Goran Djuricin: "Wie das Amen im Gebet"

PK RAPID: DJURICIN
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER Lautsprecher: Goran Djuricin findet klare Worte

Der Rapid-Trainer spricht vor dem Cup-Spiel in Schwaz über den Hofmann-Nachfolger, Aufsteiger Eren Keles und die Ziele in Hütteldorf.

Goran Djuricin hat seine erste Vorbereitung als Cheftrainer bei Rapid hinter sich. Der 42-jährige Wiener versprüht Optimismus und Tatendrang. Bei den Spielern kommen die ehrlichen Worte gut an, auch wenn es um die Kaderreduktion geht wie beim Berlin-Transfer von Christoph Schösswendter.

Ab heute geht es um Ergebnisse. Die erste Partie seit dem verlorenen Cupfinale ist wieder ein ÖFB-Pokalspiel – ab 16 Uhr (Puls 4 live), beim Tiroler Regionalligisten Schwaz. Der neue Linksverteidiger Boli Bolingoli hat es  noch nicht in den 16-Mann-Kader geschafft.

KURIER: Wie soll die Pflichtaufgabe im ÖFB-Cup in Schwaz gemeistert werden?

Goran Djuricin: Wir müssen wirklich aufpassen, weil Schwaz eine dynamische, bis auf Stürmer Thomas Pichlmann junge Mannschaft hat, die gerne das System ändert und bei Standards gefährlich ist. Aber es ist natürlich eindeutig: Wir wollen die erste Hürde meistern.

Wo haben Sie die Schwerpunkte in der Vorbereitung gesetzt?

Neben dem körperlichen Aufbau wollten wir mehr Optionen und Varianten für die Offensive reinkriegen. Damit alle wissen, was zu tun ist, wenn der eine das macht, und der andere das. Als "Feuerwehr" in der Frühjahrssaison konnten wir das als Trainerteam kaum unterbringen. Und mittelfristig wäre es wünschenswert, dass wir unsere drei Systeme während eines Spiels ändern könnten.

Der Ex-Rapidler Amir Bradaric hatte Hoffnungen, zweiter Co-Trainer zu werden. Warum ist daraus nichts geworden?

Der Butre (Martin Bernhard, Anm.) ist so fleißig, dass es so geht. (lacht) Im Ernst: Wenn wir international gespielt hätten, wäre aufgrund der umfangreichen Spiel-Vorbereitungen ein zweiter Co-Trainer gekommen. So schaffen wir das und sind froh, Toni Beretzki für den Athletikbereich gewonnen zu haben.

Ist Steffen Hofmann der letzte klassische Spielmacher, der ein Rapid-Dress tragen wird?

Steffen verkörpert noch die alte Garde. Er hat die Ruhe, Übersicht, Torgefahr und das Gefühl für die richtigen Pässe. Diese Möglichkeiten sehe ich aber auch bei einem anderen Spieler.

Bei wem?

Rapid Wien - KRC Genk Foto: Georg Diener Agentur Diener/DIENER / Alex Domanski Bei Tamas Szanto, der außerdem schneller ist. Er kann zwar auch defensiver spielen, aber ich glaube, dass er als Zehner am besten wird und ein würdiger Nachfolger von Steffen. Er holt sich auch viele Tipps von ihm. Zwischen diesen beiden wird das diese Saison eine interessante Konstellation.

Hofmann ist jetzt auch Talentemanager. Wie gehen Sie mit ihm als Ansprechpartner um?

Ich rede mit ihm mehr als mit allen anderen. Ich darf dabei nie vergessen, dass er ein Spieler ist. Aber ich bespreche mit ihm auch taktische Vorschläge.

Eren Keles ist der Gewinner der Vorbereitung. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Als ich Ebreichsdorf-Trainer war, hat er zu den Top-3-Spielern der Ostliga gezählt. Er ist ja schon 23 Jahre, also ein Spätstarter. Er hat schon viel gelernt, wir müssen ihn körperlich und taktisch aber noch verbessern. Außerdem wollten wir dann sehen, wie er sich gegen starke Test-Gegner tut.

Er hat Ihnen auch da gefallen.

Ja, Eren hat bewiesen, dass er sich im Eins-gegen-eins nix pfeift. Sein Potenzial ist enorm. Am besten ist er, wenn er von links kommt und ins Zentrum dribbelt.

Apropos Ostliga: Müsste Rapid II nicht eine Plattform wie Liefering für Salzburg werden und nach der Reform gleich in die neue 16er-Liga aufsteigen?

Ich halte es für zu früh, mit dieser jungen Mannschaft vom Aufstieg zu reden. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Routine in der Ostliga sehr wichtig ist. Wenn es trotzdem passiert, freuen wir uns natürlich.

Ivan Mocinic ist langzeitverletzt und gilt als extrem sensibel. Hilft es, mit ihm in seiner Muttersprache zu reden?

Ich habe mich schon als Co-Trainer gut mit ihm verstanden, ich rede viel mit ihm. In Kroatien wurde er "der zweite Modric" genannt. Das hat ihm viel Druck mitgegeben. Wenn er sein Potenzial ausschöpfen kann, wird er uns sehr helfen. Jetzt muss er mal ganz fit werden. Es wird immer besser, aber es ist bei der Kraftübertragung noch nicht alles gut.

Was können Sie den Rapid-Fans für die startende Saison versprechen?

Die Rapid-Tugenden sollen wieder aufleben. Ich weiß nicht, ob ich es versprechen kann, aber das ist eines der wichtigsten Dinge: dass wir zu Hause sehr offensiv spielen und die Fans den unbedingten Siegeswillen spüren. Auswärts möchten wir auch schrittweise dahin. In Hütteldorf muss das wie das Amen im Gebet kommen.

Rapidler und Ex-Rapidler

Schulte holt Schösswendter nach Berlin

Diese Chance ließ sich der frühere Rapid-Sportdirektor Helmut Schulte nicht entgehen: Um Rapid bei der Kaderreduktion zu „helfen“, holt der Sportchef von Union Berlin mit Christoph Schösswendter den per Kopf torgefährlichsten Innenverteidiger der Bundesliga in die zweite deutsche Liga. Im Zuge der Vertragsauflösung des seit heute 29-Jährigen war nur eine Kleinigkeit zu entrichten, bei einem Weiterverkauf soll Rapid beteiligt sein.

Eigentlich wollte sich Schösswendter hinter dem gesetzten Duo Max Wöber und Christopher Dibon (bald wieder fit) als Nr. 3 in der Innenverteidigung etablieren, hatte in der Vorbereitung aber immer wieder Verletzungssorgen. Auch die Reise nach Schwaz zum Cup hätte der Salzburger aufgrund von Muskelschmerzen nicht mitmachen können.
Stattdessen geht die Reise zu den „Eisernen“ mit Philipp Hosiner und Christopher Trimmel. Für die Rapid-Historie bleibt das Premierentor im Allianz Stadion gegen Ried (5:0) am 23. Juli 2016.

Im Unterhaus

Zwei Ex-Rapidler haben sich jung aus dem Profifußball verabschiedet: Ümit Korkmaz, wie der ebenso erst 31-jährige Thomas Prager. Während EURO-Teilnehmer Korkmaz in die Ostliga zu Aufsteiger Karabakh wechselt, ist Ex-Teamspieler Prager (nach drei Jahren auf Zypern) noch eine Liga darunter zu finden. Bei Wiener Viktoria.

(kurier) Erstellt am
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