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Sport
10/21/2019

Darts-Star Suljovic: In der Warteschleife und bald Filmstar

Für den Topspieler geht es mit der EM in das Saisonfinale. Auf die Staatsbürgerschaft heißt es weiter Warten.

von Günther Pavlovics

Mensur Suljovic hatte dieses Wochenende frei. In den letzten beiden Jahren durfte er an der Champions League of Darts teilnehmen, einem Turnier der besten Acht der Weltrangliste. Der 47-jährige Wiener ist derzeit auf Rang neun zu finden in der PDC Order of Merit, die sich aus den Preisgeldern der letzten 24 Monate ergibt – 387.000 Pfund (450.000 Euro). So hatte er etwas Zeit, die er seiner Frau Enisa und den Kindern Emma und Tarik widmen konnte.

Aus Suljovic könnte sogar ein Filmstar werden. Karl-Martin Pold, Regisseur, Autor und Produzent, hat jedenfalls schon eine Förderzusage vom Österreichischen Filminstitut für das "Porträt eines außergewöhnlichen Sportlers. Suljovic emigrierte 1991 als serbischer Kriegsflüchtling nach Wien. Heute ist der 48-Jährige (sic!) der einzige deutschsprachige Dartspieler (sic!), der zur Weltelite dieser Sportart zählt."

Zweiter Pass-Anlauf

Und vielleicht wird aus dem serbischen Kriegsflüchtling Mensur Suljovic nächstes Jahr doch noch ein Österreich. Der erste Versuch im Jahr 2015 scheiterte. "Das war ganz eigenartig", erzählt er. Damals hatte er noch sein Lokal "Gentle" und eine Studentin als Teilzeitkraft. Angestellt, wie er glaubte. "Ich habe mit meinem Steuerberater geredet, wir haben sie bei der Gebietskrankenkasse angemeldet, aber es hat ein Anmeldeschein beim AMS gefehlt." Das hatte überraschende Folgen. "1.100 Euro Strafe und keine Staatsbürgerschaft für die nächsten fünf Jahre. Illegale Schwarzarbeit wurde mir vorgeworfen."

Schon nächstes Wochenende spielt er bei der Europameisterschaft in Göttingen, Gegner in Runde eins ist am Freitag der Niederländer Vincent van der Voort. Suljovic genießt die spielfreie Zeit in Wien, denn das Ende dieses Jahres wird noch anstrengend genug. Es folgen nach der EM der Grand Slam, die Players Championship, das Finale der Word Series und schließlich die Weltmeisterschaft in London.

Anstrengend war vor allem der Jahresbeginn, als Suljovic zum zweiten Mal in Folge eingeladen worden ist, bei der Premier League mitzuspielen. Das hieß für den Familienvater, dass er 16 Wochen lang stets schon Mitte der Woche meist nach England reisen musste. Im Sommer fuhr er mit der Familie in den Süden. Also war er seltener in seinem neuen Spielzimmer zu finden, als er hoffte.

Neues Klublokal

Denn nach einigen Monaten Umbauarbeiten ist er vor etwas mehr als einem halben Jahr in seine neuen Klubräumlichkeiten umgezogen. Die sind nicht weit weg vom alten Klub und natürlich in der Brigittenau, der 20. Bezirk ist es, wo sich Familie Suljovic wohl fühlt.

Hier nimmt er mit dem österreichischen Verband auch Anlauf für ein Schulprojekt, in der Spielmanngasse wurde schon ein Dartsautomat aufgestellt. Wolfgang Huber, Präsident des österreichischen und europäischen Dartsverbands: "Wir wollen den Kindern näherbringen, was hinter Darts steckt – zum Beispiel viel Strategie und Mathematik."