Extremradfah­rer Strasser: "Man muss leiden"

Christoph Strasser…
Foto: /Christoph Strasser Christoph Strasser

Der Steirer will am Wochenende in 24 Stunden mehr als 903 Kilometer fahren.

Um wieviel Uhr man Christoph Strasser dieser Tage anrufen kann? "Jederzeit", sagt sein Pressebetreuer. "Der sitzt fast den ganzen Tag auf dem Ergometer und hat Zeit."

Christoph Strasser ist ein Mann der Extreme. Wo für andere das Training aufhört, fängt es für ihn erst an. Wo andere aufgeben, wird es für ihn interessant. Vier Mal gewann der 34-jährige Steirer bereits das Extrem-Rennen Race Across America quer durch die USA. Nun hat er sich das nächste Ziel gesetzt: Der 24-Stunden-Weltrekord auf der Bahn soll fallen. Am kommenden Samstag beginnt das Projekt um 13.00 Uhr im Vélodrome Suisse in Grenchen im Kanton Solothurn. Bei 903,76 Kilometer liegt der aktuelle Rekord des Slowenen Marko Baloh. "Ich wäre extrem glücklich, wenn ich das schaffen würde", sagt Strasser leicht schnaufend, im Hintergrund ist das Surren des Ergometers zu hören.

Für einen Weltrekord müsste er 3616 Runden auf der schnellen Bahn drehen. Doch der Extremsportler träumt von mehr: "Im Idealfall kann ich einen Schnitt von 40 km/h durchhalten. Damit könnte ich mehr als 960 Kilometer schaffen." Selbst die magische 1000-Kilometer-Marke ist für Strasser nicht ausgeschlossen. Das wäre eine Distanz, größer als jene von Wien nach Paris, unvorstellbar für einen normalen Radfahrer. Doch weshalb setzt sich ein Mensch diesen Strapazen aus, welche Probleme können auf ihn zukommen – und ist Strasser einfach verrückt?

Wie ernährt sich Strasser in den 24 Stunden?

Ausschließlich während der Fahrt. Betreuer reichen ihm vom Rand der Bahn die Flaschen. Es ist akribisch durchgeplant, wann Strasser was zu sich nehmen wird. "Ich bekomme Flüssignahrung wie ein Patient nach einer Kieferoperation. Da kann nicht viel passieren."

Christoph Strasser Foto: KURIER/Franz Gruber

24 Stunden radfahren – tut das weh?

Ja. Auch für einen trainierten Körper ist die Belastung groß. Strasser könnte Probleme mit dem Rücken bekommen, und wegen der hohen Fliehkräfte in den Kurven lastet viel Gewicht auf dem Gesäß. Das könnte zu Sitzbeschwerden führen.

Muss er nicht aufs Klo?

Doch. Dafür wird er vom Rad absteigen und kurze Pausen machen. "Drei oder vier, das muss reichen."

Warum fährt er in der Schweiz?

Die moderne Bahn aus Sibirischer Fichte soll außerordentlich schnell sein, zirka ein km/h schneller als jene im Wiener Dusika-Stadion.

Welchen Typ Fahrrad verwendet er?

Die Wahl des Bikes steht Strasser frei. Er hat sich gegen ein Bahnfahrrad mit fixer Übersetzung entschieden. Dafür verwendet er ein Zeitfahrrad mit Schaltung und Freilauf. Begründung: "Da kann ich für ein paar Sekunden die Beine hochnehmen und den Rücken dehnen."

Wo lauert die Gefahr?

"In der Müdigkeit und der Monotonie", sagt Strasser. "Wenn man unaufmerksam wird, kann man in den Kurven stürzen." Und Strasser muss 7232 Kurven fahren, alle nach links.

Was ist mit Doping?

"Ich unterliege natürlich den Anti-Doping-Regeln und gehe davon aus, dass ich getestet werde", sagt Strasser.

Ist der Typ verrückt?

"Ich bin bestimmt nicht so wahnsinnig, wie es für Außenstehende aussieht", sagt er. "Es macht Spaß, dieses Projekt zu verfolgen, das aus tausend Teilen besteht. Das ist mein Beruf." Außerdem: "Was ich mache, ist für mich normal, ein gesunder Mensch hält das aus. Natürlich muss man dabei leiden, aber es gibt auch intensive Glücksmomente. Für mich ist es viel verrückter, wenn Menschen auf Skiern mit 140 km/h einen Berg runterfahren."

Kann man den Weltrekordversuch wo sehen?

Ja. Live in der Halle oder auf www.christophstrasser.at.

(kurier) Erstellt am
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