Sport | Bundesliga
15.03.2018

Salzburg: Mehr Plus als Minus in der Rechnung

Vieles spricht im Heimspiel für einen Red-Bull-Aufstieg ins Viertelfinale, doch auch Dortmund bleibt gefährlich.

"Wir werden maximale Leistung und maximalen Respekt brauchen!" Salzburg-Trainer Marco Rose weiß, was notwendig sein wird, um heute gegen Dortmund den Einzug ins Viertelfinale der Europa League zu fixieren (21.05 Uhr, live Puls4, Sky).

"Maximal" – das war das kommunikative Markenzeichen jenes Trainers, der Salzburg zum ersten und einzigen Mal unter die letzten Acht eines europäischen Bewerbs führte: Otto Baric gelang dies im UEFA-Cup 1993/’94.

Das Achtelfinal-Rückspiel ist legendär. In letzter Sekunde gelang Adi Hütter in Unterzahl (Rot für Kurt Garger) gegen Sporting Lissabon daheim das Tor zum 2:0. Damit war das 0:2 aus dem Hinspiel egalisiert. In der Nachspielzeit erzielte Martin Amerhauser das 3:0, das gegen Luis Figo, Paulo Sousa und Kollegen reichte.

Dieses Mal brauchen die Salzburger nach dem 2:1-Auswärtssieg zwar kein Fußball-Wunder, um weiterzukommen, aber trotzdem wird es ein hartes Stück Arbeit werden.

Fünf Gründe, die Hoffnung machen

Die Ausgangslage
Salzburg kann sich dank des Auswärtssieges sogar ein 0:1 leisten. Bei jedem Sieg und jedem Remis ist man so und so weiter. Gefährlich wird es nur, wenn Dortmund zwei Auswärtstore erzielen würde, dann wäre Salzburgs Bonus aus dem Hinspiel futsch. "Wir wollen nicht verwalten, sondern werden aktiv spielen", kündigt Erfolgstrainer Rose an.

Die Heimserie
33 Pflichtspiele ist Salzburg in der Red-Bull-Arena ungeschlagen. Die letzte Heimniederlage setzte es am 27. November 2016 gegen die Admira. Das 0:1 würde heute zum Aufstieg reichen. Die letzte Niederlage daheim in einer Höhe, die zum Ausscheiden ohne Verlängerung führen würde, kassierte Salzburg im Februar 2015: 1:3 endete das Europa-League-Sechzehntelfinale gegen Villarreal.

Der Trainer
Manchester City, PSG, Atlético, Barcelona, Benfica – große Namen hat Marco Rose in europäischen Bewerben ausgeschaltet. Gut, das gelang "nur" in der Youth League, aber auch in diesem Bewerb mussten erst Lösungen gegen auf dem Papier stärkere Gegner gefunden werden.

Die Mentalität
Was viele Salzburger Teams nicht in dieser Intensität hatten, hat das aktuelle: Fokussierung, Konzentration, Professionalität und Erfolgsorientiertheit sind die Basis des Erfolgslaufs. Rose: "Wir brauchen immer diese Einstellung."

Die BVB-Bilanz
Neun Spiele, nur ein Sieg, dafür aber fünf Niederlagen – die Europacup-Bilanz der Dortmunder ist diese Saison alles andere als berauschend. Der letzte Auswärtssieg ist eine Ewigkeit her: 2:1 bei Sporting Lissabon im Oktober 2016.

Vier Gründe, die trotzdem Sorgen bereiten ...

Die Historie
Noch nie ist ein österreichischer gegen einen deutschen Klub im Europacup weitergekommen, wenn das Rückspiel zu Hause war. Bei allen drei erfolgreichen K.-o.-Duellen (Salzburg 1994 gegen Frankfurt und Karlsruhe; Rapid 1997 gegen 1860 München) wurde auswärts der Aufstieg fixiert.

Die individuelle Klasse
In Dortmund war Salzburg als Mannschaft besser. Von der individuellen Klasse her ist der deutsche Dritte aber über den österreichischen Leader zu stellen. Götze, Reus und Schürrle haben das Können, um Spiele im Alleingang zu entscheiden. "Das ist enorme Qualität", weiß Rose.

Die Erwartungshaltung
Die Euphorie in Österreich ist wieder einmal grenzenlos. Übermütige reden gar schon vom Finale. Wohin das führen kann, hat die EURO 2016 gezeigt, die für Österreich im Jammertal endete.

Der Rasen
Sechs Spiele im Februar und März haben in der Red-Bull-Arena genauso ihre Spuren hinterlassen wie ein Rasenpilz. "Ein Teppich wie in Dortmund wird es nicht sein", weiß Salzburg-Keeper Alexander Walke. Auch wenn alles versucht wurde, um den Acker wieder halbwegs in eine Wiese zu verwandeln, könnte der holprige Untergrund ein Faktor für die Aufstiegsfrage werden. Fraglich ist, wer mehr Ballglück haben wird.

Ein volles Haus und eine Million Euro für den Aufstieg

Salzburg gegen Dortmund ist der bisherige Höhepunkt der Fußballsaison aus österreichischer Sicht. Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum heutigen Rückspiel im Achtelfinale...

1 Million Euro Aufstiegsprämie bringt der Einzug ins Viertelfinale. Ein Sieg ist zusätzlich 360.000 Euro wert, ein Remis wird von der UEFA mit 120.000 Euro belohnt.

7 Niederlagen kassierte Trainer Peter Stöger in bisher elf Spielen gegen Salzburg. Sein einziger Erfolg gegen Red Bull ist schon ziemlich lange her: Am 11. September 2005 gewann er 2:0 mit der Austria, beide Tore erzielte Roland Linz.

9 Spieler müssen heute aufpassen, denn bei einer Gelben Karte sind sie im Viertelfinal-Hinspiel gesperrt. Bei Salzburg sind Caleta-Car, Dabbur, Hwang, Lainer und Schlager gefährdet, bei Dortmund Sokratis, Schürrle, Toprak und Weigl.

18 Europacupspiele ist Salzburg ungeschlagen. Damit fehlen nur mehr drei Partien auf den Rekord, den Ajax Amsterdam mit 21 Spielen (September 1994 bis April 1996) hält. Die UEFA zählt in diese Wertung auch den UEFA-Supercup, den Manchester United 2008 gegen St. Petersburg verloren hat. Sonst wäre United mit insgesamt 25 Champions-League-Spielen ohne Niederlage Spitzenreiter.

55 Europa-League-Spiele hat Salzburg ab der Gruppenphase bisher absolviert. Nur Villarreal (62) und Athletic Bilbao (60) haben noch mehr auf dem Konto. Mit bisher 29 Siegen sind die Salzburger in dieser Wertung das zweitbeste Team des Bewerbes. Nur Villarreal hat mit 33 Siegen noch öfters gewonnen.

29.520 Zuschauer werden in der Red-Bull-Arena sein und für einen Heimrekord bei Salzburger Bewerbsspielen sorgen. Zuletzt war das EM-Stadion 2014 ausverkauft. Gegen Basel waren aber nur 29.320 Zuschauer dabei. Weil die Gästefans von der Nord- auf die Südtribüne umquartiert wurden, fasst die Arena nun mehr Fans.