© REUTERS/HANNAH MCKAY

Leichtathletik
09/30/2019

Der Kampf der Geschlechter auf der Laufbahn

Der Wettlauf Mann gegen Frau in der Mixed-Staffel ist die Entdeckung dieser Weltmeisterschaft.

von Florian Plavec

Von den Traditionalisten kommen kritische Stimmen. Dieser Bewerb sei doch nur kreiert worden, um den USA eine weitere Goldmedaille zu bescheren. Und blickt man ausschließlich auf das Ergebnis, haben sie recht. Die USA gewannen die WM-Premiere der 4x400-Meter-Mixed-Staffel in Doha überlegen mit Weltrekord-Zeit (3:09,34). Silber ging an die Damen und Herren von Jamaika, Bronze holte Bahrain.

Für den unvoreingenommenen Zuschauer ist die Mixed-Staffel aber die Entdeckung der Weltmeisterschaft. Kein anderer Laufbewerb ist derart abwechslungsreich, spannend und auch von taktischen Spielchen geprägt. Denn es ist nicht vorgegeben, in welcher Reihenfolge die zwei Damen und die zwei Herren eingesetzt werden.

Die meisten Nationen entschieden sich im Finale für die Aufstellung „Mann-Frau-Frau-Mann“. Doch eben nicht alle. Polen versuchte es mit der Variante „Mann-Mann-Frau-Frau“. Hintergrund der Überlegung: Die Männer sollen bis zur zweiten Übergabe einen großen Vorsprung herauslaufen und die zwei folgenden Frauen haben freie (Lauf-)Bahn und retten den Vorsprung ins Ziel.

Zwei Geschwindigkeiten

Eine besondere Herausforderung des Bewerbs sei der Wechsel des Staffelstabes von Mann zu Frau, erzählt der deutsche Läufer Tobias Lange der ARD. „Die ersten Übergaben waren problematisch, weil da zwei Renngeschwindigkeiten aufeinandergetroffen sind. Die Frauen konnten nicht so einschätzen, mit welchem Tempo die Männer ankommen.“ Sechs Sekunden liegen zwischen den besten 400-Meter-Zeiten der Männer und der Frauen.

Genau diese Geschwindigkeitsunterschiede machen aus der neuen Mixed-Staffel so ein Theater. Im Finale liefen acht Männer die erste Stadionrunde. Sieben Männer übergaben dann an Frauen, doch für Polen ging Rafal Omelko ins Rennen.

Damit kam es auf der Laufbahn tatsächlich zum direkten Kampf der Geschlechter. Schon nach der ersten Kurve überholte der 400-Meter-Spezialist mit Riesenschritten die Amerikanische Wunderläuferin Allyson Felix, die wenige Sekunden später ihre zwölfte WM-Goldmedaille gewann und damit auch Usain Bolt überholte. Mit 40 Metern Vorsprung übergab Omelko den Stab an Iga Baumgart-Witan.

Ein Spektakel

Imposant wurde es nach der letzten Übergabe, als die Polin Justyna Swiety-Ersetic auf der letzten Runde von sieben Männern gejagt wurde. Bald überholte sie der amerikanische Schlussläufer Michael Cherry wie an einem Seil gezogen, doch lange schien es, als könnte sie den großen Vorsprung auf die restliche Konkurrenz tatsächlich ins Ziel retten. Doch auf der Zielgeraden stürmten noch drei Herren an ihr vorbei. Den mutigen Polen blieb Rang fünf, den Zuschauern die Erinnerung an einen spektakulären Bewerb.

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