Sport | Bundesliga
15.12.2017

Rapid-Kapitän Schwab: "Ich bin jetzt am Höhepunkt"

Stefan Schwab über seine Karriere, das Kapitänsamt bei Rapid und Trainer Djuricin.

Morgen, 18.30 Uhr, wartet auf Rapid mit dem SKN in St. Pölten die letzte Aufgabe im durchwachsenen Fußballjahr 2017. Mittelfeldmotor Stefan Schwab ist seit Sommer Rapid-Kapitän. Im KURIER-Interview ist der 27-jährige Salzburger um keine Antwort verlegen.

KURIER: Im Sommer wurde das Ziel Top 3 und Cupfinale ausgegeben. Konnte sich das Team so gut einschätzen oder braucht es im Winter höhere Ziele?

Stefan Schwab: Nach der letzten Saison konnten wir uns nicht hinstellen und sagen: "Wir werden Meister". Nach der starken Serie waren auch die letzten drei Heimspiele sehr gut von uns, aber wir haben nur einen Punkt geholt. Deswegen sind wir im Soll, aber nicht ganz zufrieden: Der Rückstand nach vorne ist zu groß. Beim SKN wollen wir unbedingt gewinnen.

Wie sehen Sie als Topscorer von Rapid das Stürmerproblem?

Die Trainer haben alles probiert, aber wir haben niemanden wie bei Salzburg, Sturm oder dem WAC, der in der Schützenliste weit vorne ist. Trotzdem darf nicht zu viel Druck gemacht werden.

Warum?

Wenn du im Kopf hast, dass du der Trottel bist, wenn du vergibst, wird’s nicht besser. Deswegen bauen wir die Mittelstürmer auf, das ist auch meine Aufgabe als Kapitän. Kvilitaia hat Qualitäten, und jene von Joelinton sind offensichtlich. Wenn wir ihn irgendwie halten können, soll es Rapid versuchen.

Welche Bedeutung hat Ljubicic für Ihre starken Auftritte?

Er spielt gerne den klaren Sechser und macht das wirklich gut. Er hält mir den Rücken frei, das kommt mir entgegen, weil ich in der Offensive mehr Qualitäten als in der Defensive habe.

Würden Sie es verstehen, wenn Ljubicic im Sommer wie Wöber einen Millionentransfer wagt?

Es müsste passen wie bei Wöber, also zu einem Verein, wo er auch spielt. Sonst sollte er noch länger bleiben. Dejan ist bis 2020 gebunden, das macht der Verein sehr gut: Seit ich da bin, ist von den Stammspielern nur Petsos ablösefrei gegangen.

Der Rapid-Kapitän hat von allen Fußballern die meisten Auftritte. Wie geht’s Ihnen damit?

Ich will keiner sein, der nur mitschwimmt. Mir taugt diese Rolle. Extrem wichtig war, dass als Co-Kapitän von Steffen reinwachsen konnte. Als Fußballer hast du ein biss’l Freizeit, und da kann ich bei den Zusatzterminen auch was für mein späteres Leben mitnehmen.

Wie meinen Sie das?

Ich habe nicht vor, mich mit 35 auf die faule Haut zu legen. Als Rapid-Kapitän lernst du viele Menschen kennen und bekommst Einblicke von außen. Das bringt mich auch als Mensch weiter.

Wie beurteilen Sie die Rolle von Steffen Hofmann, der im Herbst kaum noch spielte?

Es ist sehr schwierig für ihn, aber er geht gut damit um. Wenn er intern etwas zu sagen hat, hat sein Wort weiterhin riesiges Gewicht.

Wurde der Streit mit Referee Muckenhammer analysiert?

Ich habe mir mein Interview nach dem Salzburg-Spiel nochmals angehört: Ja, es musste nicht sein, dass ich Gerüchte weiterverbreite. Aber die Journalisten haben danach gefragt und ich wollte antworten, ohne jemanden anzugreifen.

Für Muckenhammer war das "charakterlos".

Davon war ich überrascht, weil ich dieses Wort noch nie über mich gehört habe. Wenn der Herr Muckenhammer noch einmal bei Rapid im Einsatz sein sollte, gebe ich ihm die Hand und das Ganze ist erledigt. Ich vermute, dass ihm dieses Wort mittlerweile auch leid tut.

Wie sehen Sie Ihren Karriereverlauf?

Ich bin jetzt am Höhepunkt. Ich habe es mir erarbeitet, Rapid-Kapitän zu sein, und im Team war ich auch dabei. Ich bin nicht der Typ, der das hier Begonnene gleich hinter sich lassen würde. Obwohl mein Vertrag noch bis 2020 läuft, werde ich 2018 sicher mit Fredy Bickel über die Zukunft reden.

Sie haben Djuricin als Co-, Interims- und Cheftrainer erlebt. Welche Rolle passt am besten?

Er ist jetzt genauso wie als Interimstrainer: Er hat einen guten Draht zu den Spielern und hackelt echt hart, um seine Chance zu nutzen. Er hat so viele Themen am Tisch, dass es gut ist, mit Thomas Hickersberger zusätzliche Unterstützung zu bekommen.

Was haben Sie sich gedacht, als er beim 2:2 gegen Mattersburg Tormann Strebinger beim Eckball nach vorne geschickt hat?

Im Spiel war ich voll dafür, weil das 2:2 eine gefühlte Niederlage war. Danach habe ich mir schon gedacht, dass wir dadurch noch hätten verlieren können. Aber vor seinem Mut zum Risiko ziehe ich grundsätzlich den Hut.

Warum?

Jeder Spieler identifiziert sich voll mit der Spielart von Djuricin. Deswegen ist die Stimmung intern jetzt auch wieder gut. Er ist ein sehr offener Mensch, der mit allen gleich umgeht. Egal, ob alt oder jung. Das ist als Rapid-Trainer, wo du viele schwierige Gespräche zu führen hast, nicht so einfach.