© APA/AFP/GETTY IMAGES/AL BELLO

Sport
10/11/2021

Der neue Box-Weltmeister: Sexistisch, homophob und ein Großmaul

Tyson Fury schlug Deontay Wilder k.o. Der 33-jährige Brite erlaubt sich Dinge, die nicht mehr den Benimmregeln entsprechen

von Günther Pavlovics

Der dritte Schwergewichts-Fight zwischen Tyson Fury und Deontay Wilder war eine epische Schlacht: Fury ging zwei Mal zu Boden, Wilder gar drei Mal. Am Ende siegte der „Gypsy King“ durch k.o.

Der Boxsport weigert sich beharrlich, im doch eher tugendhaften und braven 21. Jahrhundert anzukommen. Das Boxen will sich auch im Jahr 2021 nicht seiner atavistischen und regressiven Bestandteile entledigen.

Der schlagende Beweis für die Unbelehrbarkeit der Branche ist der britische Schwergewichtler Tyson Fury. Der 33-Jährige, der einer boxenden Familie irischer Traveller entstammt und sich deswegen Gipsy King nennt, steht mit seiner imposanten Erscheinung für einen Typus, der in den Kreisen steter Weltverbesserer ein Aussätziger wäre.

Tyson Fury gibt sich wirklich alle Mühe, seiner Rolle gerecht zu werden. Auf einer Pressekonferenz vor dem Fight würdigte er Wilder abwechselnd als „Penner“, „Stück Scheiße“ oder „Pussy“ herab. Wilder könne sich einfach nicht eingestehen, dass seine Karriere vorbei sei. Wilder ist nur zwei Jahre älter als Fury. Zwei Mal bereits habe Wilder von Fury „den Arsch versohlt“ bekommen und sei „nicht Manns genug“, irgendetwas dagegen zu unternehmen.

„Nach diesem Kampf wirst du wieder bei der Fast-Food-Kette arbeiten, bei der du zu Beginn deiner Karriere warst“, tönte Fury. Es war das übliche Ballyhoo, das testosterongesteuerte Herumposaune, das gegen alle Benimmregeln der heutigen Zeit verstößt.

Nicht ernst zu nehmen

In diesem Fall gesteht eine sonst überkritische Öffentlichkeit dem Profiboxen einen Raum zu, für den radikal andere Regeln gelten. Was hier gesagt und getan wird, ist nicht ganz ernst zu nehmen. Hier gehen Dinge durch, die anderswo verpönt sind.

Der 125,5 Kilogramm schwere Fury, der in seinen Kämpfen nicht immer austrainiert wirkte, ist nicht nur weiß, er ist auch ein Sexist, er ist offensichtlich homophob, ein Dopingbetrüger und großmäuliger Aufschneider. Trotz all dieser Kennzeichnungen, die einen Normalsterblichen ins gesellschaftliche Aus katapultieren würden, ist Fury besser denn je im Geschäft.

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Der 33 Jahre alte Brite blieb in Paradise (Nevada) vor 15.820 Zuschauern durch den K.o.-Sieg in der elften Runde auch im 32. Profikampf ungeschlagen. Fury hatte sich 2015 mit einem Sieg gegen Wladimir Klitschko erstmals zum Box-Weltmeister gekrönt. Nach dem Überraschungssieg stürzte der unter einer bipolaren Störung leidende Fury in ein psychisches Loch und geriet völlig außer Form. Während der Corona-Pandemie verordnete Fury sich zwischenzeitlich ganz bewusst, keine sportlichen Ansprüche an sich zu stellen. Im Frühjahr gestand er freimütig, täglich literweise Bier zu trinken, zeigte sich mit viel Bauchspeck. Er sei jetzt „ein Mann der Freizeit“, in Form bringe er sich zu gegebener Zeit. Eine eigene Corona-Infektion Furys schob das Comeback weiter nach hinten.

Millionen-Hoffnungen

Fury selbst hatte eigentlich zu einem dritten Duell gar nicht mehr antreten wollen, er spekulierte auf den großen Vereinigungskampf mit Anthony Joshua, der kürzlich die übrigen wichtigen WM-Gürtel (WBA, WBO, IBF) an den Ukrainer Alexander Usyk verloren hatte. Erst ein Schiedsgericht zwang Fury zu Duell Nummer drei mit Wilder und verhinderte so den Joshua-Kampf.

Fury scheffelt Millionen von Dollar. Auf dem US-Markt ist der Brite nicht der große Renner. Je 21 Millionen Dollar soll jeder der beiden für den Kampf bekommen haben. Wenn sich Joshua den Titel von Usyk zurückholt, dann winkt diesen beiden aber das ganz große Geld. 100 Millionen Dollar – etwa 86 Millionen Euro – war die geschätzte Börse für die beiden eigentlich schon verabredeten WM-Vereinigungskämpfe von Fury gegen Anthony Joshua. Pro Kampf. Pro Kämpfer.

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