Teamleistung: Christopher Froome verlor bei der Tour schon früh zwei Helfer, konnte sich dann aber vor allem auf seinen australischen Edelhelfer Richie Porte verlassen, der ihn die Berge hinaufzog.

© APA/IAN LANGSDON

Christopher Froome gewinnt die Tour de France
07/21/2013

Christopher Froome gewinnt die Tour de France

Jahrelang Edelhelfer, nun Tour-Sieger – Christopher Froome erreicht den Radsport-Gipfel.

von Stefan Sigwarth

Was hatte er nicht in sich hineingeflucht vor einem Jahr, als er von der Teamführung per Funk den Befehl bekam, sich gefälligst dem Chef im Team Sky unterzuordnen. Christopher Froome hatte sich zu beugen, obwohl er Bradley Wiggins in den Bergen nicht nur einmal hätte stehen lassen können. Am Ende wurde Froome Zweiter, 3:21 Minuten hinter dem Kapitän. Mit freier Fahrt hätte er wohl ...

... getan, was er nun getan hat. Christopher Froome, 28, ist der Gesamtsieger der 100. Tour de France, und er verlängert damit die jüngste Tradition beim größten Radrennen der Welt: Le Tour parle Anglais, die Tour spricht Englisch, Froome ist der zweite Sieger aus dem Vereinigten Königreich nacheinander.

Die Erleichterung war gewaltig beim Sieger, nachdem der letzte Berg endlich erklommen war. Und es war schwierig, sie in Worte zu fassen. Froome erinnerte sich an seine ersten Fahrversuche auf einem Mountainbike in Kenia, wo er die ersten Jahre seines Lebens verbracht hat, ehe er mit seinen britischstämmigen Eltern nach Südafrika weiterzog. „Und jetzt bin ich hier im Gelben Trikot der Tour de France, beim wichtigsten Ereignis, den der Kalender in unserem Sport zu bieten hat.“

Die Reise

„Es war eine erstaunliche Reise für mich“, sagte Froome, der erst seit 2008 für Großbritannien in die Pedale tritt. Noch bei der Straßen-WM 2006 in Salzburg war er für Kenia unterwegs, im U-23-Zeitfahren wurde er 36. Allerdings mit einem Handicap: Gleich nach dem Start war er mit einem Offiziellen kollidiert, beide landeten auf dem Asphalt.

„Obwohl ich für Kenia fuhr, habe ich immer klar gesagt, dass ich einen britischen Pass habe und mich als Brite fühle“, sagte Froome einmal – den fälligen Nationenwechsel vollzog er im Jahr 2008.

Nach zwei Jahren beim Team Barloworld, das unter anderem auch den Österreicher Christian Pfannberger unter Vertrag hatte, wechselte Froome 2010 zum neuen Team Sky – und wurde Zweiter bei den britischen Meisterschaften im Zeitfahren, hinter Bradley Wiggins.

Die Spanien-Rundfahrt 2011 beendete er als Zweiter, damit hatte er den Durchbruch geschafft. „Bis dahin hatte ich zwar immer wieder tolle Leistungen, aber ich konnte sie nie bestätigen. Diese Vuelta hat alles verändert“, sagt Froome im Rückblick.

Die Begleiter

Doch noch immer war er der Edelhelfer von Bradley Wiggins, und, mehr noch, es wurde bekannt, dass er seit seinen Jugendjahren an Bilharziose litt, einer Wurmkrankheit, bei der die inneren Organe und auch das Nervensystem befallen werden können. Geschätzte 300 Millionen Menschen sind davon betroffen, Froome erhält seit 2010 Medikamente, um die Parasiten loszuwerden.

Ein Kranker, der die Konkurrenz stehen lässt – da war doch einmal etwas? Zumindest leise Anklänge an den einstigen Hodenkrebspatienten Lance Armstrong, der später als größter Betrüger der Radsportgeschichte entlarvt wurde, sind nicht zu bestreiten, da konnten sich Christopher Froome und sein Teamchef Sir Dave Brailsford noch so sehr in in die Brust werfen, um ihre weiße Weste zu betonen.

Je erfolgreicher der Brite heuer bei der Tour unterwegs war, desto öfter musste er sich rechtfertigen, am vergangenen Montag brach er entnervt eine Pressekonferenz ab. Nun sagte er: „Es war eine Herausforderung, aber die Zweifel sind verständlich, zu hundert Prozent, wenn man bedenkt, wo der Radsport herkommt.“

Christopher Froome, der mit seiner südafrikanischen Verlobten Michelle Cound in Monaco lebt, hofft, mit seinem Sieg beizutragen zu einem Wandel, hin zu einem sauberen Radsport, sein Sieg werden auch „in zehn, in 20 Jahren Bestand haben“.

