Sport | Bundesliga
17.12.2017

Salzburg wankt in die Winterpause

Auf die beste erste Saisonhälfte der Klubgeschichte folgte der schlechteste Start ins dritte Saisonviertel der Ära Red Bull.

„Ich finde, dass meine Mannschaft den Sieg verdient gehabt hätte, weil sie extrem viel investiert und sie bis zur letzten Minute gegen einen kompakt stehenden Gegner alles probiert hat. Ich kann mit dem Punkt leben, weil meine Jungs eine sehr gute Hinrunde gespielt haben", meinte Salzburg-Trainer Marco Rose nach dem 0:0 gegen den LASK.

Mit dem Begriff Hinrunde wird in Roses Heimat Deutschland die erste Saisonhälfte umschrieben, die üblicherweise von Sommer bis Weihnachten läuft. In Österreich ist das anders, das entdet die Herbstsaison nicht mit dem Ende der Hinrunde, sondern da werden seit Jahren schon immer Partien der zweite Saisonhälfte, also der deutschen Rückrunde, vorgezogen. In diesen zwei Spielen blieb Salzburg in diesem Jahr sieglos.

Auf ein 0:0 beim WAC folgte ein ebenso torloses Remis gegen den Aufsteiger und deshalb auf die mit 41 Punkten beste erste Saisonhälfte der Klubgeschichte der schwächste Start ins dritte Saisonviertel im Vergleich der 13 Saisonen, seit Red Bull 2005 in Salzburg eingestiegen ist.

Torflaute

Es war nicht nur das dritte Remis in Serie in der Bundesliga, sondern auch das dritte 0:0 in Folge. „Wir haben es nicht geschafft, im letzten Drittel extreme Torgefahr zu entwickeln. Wir hatten viele Abschlüsse, aber nicht viele Großchancen“, sagte Rose über die Torflaute gegen die Linzer.

Den Grund, warum es wieder nicht mit einem Tor geklappt hat, sieht der Deutsche im intensiven Programm der letzten Wochen: "Es fehlen die letzten Körner, um im letzten Drittel noch einmal die Leichtigkeit zu haben, gegen so einen gut gestaffelten Gegner etwas Überraschendes zu machen."

Es war das 35. Pflichtspiel für Salzburg in dieser Saison. Das ist eine Menge, das zehrt an den Kräften. Aber außergwöhnlich ist diese Anzahl an Spielen vor Weihnachten für Red Bull nicht. Immer dann, wenn man sich für die Europa-League-Gruppenphase qualifizieren konnte, hatte Salzburg ähnlich viele Partien. Und das war seit 2009 bis auf zwei Saisonen immer der Fall.

Kopie

Steckt also mehr dahinter als nur die vielen Spiele? Vergleicht man das erste Saisonduell mit den Linzern in der Red-Bull-Arena mit jenem von Samstag, dann wird man diese Frage mit Ja beantworten müssen. Das 1:1 von Ende Juli war eine Blaupause des 0:0. Auch in dieser Partie mussten die Salzburger gegen eine defensiv extrem gut stehende Mannschaft anrennen und fanden keine Mittel, um torgefährlich zu werden.

Trainer Rose hat seine Mannschaft in seinem ersten halben Jahr kollektiv weiterentwickelt. Das sieht man etwa an der Defensive. Nur 14 Gegentore in 20 Spielen sind der zweitbeste Wert der Ära Red Bull. Nur in der ersten Saison unter Giovanni Trapattoni 2006/'07 waren es mit zwölf Gegentreffern noch weniger.

Nimmt man aber die Anzahl der erzielten Tore als Maßstab, dann ist es nur eine durchschnittliche Saison. 40 erzielte Tore nach 20 Runden sind nur der siebentbeste Wert seit dem Jahr 2005. Salzburg hat in der Offensive eindeutig individuelle Qualität verloren, die im Kollektiv nicht kaschiert werden konnte. 2012/'13 (47 Tore), 2013/'14 (62) und 2014/'15 (59) waren noch ein Kampl, Mane, Alan oder Soriano in Salzburg.

Kontrahent

Dazu kommt, dass in dieser Saison 43 Punkte nicht reichen, um als Erster zu überwintern. Vor dem letzten Spiel des heurigen Jahres zwischen der Austria und Sturm liegen die Salzburger einen Zähler hinter den Grazern. Sollten die Steirer bei den schwächelnden Wienern gewinnen, schaut es schlecht aus mit dem fünften Red-Bull-Titel in Serie, wenn die Statistik hält, was sie verspricht.

Salzburg wurde in der Ära Red Bull nämlich noch nie Meister, wenn der Rückstand auf den Tabellenführer nach 20 Runden mehr als zwei Punkte betragen hat. Das war 2007/'08, 2010/'11 und 2012/'13 so, zum Saisonende wurden Rapid, Sturm und Austria Meister. Nur im ersten Red-Bull-Jahr war Salzburg 16 Spiele vor Saisonschluss Erster und war das zum Saisonende nicht mehr.

Bei den Salzburgern wurde zuletzt für den Fall der Fälle schon vorgebaut. "Die Möglichkeit ist da, dass Sturm Graz Meister wird. Das kann passieren. Und trotzdem werde ich am nächsten Tag, wenn das passiert ist, aufstehen und weiterleben und atmen und wieder Gas geben, um neue Ziele zu verfolgen", meinte Rose am Samstag. Schon unter der Woche hatte Sportchef Christoph Freund gemeint, dass "die Welt für uns nicht untergehen würde", wenn die Titelverteidigung nicht gelingen würde.