Sensationssieg: Salzburg triumphiert über Dortmund

Soccer Football - Europa League Round of 16 First Leg - Borussia Dortmund vs RB Salzburg - Signal Iduna Park, Dortmund, Germany … © Bild: REUTERS/THILO SCHMUELGEN

Red Bull Salzburg feiert im Hinspiel des Europa-League-Achtelfinales einen 2:1-Auswärtssieg bei der Borussia.

Salzburgs Erfolgslauf wird langsam unheimlich: Österreichs Serienmeister siegte im Achtelfinal-Hinspiel bei Borussia Dortmund mit 2:1. Damit ist Red Bull nun schon 18 Europacupspiele in Serie ungeschlagen und hat im Rückspiel kommenden Donnerstag die große Chance, als erster Bundesligklub seit der Austria im Jahr 2005 (damals im UEFA-Cup) ein europäisches Viertelfinale zu erreichen.

Salzburg-Trainer Marco Rose konnte seine nominell beste Elf aufbieten. Hwang und Samassekou, die beide fraglich gewesen waren, konnten also spielen. Und trotzdem gab es eine Überraschung: Schlager und Berisha hatten die Positionen getauscht. Der Youngster begann links im Mittelfeld, sollte dort offensichtlich die Räume von BVB-Star Reus zustellen. Das gelang auch.

Marco Reus war über weite Strecken abgemeldet.
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Die erwartete Startoffensive der Deutschen fand jedenfalls nicht statt. Ganz im Gegenteil: Die Mannschaft von Trainer Peter Stöger konnte mit dem vielen Ballbesitz nur ganz wenig anfangen. Chancen waren ebenfalls Mangelware.

Nur ein einziges Mal kamen die Dortmunder in der ersten Hälfte der Führung nahe: Nach einer Ecke kam Schürrle frei zum Schuss, traf aber das Tor nicht (6.).

Tolle Defensivarbeit

Vom hochgelobten Offensivtrio Schürrle, Götze und Reus war wenig zu sehen, auch weil die Salzburger die Räume geschickt zustellten. Und wenn es einmal Platz gab, unterliefen dem BVB unglaubliche Abspielfehler.

Schlagers Absenz im Zentrum machte sich im Salzburger Offensivspiel hingegen negativ bemerkbar. Österreichs Meister hatte einige Umschaltaktionen, mit dem entscheidenden Zuspiel im Angriffsdrittel wollte es aber nicht klappen.

Der quirlige Lainer erwies sich für den BVB als unangenehm.
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Erst als Rose den Normalzustand herstellte, Schlager ins Zentrum beorderte, wurde Salzburg torgefährlich. Zunächst scheiterten Hwang und Dabbur bei einer Doppelchance (40.). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte der Koreaner dann großes Pech, Hwangs abgefälschter Schuss ging an die Stange (45.+1).

In der Pause begann es extrem stark zu regnen. Salzburg bremsten die widrigen Bedingungen überhaupt nicht. Im Gegenteil: In der ersten Viertelstunde nach dem Seitenwechsel lief das Red-Bull-Spiel wie am Schnürchen. Zunächst wurde auf Elfmeter entschieden, als Toprak Hwang an der Strafraumgrenze niederriss. Berisha verwertete sicherer als im Sechzehntelfinale gegen Real Sociedad (49.).

Doppelschlag

Salzburg setzte nach: Lainer fand mit einem Querpass den freistehenden Berisha, der Kosovare knallte den Ball unter die Latte (56.).

Stöger musste reagieren. Der BVB-Trainer brachte mit Pulisic und Philipp nach einer Stunde zwei Offensivkräfte. Und wurde schnell belohnt: Eine Vorlage von Pulisic verwertete Schürrle (62.).

Trotz Gegentor durfte Walke sich über den Sieg freuen.
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Dortmund war nach dem Anschlusstor und ohne den ausgewechselten Weltmeister Götze besser im Spiel als davor. Salzburg wankte zehn Minuten, fiel aber nicht.