Doch schon kommen Nachrichten von einem neuen Peptidhormon mit dem Namen Gas6, das noch nicht zugelassen ist, aber beim heurigen Giro d’Italia verwendet worden sein soll. Gas6 wirkt ähnlich wie das sattsam bekannte EPO, soll dessen Wirkung gar verstärken können.

So oder so: Bis in zehn oder 20 Jahren wird noch viel getestet werden...

Endstand nach 21 Etappen:
1. Christopher Froome GBR 83:56:40
2. Nairo Quintana COL + 4:20
3. Joaquin Rodriguez ESP 5:04
4. Alberto Contador ESP 6:27
5. Roman Kreuziger CZE 7:27
6. Bauke Mollema NED 11:42
7. Jakob Fuglsang DEN 12:17
8. Alejandro Valverde ESP 15:26
9. Daniel Navarro ESP 15:52
10. Andrew Talansky USA 17:39

Christopher Froome of Britain, wearing the overall…

Christopher Froome of Britain, wearing the overall…

The pack, with Christopher Froome of Britain, wear…

FRANCE CYCLING TOUR DE FRANCE 2013

Marcel Kittel of Germany, center, crosses the fini…

Argos-Shimano team rider Marcel Kittel of Germany

Kittel siegt im Sprint

Beim prunkvollen Finale auf den Champs Elysees, zum ersten Mal eine Abendveranstaltung unter Flutlicht, setzte sich der Deutsche Marcel Kittel im Sprint durch. Das grüne Trikot für den besten Sprinter ging wie im Vorjahr an den Slowaken Peter Sagan. Das gepunktete Trikot für den besten Bergfahrer und das weiße für den besten Nachwuchsmann ging an Quintana, der auf 2.800 Metern Meereshöhe aufwuchs und deshalb gewisse Ausdauer-Vorteile gegenüber der Konkurrenz hatte.

Für Marcel Kittel war es der bereits vierte Etappensieg bei der diesjährigen Tour.

Christopher Froome (28), Großbritannien

Geboren: 20. Mai 1985 in Nairobi (Kenia)

Wohnort: Monaco

Größe/Gewicht: 1,86 m/69 kg

Bisherige Rennställe: Konica Minolta (2007), Barloworld (2008 und 2009), Sky (seit 2010)

Größte Erfolge:

Rundfahrten: Gesamtsieger Tour de France 2013 plus drei Etappensiege; Gesamtzweiter Tour de France 2012

Olympia: Bronze Zeitfahren 2012 London

Gesamtzweiter Vuelta 2011 und Gesamtvierter Vuelta 2012

Gesamtsieg Tour de Romandie 2013, Criterium du Dauphine 2013 und Criterium International 2013

Sieger seit 1991

1991 Miguel Indurain (ESP)
1992 Miguel Indurain
1993 Miguel Indurain
1994 Miguel Indurain
1995 Miguel Indurain
1996 Bjarne Riis (DEN) *
1997 Jan Ullrich (GER)
1998 Marco Pantani (ITA)
1999 Kein Sieger **
2000 Kein Sieger **
2001 Kein Sieger **
2002 Kein Sieger **
2003 Kein Sieger **
2004 Kein Sieger **
2005 Kein Sieger **
2006 Oscar Pereiro (ESP) ***
2007 Alberto Contador (ESP)
2008 Carlos Sastre (ESP)
2009 Alberto Contador
2010 Andy Schleck (LUX) ****
2011 Cadel Evans (AUS)
2012 Bradley Wiggins (GBR)
2013 Christopher Froome (GBR)

* = Riis gab Doping im Nachhinein zu, wird aber weiterhin als Sieger geführt ** = kein Sieger nach Disqualifikation von Lance Armstrong (USA) wegen Dopings *** = Ursprünglicher Sieger Floyd Landis (USA) wegen Dopings disqualifiziert **** = Ursprünglicher Sieger Alberto Contador (ESP) wegen Dopings disqualifiziert

Mehrfachsieger
5 Jacques Anquetil (FRA) 1957, 1961, 1962, 1963, 1964
Eddy Merckx (BEL) 1969, 1970, 1971, 1972, 1974
Bernard Hinault (FRA) 1978, 1979, 1981, 1982, 1985
Miguel Indurain (ESP) 1991, 1992, 1993, 1994, 1995
3 Philippe Thijs (BEL) 1913, 1914, 1920
Louison Bobet (FRA) 1953, 1954, 1955
Greg LeMond (USA) 1986, 1989, 1990
2 u.a. Gino Bartali (ITA) 1938, 1948
Fausto Coppi (ITA) 1949, 1952
Laurent Fignon (FRA) 1983, 1984
Alberto Contador (ESP) 2007, 2009
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