Schuss ist nicht gleich Schuss: Rapid trifft nicht

© Agentur DIENER/DIENER / Philipp Schalber

Analyse
03/07/2017

Rapid-Krise: Der Schuss geht nach hinten los

Warum Salzburg trifft, die Hütteldorfer aber nicht ins Tor finden.

von Alexander Huber, Harald Ottawa

Jonatan Soriano hat es im fernen China mitbekommen. Der abgewanderte Goalgetter saß vor dem Bildschirm, als sein Name in der 70. Spielminute bei einigen mitgereisten Salzburgern im Allianz Stadion fiel: "Jetzt bräuchte man eben einen Freistoß-Schützen wie Soriano."

Valon Berisha gab mit seinem ersten Freistoß-Tor in Soriano-Manier die Antwort: Kreuzeck. Unhaltbar für Rapid-Goalie Knoflach. "Ich habe immer mit ihm trainiert, mir vieles abgeschaut." Nachsatz: "Ich habe gewusst, dass ich es auch kann."

Die Dauerschleife

Toreschießen ganz einfach gemacht? Der zweite und letzte Schuss aufs Tor war entscheidend. Nie in dieser Saison kam der Meister auf weniger Versuche. Aber es gab den neunten Pflichtspiel-Sieg in Folge.

Bei Rapid wird hingegen in Dauerschleife betont, dass die Leistung in Ordnung war. Berisha meint anerkennend: "Sie waren auch spielerisch sehr stark."

Aber leider, leider – die vielen Schüsse brachten wieder nicht das fällige Tor. "Es fehlen nur Kleinigkeiten. Wir müssen gegen Sturm an diese Leistung anschließen", meint Trainer Damir Canadi.

Tatsächlich eindeutig fällt die Torschuss-Bilanz der jüngsten Enttäuschungen aus: 19:7 gegen Salzburg, 24:10 gegen den WAC (Ergebnis 1:2), 15:8 gegen die Admira (0:0). Auch beim 1:1 im Derby gab es bis zum Ausschluss von Joelinton ein Plus, am Ende lag die Austria knapp mit 15:12 voran.

Statistik vs. Realität

Ähnlich sieht es bei der Foul-Statistik aus. Die Rapidler spielten trotz des immensen Aufwands fair, sahen keine gelbe Karte und begingen nur zehn Fouls. Salzburg 22.

Trotzdem hatten die Gäste zwei gute Freistoß-Chancen, eine wurde verwertet. Der WAC traf ebenfalls nach zwei Freistößen. Rapid hatte keinen einzigen Freistoß im Zentrum in Strafraumnähe.

Die Statistik ist also das eine, die Realität das andere: Schuss ist nicht gleich Schuss.

"Es gibt im Fußball eigentlich keine Zufälle", meint Sportdirektor Fredy Bickel. Es lohnt sich also ein genauerer Blick auf das Rapid-Leid.

Durch die veränderte Spielanlage wird der direktere Weg zum Tor und der schnellere Abschluss forciert. Zum Schuss kommen, hauptsächlich aus der Distanz, Spieler, die nicht für Torgefahr stehen. So wie Auer, der es in 127 Ligaspielen auf drei Tore brachte. Oder Pavelic (insgesamt vier Tore). Oder Kuen (bisher null Treffer). "Ich sehe diese Schüsse als verzweifelten Versuch, endlich Zählbares zu erzwingen", sagt Bickel. "Es fehlt aber der Glauben an den Erfolg."

Bei Trainingsbesuchen fällt auf, dass auch Joelinton und Kvilitaia auffallend oft im Abschluss scheitern. In der Vorbereitung setzte Canadi auf Ungewöhnliches: Für jeden unbedrängten Schuss übers Tor mussten die Angreifer zehn Liegestütz machen. Von einer breiten Brust ist aber nichts zu sehen.

Zuseher Hofmann

Einer in Hütteldorf weiß noch immer, wie das Toreschießen geht. Steffen Hofmann hält bei 95 Bundesliga-Treffern und ist nach vielen Extra-Einheiten wieder top-fit. Die 90 Minuten des Non-playing-Captain auf der Bank erklärte Canadi kühl: "Ich habe Spieler eingewechselt, von denen ich denke, dass sie Impulse geben können." Hofmann betont, dass er sich in den Dienst des Teams stellt, den verunsicherten Kollegen abseits des Platzes hilft.

Während es den Spielmacher-Posten nicht mehr gibt, sind die Flügelstürmer für Canadis System besonders wichtig. Dementsprechend heftig fiel seine Reaktion auf die Verletzung von Traustason aus. "Der Trainer war außer sich, weil es für das Foul keine Gelbe gab. Das war nicht gegen den Spieler gerichtet", meint Bickel. Sollten es die Knieschmerzen bei Traustason zulassen, wäre der Flügel auch in Graz gefragt. Denn Murg dürfte erst wieder in der Länderspielpause fit werden.

Bickels Resümee

Bickels Resümee: "Das fehlende Selbstvertrauen im Abschluss ist unser größtes Problem. Das haben wir uns selbst eingebrockt. Da müssen wir auch rauskommen."

Rausgekommen wären gerne auch Hunderte Rapid-Fans Sonntagabend aus dem Parkhaus. Der Zuständige für die Ampel-Regelung ging zu früh heim. Bis Rapid einen Notdienst organisiert hatte, gab es eine Stunde lang Stau. Ein passendes Bild für die Lage in Hütteldorf.

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