Sport | Bundesliga
28.04.2017

Salzburgs Bollwerk könnte zerbröckeln

Mit Miranda/Wisdom hat Red Bull alle Spiele in Österreich gewonnen. Der Engländer ist aber nur ausgeliehen.

Da haben sich zwei gefunden – ein Sprichwort, das das Zusammenspiel der Salzburger Innenverteidiger Paulo Miranda und Andre Wisdom perfekt beschreibt. Seit der Brasilianer und der Engländer gemeinsam die Abwehrzentrale bilden, hat Salzburg alle neun Spiele gegen österreichische Gegner gewonnen – und das mit einem Torverhältnis von 26:1.

Aber die beiden Legionäre mussten sich erst finden. Salzburg-Coach Óscar García stellte sie erstmals im Oktober in der Europa League gegen Nizza gemeinsam in der Innenverteidigung auf. Damals spielte Wisdom rechts und Miranda links, Abstimmungsprobleme waren nicht zu übersehen, damals verursachten beide auch den Treffer zur 0:1-Niederlage.

Zweite Chance

Es sollte fast zwei Monate dauern, bis Miranda und Wisdom wieder zusammen in der Salzburger Innenverteidigung spielen durften – und das in vertauschten Rollen. Im Bundesliga-Heimspiel gegen den WAC gab es ein 3:0. Das war der Auftakt zu einer Erfolgsserie: Erst nach 711 Minuten konnte der St. Pöltner Lukas Thürauer mit einem unhaltbaren Weitschuss die Torsperre brechen. Salzburg gewann aber am Samstag trotzdem 2:1.

Bei der 5:0-Gala im Cup-Semifinale am Mittwoch bei der Admira blieb der Gegner dann aber nicht nur ohne Gegentor, sondern hatte keine einzige Torchance – ein weiteres Indiz für das perfekte Teamwork in der Defensive.

Stabilisator Wisdom

Besonders einer hat Stabilität gebracht: der Engländer Wisdom. Der 23-Jährige war erst kurz vor Transferschluss Ende August geholt worden – als Ersatz für Rechtsverteidiger Christian Schwegler, der wegen einer Verletzung ausfiel. Aber auf dieser Position spielte Wisdom nur selten, im Frühjahr kam er überhaupt nur als Innenverteidiger zum Einsatz.

Von seinem Trainer gab es nach dem Einzug ins Cup-Finale Lob. "Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Ich denke, er ist auch mit dem Trainerteam und dem Verein sehr zufrieden", meinte Óscar García.

Keine Kaufoption

Möglicherweise ist das Cup-Finale gegen Rapid am 1. Juni aber das letzte Spiel von Wisdom für Salzburg. Denn er ist vom FC Liverpool nur bis Sommer ausgeliehen – und das ohne Kaufoption. Beim Premier-League-Klub steht der 23-Jährige noch bis Sommer 2019 unter Vertrag.

Ein Fixkauf ist laut Salzburgs Sportchef Christoph Freund "nicht finanzierbar". Angestrebt wird eine Leihe für die kommende Saison. "Wir sind derzeit mit dem FC Liverpool in Gesprächen", erzählt Freund dem KURIER.

Optimistischer Óscar

"Ich hoffe sehr, dass der Verein eine Lösung findet. Ich möchte, dass er bleibt", erklärt Óscar, der aber durchaus optimistisch ist, dass es eine positive Lösung gibt: "Ich habe mit ihm gesprochen. Er ist für diese Option offen. "

Bei Wisdoms Partner ist zumindest die Vertragslage klarer: Der Brasilianer, für den es im Jänner konkrete Anfragen aus dessen Heimat gab, steht bei Salzburg noch zwei weitere Saisonen unter Vertrag. Der Ball liegt also bei Red Bull, sollte es im Sommer erneut Angebote geben.