Wir haben es verabsäumt, das zweite Tor zu schießen. Jetzt müssen wir die anderen Resultate liefern."

Yann Sommer (Torhüter Schweiz): "Wir haben es gut gemacht, wirklich gut gemacht. Generell haben uns die Brasilianer nicht viel Zeit gelassen, um durchzuschnaufen. Andererseits war uns schon vor dem Spiel bewusst, dass die Brasilianer zu Chancen kommen würden. Wir haben uns in der ersten Halbzeit etwas zu sehr nach hinten drücken lassen. Die Reife einer Mannschaft zeigt sich aber auch darin, dass eine Mannschaft das wegstecken kann und diese kritische Phase überwindet. Wir haben nach der Pause mutig gespielt. Natürlich braucht man in solchen Partien auch das Quäntchen Glück."

Vladimir Petkovic (Teamchef Schweiz): "Das Wichtigste heute war, dass die Mannschaft stets an sich geglaubt hat. Wir sind ruhig geblieben, auch als es in der ersten Halbzeit noch nicht optimal gelaufen ist. Nach dem Ausgleich haben wir souverän gespielt, sind weiter ruhig geblieben und haben uns bemüht, weiter nach vorne zu spielen. Wir haben etwas Glück benötigt, und das haben wir am Ende gehabt. Und gerade weil auch der Gegner Brasilien gut gespielt hat, bin ich überzeugt, dass dies ein sehr wertvolles Resultat ist."