Doping im Radsport: Traurige Chronik der Familie Rumsas

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Foto: APA/AFP/FRANCK FIFE Doper: Rumsas Senior (li.) und Marco Pantani Schulter an Schulter beim Giro 2003

Raimondas Rumsas jr. wurde suspendiert. Es ist die nächste schlechte Nachricht aus einer Familie, die die Finger nicht vom Doping lassen konnte.

Leichtsinn, Dummheit und Tragik prägen die Geschichte der Familie Rumsas, Doping zerstörte sie.

Zu Beginn dieses Jahrtausends ist Raimondas Rumsas einer der besten Radfahrer der Welt. Geboren 1972, gehört er derselben Radfahrer-Generation an wie Lance Armstrong, Marco Pantani und Jan Ullrich. Doping ist für diese Fahrer am Höhepunkt der EPO-Ära so normal wie Essen, Trinken oder Schlafen.

In der Gesamtwertung der Tour de France 2002 wird Raimondas Rumsas Dritter. Doch bald wird klar, womit der Litauer befeuert wurde. An der Grenze zu Italien wird im Auto seiner Frau Edita ein ganzes Arsenal an Dopingmitteln gefunden: Anabolika, EPO, Kortison, Wachstumshormone, Testosteron. Die Frau sitzt mehrere Monate in Untersuchungshaft und behauptet, die Medikamente seien für ihre kranke Mutter bestimmt gewesen.

Beim Giro d’Italia 2003 findet sich dann EPO im Urin des damals 31-Jährigen. Rumsas wird für ein Jahr gesperrt. Drei Jahre später wird das Ehepaar wegen der unerlaubten Einfuhr von Medikamenten zu einer viermonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt.

Todesfall

Viel gelernt dürfte das Ehepaar Rumsas aus der gemeinsamen Geschichte nicht haben, und die Folgen sind dramatisch: Im Mai 2017 stirbt ihr 21-jähriger Sohn Linas. Die Staatsanwaltschaft der italienischen Stadt Lucca vermutet einen Zusammenhang mit Doping. Sofort richtet sich der Verdacht gegen den Vater, der den Nachwuchsfahrer mit Dopingmitteln versorgt haben soll. Bei Hausdurchsuchungen werden Insulin, Schmerzmittel und Spritzen gefunden. Gegen fünf Personen werden Untersuchungen eingeleitet wegen der Verabreichung von Dopingmitteln und wegen Hehlerei. Im Corriere della Sera beschwert sich Mutter Edita damals: "Vor 15 Jahren wurden wir für alles beschuldigt, was im Sport schiefgelaufen ist. Heute haben wir einen Sohn verloren. Aber irgendwer will uns immer noch wehtun."

Dopingfall

Trotz des Todes des Bruders setzt der ältere Sohn seine Karriere als Radsportler fort. Raimondas Rumsas Junior (23) fährt für das italienische Team Soligo Amaru’ Palazzago Sirio, am 4. September gibt er eine Dopingprobe ab. Sie ist positiv. GHRP-6 wird ihm nachgewiesen, ein Mittel, das Wachstumshormone freisetzt.

Der Sportler wird bis zum Ende der Ermittlungen gesperrt. Für ihn gilt – so kurios das im Zusammenhang mit der Familie Rumsas auch klingt – die Unschuldsvermutung.

(kurier) Erstellt am
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