Italian Super Cup - Juventus v AC Milan

© REUTERS / WALEED ALI

Sport
12/05/2021

Fußball, Tennis oder Formel 1: Warum der Weltsport am Sand ist

Saudi-Arabien steht wegen Menschenrechtsverletzungen und seiner restriktiven Politik in der Kritik. Das Land versucht, mit Sport-Großereignissen ein positiveres Image zu schaffen.

von Günther Pavlovics

Letzten Monat kaufte der Investmentfonds des Staates Saudi-Arabien 80 Prozent des englischen Premier-League- Klubs Newcastle um 400 Millionen Dollar. Sacha Deshmukh von Amnesty International UK sieht das als klaren Versuch, die Menschenrechtsverletzungen mit der Strahlkraft von Spitzenfußball reinzuwaschen. Man schätzt, dass Saudi-Arabien in den letzten Jahren 1,5 Milliarden Dollar in sportliche Top Events steckte.

Dieses Wochenende gastiert erstmals die Formel 1 im Wüstenstaat. 650 Millionen Dollar kassiert die Liberty Media Group für den Zehnjahresvertrag. Im Rahmen des ersten Rennens gibt es sogar Konzerte mit Justin Bieber als Headliner.

Formula One Grand Prix of Saudi Arabia

Dafür wurde der kanadische Sänger kritisiert – auch von Hatice Cengiz, der Verlobten des ermordeten Jamal Khashoggi. Der Mord an dem Journalisten und die Bombardierungen im Jemen, die von einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition geleitet wurden, zählten zu den gravierendsten Verstößen gegen Menschenrechte.

Vorbild Katar

Vorbild bei der Imagepolitur mittels Sportveranstaltungen ist Katar, das als Höhepunkt die Fußball-WM 2022 ausrichtet. Der Kauf von Paris St-Germain sowie der Einstieg als Sponsor beim FC Barcelona und bei Bayern München waren Ecksteine puncto Imagetransfers.

Saudi-Arabien zog mit dem italienischen Supercup nach. Im Jänner 2019 lief Cristiano Ronaldo in Jeddah auf. 21 Millionen Euro kosteten insgesamt drei Supercup-Partien. Wobei Frauen nur Zugang zu den „Familien“-Bereichen hatten.

Serie-A-Boss Gaetano Micciche verkaufte dies als Erfolg: „Bis vor einem Jahr waren Frauen komplett ausgeschlossen.“ Genau ein Jahr später spielten Barcelona, Real Madrid, Atlético Madrid und Valencia in Jeddah um den spanischen Supercup. 120 Millionen Euro flossen für drei Jahre.

Die Formel E machte ihren Saisonauftakt im Dezember 2018 vor der Kulisse der Weltkulturerbestätte Al-Dirija, der „Altstadt“ von Riad. 260 Millionen Euro kostete der Vertrag über zehn Jahre. Die Rallye Dakar startete am 5. Jänner 2020 erstmals in Saudi-Arabien. Die Amaury Sport Organisation kassierte für den Fünfjahresvertrag 80 Millionen Dollar.

Ende 2020 gönnten sich die Saudis um 100 Millionen Dollar den Box-WM-Kampf zwischen Andy Ruiz jr. und Anthony Joshua. Der „Clash of the Dunes“ war Teil der „Diriyah Season“ mit Formel E und einem hoch dotierten Tennisturnier mit dem Russen Medwedew als Star.

Golf-Staat Saudi-Arabien

Tennis und vor allem Golf sollen Saudi-Arabien für die Zeit, wenn das Öl nicht mehr fließt, attraktiv für gut situierte Touristen machen. Am 31. Jänner 2019 begann das erste Golfturnier der European Tour in Saudi-Arabien. Allerdings wollen die Saudis mehr und richten nächstes Jahr im Rahmen der Asien-Tour ein Millionenevent mit etlichen Topstars des Weltgolfs aus. Die PGA reagierte auf die Kampfansage mit der Drohung, die Stars für die eigene noch höher dotierte Tour zu sperren.

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