© REUTERS/MICHAEL DALDER

Sport
01/02/2019

Die große Leere für ÖSV-Adler im neuen Jahr

Nach dem Absturz in Garmisch herrschen im ÖSV-Team Ratlosigkeit und Ernüchterung.

von Christoph Geiler

Nein, das muss jemand anderer gewesen sein. Dieser Kerl mit dem rosa Helm, auf dem riesig die Zahl 253,5 steht, für den weitesten Sprung, der jemals gestanden wurde, kann unmöglich Stefan Kraft sein.

Hatte ihn der Garmischer Stadionsprecher nicht gerade als Doppelweltmeister angekündigt? War er nicht 48 Stunden zuvor in Oberstdorf noch knapp am Sieg vorbei geschrammt? Wurde er nach dem dritten Platz beim Auftaktbewerb nicht plötzlich als Mitfavorit gehandelt?

Der junge Mann, der da gestern beim Neujahrsspringen über die Schanze ging, sah Stefan Kraft nur rein äußerlich ähnlich. Sonst erinnerte wenig an den 25-jährigen aus Schwarzach im Pongau.

Wie er kurz nach dem Absprung mit den Armen zu Rudern begann; wie er so daher getrudelt kam, um dort zu landen, wo es normalerweise nur die Vorspringer zu Boden zieht; wie er mit hängenden Schultern und fragendem Blick durch den Auslauf fuhr – da wirkte der Mann, der aussah wie Stefan Kraft, bestenfalls wie ein Otto-Normalskispringer. Und nicht wie ein Skispringer, der seinen Sport noch vor zwei Jahren dominiert hatte.

Keine Konstanz

An Stefan Kraft zeigt sich wieder, wie unberechenbar und rätselhaft dieses Skispringen doch ist. Wie schnell ein Höhenflug in einer Bruchlandung enden kann. Dieser ernüchterende 49. Platz von Kraft in Garmisch zeigte allerdings auch, dass dem Salzburger im Moment vor allem jene Eigenschaft fehlt, die alle Springer auszeichnet, die gerade im Gesamtweltcup und in der Tournee voran liegen. Konstanz.

Wenn alles perfekt läuft, das hat Oberstdorf gezeigt, kann Stefan Kraft um den Sieg mitspringen. Aber wehe ihm unterläuft auch nur der geringste Patzer, dann geht’s gleich in die andere Richtung los. „Ich bin nicht stabil“, gesteht der Salzburger.

Stefan Kraft weiß zumindest, warum er sich gestern in Garmisch zum zweiten Mal in Folge nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte. Weil ihm wieder einmal jener Fehler unterlief, den die ÖSV-Trainer bei ihm schon seit langem anprangern. „Es war um das Arschlecken zu viel Risiko“, sagt Kraft, „ich frage mich, warum mir das immer passiert.“

Keine Sicherheit

Die Antwort darauf liegt wohl in erster Linie in der fehlenden Sicherheit und Leichtigkeit. Ein Leiden, das mit einer Ausnahme – Daniel Huber verhinderte als 15. ein noch größeres Debakel – das gesamte österreichische Team plagt. „Viele sind ratlos, wir sind nicht gefestigt“, meint Chefcoach Felder.

Der Tiroler hat in seinem Team mehrere Sorgenkinder. Auch Krafts Zimmerkollege Michael Hayböck stand nach dem 45. Platz die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. „Die Sicherheit ist nicht da“, sagt der 27-Jährige.

Keine Alternativen

Von allen im Team strahlt Andreas Felder derzeit noch die größte Ruhe und Souveränität aus. Auch weil der erfahrene Coach solche Wettkämpfe schon befürchtet hatte. „Mir war klar, dass es immer wieder Rückschläge geben würde. Wichtig ist, dass wir jetzt nicht den Kopf verlieren und weiter arbeiten.“

Felder gönnt seinen Athleten am heutigen Ruhetag eine Auszeit und verzichtet auf ein Sondertraining am Bergisel. Das wäre für ihn nichts weiter als eine Panikaktion. „Das würde nur Energie kosten.“ Auch personelle Änderungen bei den Heimspringen schließt er aus. „Es springen eh schon unsere Besten bei der Tournee.“

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