Verspielt: Freiflächen zwischen den Hochhäusern

© REUTERS/EDGARD GARRIDO

Dabei sein ist fast alles
08/04/2016

Ein (Nicht-)Besuch im olympischen Dorf

Wie der KURIER nicht reingekommen ist und doch viele interessante Dinge erfahren hat.

von Florian Plavec

Im olympischen Dorf im Stadtteil Barra bleiben die mehr als 10.000 Athleten aus aller Welt unter sich. Nur am Dienstag hatten einige Medienvertreter das Privileg, mit einer speziellen Armbinde das Gelände zu besichtigen, das einen Kilometer südlich des Olympiaparks liegt. 6000 Journalisten hatten sich für die Tour angemeldet, 200 durften rein.

Unter den 200 Privilegierten war der KURIER ... nicht.

Also bleibt nicht viel übrig, als einen Blick durch den drei Meter hohen Maschendrahtzaun zu werfen auf die 31 neuen Hochhäuser, je 20 Stockwerke hoch. In einem Haus in der ersten Reihe wehen die Fahnen der rot-weiß-roten Delegation in der dritten, vierten, fünften und sechsten Etage. Darunter logieren laut Flaggenparade die Norweger, darüber Malaysier, Libanesen und Sri Lanker.
In einem weißen Zelt wird kontrolliert, so, wie man es vom Flughafen kennt. Davor hat sich eine lange Schlange von Menschen mit Armbinde gebildet, unter ihnen auch der ÖOC-Pressemann, leicht zu erkennen am roten Polo-Shirt und der Kiste mit Vollkornbrot, die er mit beiden Händen hält, denn "da drinnen", erzählt er und deutet mit dem Kopf Richtung Eingang, "gibt’s nur Weißbrot."

Der Insider

Er will zwar nicht beim Namen genannt werden, aber er erzählt weiter, und er erzählt viel, und so erfährt der KURIER-Leser zumindest aus zweiter Hand, dass ...

... beim Einzug der ÖOC-Delegation ins olympische Dorf tatsächlich vieles nicht funktioniert hat. Kein Licht, kein Wasser. So mussten acht Tiroler Handwerker handwerken, die zuvor das Österreich-Haus in Botafogo aufgebaut hatten. Rasch waren alle Mängel behoben;

... die Wohneinheiten aus je drei Doppelzimmern bestehen, was beengter klingt als es ist. So wohnen die rudernden Sieber-Brüder mit dem Kanuten Leitner und den Schwimmern Auböck und Brandl. Die Ruderer gehen um 21 Uhr schlafen, während die Schwimmer erst um 23 Uhr trainieren gehen (um den Jetlag zu bekämpfen);

... Christoph Sieber, der Chef de Mission, im Erdgeschoß sein Büro eingerichtet hat. Beim Surf-Olympiasieger von 2000 sollen die wichtigsten Team-Informationen zusammenlaufen. Auf seiner Terrasse sitzen gerne die Schützen und spielen Karten;

... das Gelände so weitläufig ist, dass es ein internes Transportsystem gibt;

... der riesige Speisesaal so stark klimatisiert ist, dass heiße Mahlzeiten sofort auskühlen. Immerhin sind die Speisen aus aller Welt für die Athleten gratis;

... es im Gegensatz zu London 2012 einen McDonald’s nur im Eingangsbereich gibt und nicht beim Speisesaal;

...Fitnesscenter, Klinik und Zahnarzt-Praxis in Zelten aufgebaut wurden, und dass es sogar einen Schönheitssalon gibt, wo sich Ruderin Magdalena Lobnig die Fingernägel hat machen lassen;

... die Chinesen für ihre Mannschaft ein ganzes Hochhaus benötigen;

... zwischen den Häusern künstliche Gewässer, Swimmingpools und viele Grünflächen angelegt wurden;

... nach den Spielen die Wohnungen verkauft werden sollen, vor allem an Jungfamilien. Hier wohnt man dann in einem jungen, modernen Stadtteil mit eigener Infrastruktur, weit außerhalb des lauten Zentrums und doch mit der neuen U-Bahn verkehrsmäßig gut angebunden.

Das Fazit

Wer die Seestadt Aspern in Wien gesehen hat, braucht sich das olympische Dorf in Rio nicht mehr anzuschauen. Das glaubt zumindest der Autor dieser Zeilen. Denn der hat, ehrlich gesagt, beides noch nicht gesehen.

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