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Volleyball
09/13/2019

EM-Auftakt: Österreichs Volleyballern schlägt die große Stunde

Die Herren-Nationalmannschaft trifft zum Auftakt der Endrunde am Freitag auf Gastgeber Belgien.

„Für einen Gastgeber ist das Auftakt-Match immer eine besondere Herausforderung. Egal ob im Volleyball oder im Teesackerlweitwerfen.“

Es ist zwar nichts überliefert, dass Peter Kleinmann in früheren Jahren einmal mit Teebeuteln auf Weitenjagd gegangen wäre, aber im Volleyball macht ihm hierzulande niemand so schnell etwas vor. Nicht umsonst wird er Österreichs Mister Volleyball genannt und hat in diesem Sport seit über einem halben Jahrhundert maßgeblich seine Finger im Spiel.

Wer könnte also berufener sein, einen Ausblick auf die heutige erste EM-Partie der Österreicher gegen Belgien zu geben?

Ohne Kleinmann

Kleinmann kann zwar wegen eines kürzlich erlittenen Rippenbruches die Spiele der österreichischen Nationalmannschaft nicht live verfolgen, aber auch so weiß der langjährige Verbandsboss, was die Österreicher heute Abend (20.30 Uhr, live ORF Sport+) erwarten wird: Ein mit 15.000 Fans ausverkaufter Palais 12 in Brüssel; ein Gastgeberteam, das nach dem vierten Rang bei der EM 2017 vom großen Heimcoup träumt; eine erfahrene belgische Turniermannschaft, die zum EM-Auftakt gegen Österreich einen ungefährdeten Sieg eingeplant hat.

Für den österreichischen Teamchef Michael Warm ist Belgien sogar „ein Geheimtipp für ganz oben“, aber wie Peter Kleinmann hofft auch er darauf, dass die Volleyballer aus dem Gastgeberland angesichts der hohen Erwartungshaltung möglicherweise ein zittriges Händchen kriegen könnten. „Für einen Gastgeber ist das erste Spiel bei einer Großveranstaltung nie so einfach. Da ist der Druck groß“, glaubt der deutsche Langzeitcoach, der seinen Spielern eines auf den Weg mitgibt: „Darauf losspielen und zeigen, dass wir das auch können. Uns liegt es sicher, in einer gewissen Außenseiterposition in die Halle zu gehen.“

Michael Warm selbst ist vor der EM-Premiere – bei den letzten zwei Teilnahmen war Österreich als Gastgeber fix qualifiziert – um Normalität bemüht. „Wir schauen auch ganz bewusst, dass wir die gleichen Abläufe wie immer haben“, erklärt Sportdirektor Gottfried Rath.

Mit Polizeieskorte

So weit es überhaupt möglich ist. Denn seit die Österreicher in Belgien angekommen sind, werden sie praktisch auf Schritt und Tritt mit der Europameisterschaft konfrontiert. Die Fassade des Mannschaftshotels ziert wie viele andere Gebäude in Brüssel ein riesiger Werbebanner, und wenn die rot-weiß-rote Delegation mit ihrem Teambus durch die belgische Hauptstadt fährt, dann wird sie von zwei Polizeimotorrädern mit Blaulicht begleitet.

Einige heimische Spieler kennen das bereits von ihren Klubs und den Auftritten im Europacup. Und schon allein daran lässt sich erkennen, welchen Leistungssprung das österreichische Volleyball seit der Heim-EM 2011 gemacht hat.

Vor acht Jahren hatte Österreich alle Partien mit 0:3 verloren, diesmal peilt die Mannschaft nicht nur einen Satzgewinn, sondern den Einzug ins Achtelfinale an.

2011 war noch ein Legionär im Teamkader gestanden, nun ist das Gros der Mannschaft bei ausländischen Topvereinen am Ball. „Österreich hat inzwischen Volleyballer, die in ganz Europa etabliert sind und sich einen Namen gemacht haben“, sagt Teamchef Michael Warm, „die Erfolge haben die Mentalität im Team noch einmal besser gemacht.“