Tragödie bei der WM 1994: Andrés Escobar traf ins eigene Tor. Das Missgeschick war sein Todesurteil.

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Sport
07/03/2019

Ein tödliches Eigentor und andere Attentate auf den Sport

Rückblick: Vor 25 Jahren verschuldete der Kolumbianer Andrés Escobar das WM-Out und wurde erschossen.

Als „Katastrophe“ mag so manches Eigentor empfunden werden. Jenes von Andrés Escobar vor 25 Jahren bei der WM gegen Gastgeber USA hatte tatsächlich dramatische Folgen. Sein hoch eingeschätztes Team rund um die goldene Generation um Wuschelschopf Carlos Valderrama verlor 1:2 und scheiterte in der Vorrunde.

Zehn Tage später, am 2. Juli 1994, bezahlte er sein Eigentor mit dem Leben. Kurz vor seiner bevorstehenden Hochzeit, kurz vor seinem geplanten Wechsel von Atlético Nacional aus Medellin zum AC Mailand, lag er blutüberströmt in seinem Auto auf dem Parkplatz einer Diskothek in Medellin. Getroffen von sechs Kugeln aus einem Revolver. „Eigentor Andrés! Eigentor“, sollen die Attentäter gerufen haben.

Der „caballero de futbol“, der Fußball-Gentleman, starb im Spital. Im Alter von nur 27 Jahren.

Als Haupttäter wurde Humberto Muñoz Castro verurteilt. Ob er als enttäuschter Fan gehandelt hat, oder im Auftrag der kolumbianischen Wettmafia konnte nie geklärt werden. Verurteilt wurde er zu 43 Jahren Haft, 2005 kam er frei. Hinter dem Attentat standen aber die Brüder Gallon, Meister des Drogenhandels und der Geldwäsche. Sie kamen mit Hausarrest und einer geringen Geldstrafe davon. Ein Staatsanwalt gestand 2014: „Die Gallons haben Geld, Macht und Freunde im Staat.“

Viel Geld wurde damals gewaschen und gewettet auf einen Sieg von Kolumbien. Viel Geld wurde verloren. Escobar verlor sein Leben. Das tragische Attentat auf den Fußballer war nicht das einzige auf Sportler.

München, 1972

Am 5. September 1972 verlor der Sport seine Unschuld. Eine palästinensische Terrororganisation nahm elf israelische Sportler im olympischen Dorf als Geiseln. Bei der versuchten Befreiung auf einem Flughafen starben alle Geiseln, ein Polizist und fünf von acht Geiselnehmern. Nach einer kurzen Pause wurden die Spiele fortgesetzt. Der Chef des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, Willi Daume, sagte: „Es ist schon so viel gemordet worden – wir wollten den Terroristen nicht erlauben, auch noch die Spiele zu ermorden.“

Monica Seles, 1993

Die aus Jugoslawien stammende Seles gehörte zu den besten Tennisspielerinnen der Welt. 1993 wurde sie während einer Partie beim Turnier in Hamburg vom psychisch gestörten Günter Parche in den Rücken gestochen, einem damals 38-jährigen Fan von Seles’ größter Kontrahentin Steffi Graf. Seles bestritt zwei Jahre lang kein Match, 1995 gelang das Comeback.

Harding/Kerrigan, 1994

Der Mann von US-Eiskunstläuferin Tonya Harding beauftragte einen Attentäter, der Kontrahentin Nancy Kerrigan mit einer Eisenstange am Knie verletzte. Seitdem wird Harding als „Eishexe“ bezeichnet.

Boston-Marathon, 2013

Auf der Zielgeraden explodierten zwei Bomben, gezündet von zwei russischen Brüdern. Drei Menschen wurden getötet, 264 verletzt. Tamerlan Zarnajew wurde auf der Flucht erschossen, Dschochar Zarnajew zum Tode verurteilt. Als Grund für den Anschlag wird radikaler Islamismus vermutet.

Dortmunder Bus, 2017

Vor dem CL-Spiel gegen Monaco wurden drei Sprengsätze gezündet. Im Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verletzte sich Spieler Marc Bartra schwer. Das Spiel wurde verschoben. Grund für den Anschlag: Der Täter wollte einen Kurssturz der BVB-Aktie herbeiführen und so viel Geld gewinnen.