Sport | Bundesliga
05.01.2017

Ein Mini-Red-Bull in der Südstadt

Die Admira ist nun das Kooperationsteam der Würzburger Kickers – ähnlich wie Salzburg für Leipzig.

Es war angenehm für die Verantwortlichen von Rapid und Austria. Da gab es vor den Toren Wiens einen Ligakonkurrenten, bei dem regelmäßig Transferschnäppchen gemacht werden konnten. Sieben Leistungsträger wechselten in vier Jahren von der Admira zu den beiden Vereinen, gerade einmal 1,65 Millionen Euro wurden für diese insgesamt in die Südstadt überwiesen.

Der notorisch in Geldnöten befindliche Bundesligist musste die Spieler - wenn überhaupt Geld floss - um vergleichsweise läppische Summen ziehen lassen, um irgendwie weiter existieren zu können. Aber um endlich den finanziellen Turnaround zu schaffen, waren die lukrierten Transfersummen ein zu geringer Zuschuss für die benötigten rund Sechs-Millionen Euro pro Jahr. Die Lizenz wackelte auch deshalb Frühjahr für Frühjahr. Damit soll aber jetzt Schluss sein - dank eines neuen Investors.

Personaltausch

Die Überraschung war groß, als die Trennung von Trainer Oliver Lederer und die Verpflichtung des Kroaten Damir Buric als dessen Nachfolger am Dienstag verkündet wurde. Doch so ohne Vorwarnung kam der Personalwechsel gar nicht. Schon vor Weihnachten mehrten sich die Anzeichen, dass Lederer nicht mehr unumstritten ist. Das hatte allerdings keine sportlichen Gründe. Mit Platz 6 und 23 Punkten liegen die Südstädter im Plansoll.

Lederer machte es sich selbst schwer - mit völlig unbedachten Äußerungen in einem Interview mit der Online-Plattform Laola1: "Ich wurde bereit für Rapid geboren", sagte er just zu dem Zeitpunkt, als in Hütteldorf Anfang November ein neuer Trainer gesucht wurde. Das kam bei Rapid nicht gerade gut an - und in der Südstadt schon gar nicht. Dass es nicht schon damals zur Trennung kam, lag wohl auch daran, dass zu diesem Zeitpunkt gerade intensiv mit Flyeralarm verhandelt wurde, die Klubspitze also andere Prioritäten hatte als den Trainer zu beurlauben.

Starker Mann

Mittlerweile ist die komplette Neuausrichtung des Klubs abgeschlossen. In dieser hatte der durchaus streitbare und eigenwillige Lederer keinen Platz mehr. Ein anderer Trainer für "einen neuen sportlichen Impuls" wurde schon länger gesucht und nun in Buric doch noch gefunden, der in der Südstadt unter ganz anderen Voraussetzungen als sein Vorgänger arbeiten wird. Die Online-Druckerei Flyeralarm hat den Bundesliga-Sechsten praktisch übernommen. Starker Mann ist nun Gerhard Bügler. Der Österreich-Geschäftsführer des deutschen Unternehmens (Jahresumsatz rund 300 Millionen Euro) wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden der neuen Admira-G.m.b.H .

Der KURIER hatte schon Ende November darüber berichtet, dass die Zukunft der Admira in Würzburg liegen wird. Dort ist nicht nur der Sitz der Flyeralarm-Zentrale, sondern mit den Kickers ein deutscher Zweitligist beheimatet, bei dem mit Thorsten Fischer der Eigentümer der Online-Druckerei ebenfalls Aufsichtsratschef ist. Die Trennung von Lederer war nur ein weiteres Indiz dafür, in welche Richtung es gehen wird – wie auch schon im Dezember die Verpflichtung von Amir Shapourzadeh als neuen Manager.

Rechte Hand

Der 34-jährige Deutsch-Iraner war noch im Herbst Kapitän bei den Kickers und gilt als Intimus von Trainer Bernd Hollerbach. Der Ex-HSV-Star hat in Würzburg ein ähnliches Standing wie Ralf Rangnick bei Leipzig. Er ist sakrosankt und trifft alle sportlichen Entscheidungen im Alleingang. Der schnelle sportliche Erfolg hievte den 47-Jährigen, der Würzburg 2014 in der Regionalliga Bayern übernommen hat, in diese Position.

Überhaupt sind die Ähnlichkeiten zu Red Bull durchaus frappant. In Würzburg spielt Flyeralarm-Boss Fischer die Mateschitz-Rolle. Ohne ihn würde es in der unterfränkischen Stadt keinen Bundesliga-Fußball geben. Die Art und Weise, wie es Flyeralarm umsetzt, ist anders. Und das nicht nur, weil der finanzielle Input wesentlich geringer ist als jener des Salzburger Getränkekonzerns.

Kein Retortenklub

Das Projekt "Würzburger Kickers" steht dank eines großen Sponsorenpools auf breiteren Beinen als etwa derzeit noch RB Leipzig. Fischers Firma steht, anders als Red Bull, nicht im Vordergrund. "Wenn du etwas Nachhaltiges schaffen möchtest, geht es nur gemeinschaftlich. Wenn du einen Retortenklub aufbaust, der von einem Sponsor abhängig ist oder bei dem die Stadt und die Region nicht mitmachen, wirst du nie Erfolg haben", erklärte Fischer, als Würzburg 2015 gerade in die 3. Liga aufgestiegen war.

Bei der Admira ist Flyeralarm schon seit 2012 Hauptsponsor. Warum es erst jetzt zur Übernahme kam, hat wohl zwei Gründe. Erstens kam der Durchmarsch der Kickers von der 4. in die 2. deutsche Liga völlig überraschend und war schon gar nicht so schnell geplant. Aber erst durch den Aufstieg in die Zweitklassigkeit macht es für Würzburg Sinn, mit einem österreichischen Bundesligisten zu kooperieren. "Ich denke, dass beide Klubs auch in Zukunft Synergien nutzen werden", kündigte Shapourzadeh an.

Reger Spielerwechsel

Wie diese ausschauen könnte, hat schon der Transfer von Keeper Jörg Siebenhandl im Juli nach Würzburg vorgezeigt. Weitere Admira-Spieler werden wohl mit ziemlicher Sicherheit folgen. Schon im Herbst wurde von den Deutschen intensiv in der Südstadt gescoutet. Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich. Spieler, die bei den Kickers nicht regelmäßig zum Einsatz kommen, könnten in der Südstadt eine Chance bekommen - möglicherweise schon in dieser Transferperiode.

Zweitens musste die Admira erst einen Vertrag mit einer slowakischen Sportagentur lösen. Diese hatte mit einer Investition von 250.000 Euro im vergangenen Jahr die Lizenz gerettet. Dass diese künftig nicht mehr in Gefahr ist, dafür soll nun Flyeralarm sorgen. Ohne den neuen Investor wäre es für die Admira mit dem Lizenzerhalt in diesem Jahr wohl noch enger geworden als es bisher sowieso schon war, auch weil die alte Vereinsführung das alljährliche Finanzloch nicht mit Eigenmitteln stopfen konnte.

Lederers Opferrolle

Deshalb sieht auch Admiras Ex-Trainer Lederer seine Beurlaubung durchaus pragmatisch: "Wirtschaftlich ist das ein guter Deal für die Admira. Und wenn ich das Opfer sein muss, damit der Klub künftig die Lizenz immer gleich im ersten Durchgang bekommt, dann bin ich am Ende des Tages bereit, das Opfer zu sein."