Sport | Bundesliga
01.06.2017

Showdown: Die Bullen stehen Rapid im Weg

Im Cup-Finale kommt es im Klagenfurt zum Duell zwischen Favorit Salzburg und dem Außenseiter aus Wien. Wer hat die Nase vorne?

Es ist der letzte Höhepunkt der Fußball-Saison 2016/’17 in Österreich, das ÖFB-Cup-Finale im Wörthersee-Stadion zwischen Salzburg und Rapid (20.30 Uhr, live ORFeins). 20.000 Zuschauer werden erwartet. Der Seriensieger aus Salzburg geht als klarer Favorit in das Spiel. Für die Wiener, die seit 1995 auf einen Cup-Titel warten, ist es die große Chance, mit der Europacup-Qualifikation die Saison noch zu retten.

Das spricht für Rapid

Das "Heimspiel"
Bis zu 15.000 Fans in Grün werden in Klagenfurt erwartet. Salzburg hofft, dass 2000 Bullen-Fans in die Wörthersee-Arena kommen. "Wir werden also fast ein Heimspiel haben, das ist ein Riesenvorteil", hofft Trainer Goran Djuricin. "Diese Anzahl an mitreisenden Fans zeichnet den Verein aus, ist für uns nach der gar nicht guten Saison eine Auszeichnung und zeigt auch den Hunger nach einem Titel", meint Steffen Hofmann.

Die Formkurve
In der Tabelle der letzten fünf Runden führt Rapid sogar (punktegleich) vor Salzburg. "Ich bin mittlerweile felsenfest überzeugt, dass wir gewinnen", meint der optimistische Kapitän Stefan Schwab. Die Hütteldorfer wollen in die eigene, unter Trainer Djuricin wiedergefundene Offensivstärke vertrauen – und nicht etwa den Mattersburger Stil von der letzten Salzburg-Niederlage (1:2) kopieren. "Wenn ich mir Louis Schaub auf die Schultern setze, sind wir gemeinsam so groß wie ein Mattersburger. Wir könnten also gar nicht so spielen", meint Hofmann, der als Joker zum alleinigen Rekordspieler vor Peter Schöttel aufsteigen könnte.

Die Standards
In den letzten Wochen wurden die Hütteldorfer bei Standards wieder so gefährlich wie aus besseren Zeiten gewohnt. Gegen St. Pölten (2:1) fielen beide Tore nach Eckbällen. Ruhende Bälle sind auch eine der wenigen Schwächen von Salzburg: der Meister hat in der abgelaufenen Meisterschaft (übrigens so wie Rapid) mehr Gegentore aus Standards kassiert als aus dem Spiel heraus. "Cuptormann" Stankovic machte zuletzt bei den Austria-Standards keine gute Figur.

Der Wille
Wenn es um "Alles oder nichts" geht, hat Rapid eine überraschend gute Bilanz. Bis auf Helsinki (2014) wurden alle "Schnittpartien" gewonnen, in denen für den Verein besonders viel auf dem Spiel stand: Saloniki (2012), Dila Gori (2013), Ajax (2015) und bei Trencin, mit dem 4:0 in Zilina (Herbst 2016). Diesmal geht es in 90 (oder 120) Minuten um die Europacup-Teilnahme. Für ein mögliches Elfmeterschießen wird trainiert. Eben wie vor einem Europacup-Abend.

Das spricht für Salzburg

Die Motivation
Die Salzburger haben die Chance, Historisches zu schaffen. Weltweit ist es in der fast 150-jährigen Fußballgeschichte gerade einmal zehn Vereinen gelungen, vier Doubles in Serie zu holen. Salzburg wurde 2014, 2015 und 2016 Meister und Cupsieger. Der vierte Meistertitel in Folge durfte ja schon ausgiebig gefeiert werden.

Die Serie
Ein Großteil der Mannschaft weiß gar nicht, wie es sich anfühlt, mit Salzburg ein Spiel im ÖFB-Cup zu verlieren. Die letzte Niederlage datiert vom 7. Mai 2013. Vom aktuellen Kader waren bei der 1:2-Semifinalniederlage gegen Pasching nur Ulmer und Leitgeb sowie der damals eingewechselte Valon Berisha dabei. Seitdem hat Salzburg 23 Partien im Cup in Serie gewonnen.

Die Erfahrung
Seit drei Jahren wird das Cup-Finale in Klagenfurt ausgetragen. Seit damals heißt der Cup-Sieger immer Salzburg. 2014 wurde der damalige Erste-Liga-Klub SKN St. Pölten 4:2 besiegt, 2015 die Austria 2:0 nach Verlängerung und 2016 die Admira gar mit 5:0.

Die Bilanz
Salzburg hat schon sieben Spiele in Serie gegen Rapid nicht verloren. Die letzte Niederlage datiert vom 1. August 2015 (1:2 in der Red-Bull-Arena). Damals war noch Peter Zeidler Salzburg-Trainer. In dieser Saison gab es bisher drei Siege und ein Remis. In den vier Partien kassierte der Favorit nur ein Gegentor – beim 2:1-Heimsieg im November 2016 aus einem von Tomi in der 92. Minute verwandelten Elfmeter.

Die Defensive
2015 war noch die Abwehr die Achillesferse der Salzburger. Das ist in dieser Saison nicht mehr so. Mit nur 24 Gegentreffern in 36 Bundesliga-Spielen konnte sogar die klubinterne Bestmarke, die unter Defensivapostel Giovanni Trapattoni (2006/’07: 25 Gegentore) aufgestellt worden ist, unterboten werden. Salzburg hat in keiner einzigen Saisonpartie mehr als zwei Gegentreffer kassiert, in 26 Pflichtspielen blieb die Mannschaft sogar ohne Gegentreffer.

Der Trainer
Mit Óscar García hat Salzburg einen Erfolgsgaranten verpflichtet. Unter dem Katalanen wurde bisher alles gewonnen, was man national gewinnen konnte. Der 44-Jährige ist auch der erste Salzburg-Trainer seit Otto Baric, der den Meistertitel verteidigen konnte. Von 72 Pflichtspielen hat Óscar 50 gewonnen. Nur zehn Partien wurden verloren. Gegen Rapid ist er noch ungeschlagen (drei Siege, zwei Remis).