Nach den Einwechslungen von Gulbrandsen und Minamino war es wieder eine ausgeglichenere Partie. Sowohl der Norweger (75.) als auch der Japaner (78.) hatten das 3:1 vor den Füßen. Aber auch die Dortmunder hätten ausgleichen können, der Grieche Sokratis vergab eine Topchance per Kopf (80.). Es sollte die letzte BVB-Möglichkeit bleiben.

Die 2000 mitgereisten Fans durften mit der Mannschaft einen historischen Erfolg feiern: Den ersten Salzburger Sieg in Deutschland und das im fünften Versuch.

Borussia Dortmund 1:2 Red Bull Salzburg

Dortmund, Signal-Iduna-Park, SR Slavko Vinčić (SLO)

Tore: 0:1 Berisha (49./Elfmeter), 0:2 Berisha (56.), 1:2 Schürrle (62.)

BVB: Bürki - Castro, Sokratis, Toprak, Schmelzer - Dahoud, Weigl - Reus, Götze (61. Philipp), Schürrle - Batshuayi (61. Pulisic)

Salzburg: Walke - Lainer, Ramalho, Caleta-Car, Ulmer - Haidara (90. Yabo), Samassekou, Berisha - Schlager (73. Minamino) - Hwang (69. Gulbrandsen), Dabbur

Gelbe Karte: Toprak (48.), Weigl (90.) bzw. Lainer (59.), Caleta-Car (79.), Minamino (89.)

Rose: "Es ist ein gutes Ergebnis"

Peter Stöger (Dortmund-Trainer): "Die Enttäuschung ist nicht wahnsinnig groß, weil wir heute einfach nicht gut genug waren. Wir haben nicht alles abgerufen. Es war nicht genug von dem Spirit da, der den Europapokal ausmacht. Der Elfmeter war außerhalb, beim zweiten Tor war vorher ein klares Foulspiel. Salzburg hat uns immer wieder vor Probleme gestellt, dennoch war es nicht notwendig, hier zu verlieren. Mit so einer Leistung wird es (im Rückspiel) zu wenig sein. Wenn man Dortmund kennt, weiß man aber, dass wir auch auswärts überall gewinnen können."

Marcel Schmelzer (Dortmund-Torschütze): "Dass wir das zu Hause zulassen, ist ein No-Go. Vor dem 0:2 war es ein Foul an mir. Wir müssen im Rückspiel einiges gutmachen."

Marco Rose (Salzburg-Trainer): "Wir haben ein Gegentor bekommen, da hätten wir besser verteidigen können. Aber sonst haben wir viel richtig gemacht und ein gutes Ergebnis für das Rückspiel geholt. Wir haben taktisch anders angefangen, hatten da zu wenig Automatismen. Dann sind wir wieder zurück Raute, dann hatten die Jungs das im Griff. Wir sind unseren Prinzipien treu geblieben, haben nach vorne verteidigt. Es ist jetzt erst Halbzeit, es ist noch nichts passiert. Es ist ein gutes Ergebnis, aber auch ein gefährliches. Wenn wir anfangen zu verwalten, wird diese Mannschaft uns bestrafen."

Valon Berisha (Doppeltorschütze Salzburg): "Es war ein gutes Spiel von uns, aber man hat gesehen, dass sie eine sehr gute Mannschaft sind. Sie haben viel Klasse. Aber wir haben gut dagegen gehalten, hier ein sehr gutes Ergebnis geholt. Ich freue mich für die Mannschaft. Mit einem guten Heimspiel kommen wir vielleicht weiter. Das war nur der erste Schritt, ich will jetzt nicht feiern. Wir mussten gut verteidigen, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir sind eine gute Mannschaft, arbeiten sehr hart im Kollektiv. Das zeichnet uns aus."

Andre Ramalho (Salzburg-Verteidiger): "Unglaublich, was wir heute geleistet haben. Wir sind 90 Minuten gelaufen, haben gekämpft und gespielt. Es war meiner Meinung nach ein verdienter Sieg. Aber wir müssen aufpassen, es gibt noch ein Rückspiel. Es warten noch 90 Minuten, wo wir noch so eine Leistung auf dem Platz bringen müssen. Aber wir werden auch bereit sein."

( Agenturen , kurier.at , kai ) Erstellt am 08.03.2018