© Max Hofstätter

Sport
04/19/2021

Drinathlon: Warum Triathlet Luis Knabl zum Radeln in die Sauna geht

Die Corona-Zeit macht erfinderisch: Der Tiroler Olympiastarter bestreitet Wettkämpfe in der Halle und bereitet sich in der Sauna auf Tokio vor.

Sonnenschein, 15 Grad, kein Niederschlag, kaum Wind – in Rotterdam wäre alles angerichtet gewesen für das erste große internationale Kräftemessen der Triathleten in diesem Kalenderjahr. Aber trotz der idealen äußeren Bedingungen zog es die passionierten Outdoor-Sportler an diesem Sonntag in die Halle.

„Alles besser als gar kein Wettkampf“, sagt Luis Knabl. Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio nimmt der Tiroler jeden Triathlon mit. Und mag er auf den ersten Blick noch so skurril erscheinen wie die „SLT Arena Games“ in Rotterdam. Die Wettkampfnot in Corona-Zeiten macht eben erfinderisch. „Ich bin froh, dass ich dabei sein konnte“, ergänzt Luis Knabl.

Wie im Videospiel

Bei den Arena Games in der niederländischen Hafenstadt spielt sich das ganze Rennen rund um ein 50-Meter-Becken ab: Nach dem Schwimmen springen die Triathleten auf ihre Fahrrad-Rollentrainer und strampeln sich am Beckenrand ab, ehe sie abschließend auf das Laufband übersiedeln.

Damit die Triathleten und TV-Zuseher aber auch immer wissen, wie’s im Rennen gerade steht, findet der Arena-Triathlon zugleich in Echtzeit und virtuell statt. Luis Knabl kann sich dabei zusehen, wie er als Computermännchen Seite an Seite mit der Konkurrenz durch Rotterdam radelt und läuft, angefeuert von digitalen Fans.

„Ich hab’ am Ergometer und am Laufband ein Tablet und sehe immer genau, wo ich umgehe. Das ist wie in einem Videospiel“, erzählt der 28-Jährige, der schon im vergangenen Jahr bei der Weltpremiere der Arena Games in Rotterdam dabei war. „Natürlich ist so ein Wettkampf weit weg von der Realität und auch viel Show dabei. Es fällt zum Beispiel das ganze Taktische weg.“

Und trotzdem konnte Luis Knabl selbst bei diesem unkonventionellen Format einige Erkenntnisse in Hinblick auf Olympia gewinnen. Vor allem weil das Teilnehmerfeld sehr prominent ist und er mit dem neunten Rang bewies, dass die Marschrichtung stimmt. „Man kann sehen, welche Werte die anderen fahren, wie sie schwimmen. Man hat einen Vergleich und weiß, ob der Weg stimmt.“

Wie in Tokio

Denn wer weiß, wie oft sich Luis Knabl vor den Sommerspielen überhaupt noch mit der Konkurrenz messen wird können. Der für Anfang Mai geplante Weltcup in Osaka wurde bereits abgesagt, ob die Bewerbe in Yokohama (World Series) und in Lissabon (Weltcup) stattfinden können, ist noch unklar. „Es ist mühsam, weil ich doch eher der Wettkampftyp bin“, sagt Luis Knabl.

Andererseits hat der Tiroler dadurch mehr Zeit, sich optimal auf die Sommerspiele einzustimmen. Tokio wird nicht nur wegen der Corona-Nebengeräusche ein spezieller Triathlon. In der japanischen Hauptstadt ist es im Hochsommer brütend heiß, die enorme Luftfeuchtigkeit kommt erschwerend hinzu. „Das ist am absoluten Limit“, weiß Luis Knabl seit dem Testevent vor zwei Jahren.

Mit verschiedensten Methoden und Experimenten hatten er und seine Trainer damals versucht, der sengenden Hitze Herr zu werden. „Wir haben Kühlwesten ausprobiert und die Körperkerntemperatur gemessen, um zu wissen, wann der Körper im Wettkampf heiß läuft“, berichtet der 28-jährige Tiroler. Selbst ein Mentholkaugummi kam seinerzeit zum Einsatz. „Weil der von innen kühlt.“

Eigentlich wollte Knabl im Februar ja ein Trainingslager in Thailand aufschlagen, aber das vereitelte die Covid-Pandemie. Deshalb muss er nun daheim in den eigenen vier Wänden für Tokio-Verhältnisse sorgen. „Ich radle in der Sauna und heize den Raum, in dem das Laufband steht, extrem ein“, sagt Knabl. „An Tokio kommt das halt nie heran. So eine Hitze und Luftfeuchtigkeit kannst du gar nicht erzeugen.“

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