Sport | Bundesliga
25.06.2017

Ivan Santini: In Salzburg übersehen, in Caen gefeiert

Bei Red Bull durfte der Kroate 2007 nur zwei Minuten spielen, heute ist er in der Ligue 1 ein Torjäger.

Ivan, wer? Das werden sich selbst hartgesottene Salzburg-Fans fragen. Ivan Santini hat ja auch nur ganze zwei Minuten für Österreichs Serienmeister gespielt. Im März 2007 war der damals noch 17-Jährige im Cup-Viertelfinale beim FC Kärnten kurz vor Schluss beim Spielstand von 3:0 für Johan Vonlanthen eingewechselt worden.

Mittlerweile hat der Kroate aber Karriere gemacht. In der französischen Ligue 1 gehörte Santini in der vergangenen Saison zu den besten zehn Torschützen. 15 Treffer erzielte der mittlerweile 28-Jährige und damit gleich viele wie Monaco-Juwel Kylian Mbappe oder Nizza-Starstürmer Mario Balotelli. Während seine Konkurrenten aber für Spitzenteams stürmen, erzielte Santini seine Tore für den Nachzügler SM Caen. Die Nordfranzosen schafften dank seiner Treffer knapp, aber doch den Klassenerhalt.

Unter Trapattoni

Santini, der im Jänner 2007 von Inker Zapresic in den Red-Bull-Nachwuchs gekommen war, spielte zu einer Zeit bei Salzburg, als es für Spieler aus der eigenen Akademie fast unmöglich war, den Durchbruch zu schaffen. Für den damaligen Trainer Giovanni Trapattoni gab es nicht junge oder alte Spieler, es gab nur gute und schlechte Spieler. Und die, die für seine Ansprüche gut genug waren, waren tendenziell die älteren Spieler.

Legendär ist eine Episode aus seiner Ära: Erst mit viel Überredungskunst konnte der italienische Startrainer dazu gebracht werden, sich endlich einmal ein Spiel der Salzburg Juniors anzuschauen, die damals unter Trainer Thorsten Fink immerhin bis ins Cup-Semifinale vorgedrungen waren. Trapattoni fiel genau ein Spieler ins Auge. Sein Name: Adi Hütter. Der spätere Salzburg-Trainer war damals fast 37 Jahre alt.

Förderer Fink

Bei Trapattoni bekam Santini genau jene zwei Minuten in Klagenfurt Zeit, sein Können zu zeigen. Sonst kam er nur in der Salzburger U-18-Mannschaft zum Einsatz. Im Sommer 2008 wurde sein Vertrag nicht verlängert. Sein Pech war wohl auch, dass mit Fink sein großer Förderer Salzburg im Jänner 2008 Richtung Ingolstadt verlassen hatte. „Er ist irgendwie mein Ziehsohn“, sagt der aktuelle Austria-Trainer noch heute über ihn.

Santinis Karriere schien mit 18 zu Ende zu sein, bevor sie richtig begonnen hatte. Er war über ein halbes Jahr ohne Verein. Dann gab ihm Fink bei Ingolstadt noch eine Chance. Der Kroate kam im Februar 2009, Fink musste aber zwei Monate später gehen. Wohl auch deshalb dauerte Santinis Gastspiel bei den Bayern nur ein paar Monate.

Klassischer Mittelstürmer

Ein drittes Mal sollten sich die Wege des Kroaten und des Deutschen nicht mehr kreuzen. „Ich wollte ihn später auch nach Basel holen, aber da hat er beim Probetraining nicht überzeugt“, erzählt Fink. Trotzdem schwärmt der Austria-Trainer noch heute, wenn er über Santini redet: „Er ist kopfballstark, hat Charakter, ist ein echter Stoßstürmer, der sich zwar nicht allzu viel bewegt, aber immer seine Tore macht. Er ist nicht der Schnellste, kann aber toll den Ball halten. Ich mag ihn.“

Im Laufe der Jahre konnte Santini seine Qualitäten immer besser zeigen. Der Durchbruch gelang dem Mittelstürmer vor vier Jahren in Belgien. Für KV Kortrijk erzielte er in seiner ersten Saison 16 Tore, in der Saison 2014/'15 waren es dann noch einmal so viele. Standard Lüttich kaufte ihn danach um 1,6 Millionen Euro. Mit 15 Toren und dem belgischen Cupsieg 2016 konnte Santini seinen Marktwert erneut steigern. Im August vergangenen Jahres holte ihn Caen für kolportierte 2,5 Millionen Euro.

Interessent Marseille

Das war eine Investition, die sich längst bezahlt gemacht hat. Und die nun dank eines Vertrages, der bis Sommer 2019 läuft, einen Millionen-Gewinn abwerfen könnte. Denn Olympique Marseille ist an Santini interessiert, der Ende Mai auch sein Debüt in der kroatischen Nationalmannschaft feiern durfte. Beim 2:1-Testspielsieg gegen Mexiko stand er in der Startelf.